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Ausland

USA: Jeder Fünfte geimpft, Diskussionen um Impfpass

Freitag, 9. April 2021

/brainwashed 4 you, stock.adobe.com

Washington – In den USA ist inzwischen etwa jeder Fünfte vollständig gegen Corona geimpft: Von den rund 330 Millionen Einwohnern des Landes sind 66 Millionen abschließend geimpft, wie Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC gestern zeigten. In Bezug auf die Zahl der bislang impfberechtigten Erwach­se­nen – rund 260 Millionen Menschen – ergebe sich eine Impfquote von 25 Prozent.

Gut 112 Millionen Menschen erhielten dem CDC zufolge seit dem Start der Impfkampagne Mitte Dezem­ber zumindest eine Impfung. Das entspricht einem Drittel der Gesamtbevölkerung. Insgesamt wurden für Erst- und Zweitimpfungen seither rund 175 Millionen Dosen verspritzt.

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In den USA wird neben den Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer, bei denen zwei Dosen ge­spritzt werden, auch der Impfstoff von Johnson & Johnson eingesetzt, der bereits nach einer Dosis seine volle Wirkung entfaltet. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist in den USA ab 16 Jahren zugelassen, die übrigen nur für Erwachsene. US-Präsident Joe Biden hat versprochen, bis Ende Mai genügend Impfstoff für alle Erwachsenen im Land zu haben.

Gespalten ist das Land hingegen beim Coronaimpfausweis. Der Bundesstaat New York hat als erster und bislang einziger US-Bundesstaat einen digitalen Pass mit QR-Code eingeführt, der als Nachweis für eine Coronaimpfung oder einen negativen Test dient. Solche Impfausweise sind auch in der EU geplant, ins­besondere für Reisen. Israel hat bereits einen sogenannten grünen Pass, der Geimpften beispielsweise Zutritt zu Cafés und Restaurants verschafft.

Auch in den USA wird zunehmend über solche Bescheinigungen diskutiert. Sie gelten vielen als bester Weg für eine rasche und zugleich sichere Rückkehr zur Normalität. Doch Impfausweise sind höchst um­stritten – und manche befürchten gar einen neuen Kulturkampf wie beim Tragen von Schutzmasken.

Republikanische Gouverneure wie Ron DeSantis in Florida und Greg Abbott in Texas haben Behörden und Unternehmen bereits untersagt, einen Impfnachweis auszustellen oder zu verlangen. DeSantis spricht von einer drohenden Gefahr für die Freiheitsrechte und Privatsphäre der Bürger. South Dakotas konservative Gouverneurin Kristi Noem bezeichnete Impfausweise gar als „eine der unamerikanischsten Ideen in der Geschichte unserer Nation“.

Präsident Joe Biden ist bemüht, sich aus der Debatte herauszuhalten. Seine Sprecherin Jen Psaki stellte diese Woche klar, dass es einen einheitlichen Impfausweis auf Bundesebene nicht geben wird. Die Pri­vat­wirtschaft könne solche Ideen aber vorantreiben – etwa, damit Menschen wieder sicher in Sport­sta­dien und Kinos gehen könnten. Das Weiße Haus will lediglich Richtlinien vorlegen, um den Schutz der Privatsphäre sicherzustellen und „unfaire“ Praktiken oder „Diskriminierung" zu verhindern.

Denn Impfausweise werfen viele Fragen auf. Kann von jemandem ein Impfnachweis verlangt werden, wenn es doch gar keine Impfpflicht gibt? Dürfen Geimpfte gegenüber Nicht-Geimpften bevorzugt wer­den? Was ist mit Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können? Und wie steht es mit dem Datenschutz?

Impfpässe, konstatiert die New York Times, könnten ein „Fahrschein zur Freiheit für Millionen geimpfte Menschen weltweit“ werden, würden aber auch „gewaltige ethische Fragen aufwerfen“.

Trotz der Bedenken und Widerstände arbeiten in den USA, dem Land mit den meisten Coronatoten welt­weit, bereits zahlreiche Unternehmen und Initiativen an Impfpässen. Der Ausweis des auf die digitale Verknüpfung von Gesundheitsdaten spezialisierten Commons Project wird nach Angaben seines Leiters Paul Meyer schon von einem Dutzend internationaler Fluggesellschaften genutzt. Gespräche gebe es auch mit der Europäischen Union.

Meyer beklagt, dass Impfausweise in den USA „politisiert“ würden. Er bezeichnet die Bescheinigungen als Chance auf „Freiheit zur Rückkehr zu einem normalen Leben“ – und „Freiheit vom Lockdown“.

Marcus Plescia von der Vereinigung der Gesundheitsbehördenvertreter der US-Bundesstaaten geht da­von aus, dass die meisten Menschen Impfpässe zumindest in manchen Situationen als sinnvoll ansehen. „Ich denke, ein Teil des Widerstrebens dürfte verschwinden, wenn die Menschen sehen, dass man viele Dinge machen kann, sobald man geimpft ist.“ © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Christine Salzer
am Samstag, 10. April 2021, 15:32

M. Biden

Der Impfausweis würde haftrechtliche Ansprüche der Impflinge erleichtern. So ist der nächste zwingende Schritt dann eine allgemeine Kran­ken­ver­siche­rung für Amerikaner, um Nachfolgekosten abzufedern.
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