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Politik

Bundesregierung plant bilaterale Gespräche über Sputnik V

Donnerstag, 8. April 2021

/picture alliance, Hazem Turkia

Köln – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bilaterale Gespräche mit Russland über eventu­elle Lieferungen des Coronaimpfstoffs Sputnik V im Falle einer EU-Zulassung angekündigt.

Man müsse aber sehr aufpassen, dass dies nicht zu einer „Fata-Morgana-Debatte“ werde, sagte er im WDR5-Morgenecho. Zunächst gehe es um die Zulassung durch die EU. „Dafür muss Russland Daten lie­fern.“ Solange dies nicht geschehe, könne es keine Zulassung geben.

Die zweite Frage sei dann die der Bestellung, sagte Spahn. Die EU-Kommission habe gestern Abend er­klärt, dass sie über Sputnik V nicht Verträge schließen werde wie mit den anderen Herstellern wie etwa Biontech.

„Daraufhin habe ich auch im EU-Gesundheitsministerrat für Deutschland erklärt, dass wir dann bilateral auch mit Russland reden werden, und zwar erst mal darüber, wann überhaupt welche Mengen kommen könnten“, sagte Spahn.

„Um wirklich einen Unterschied zu machen in unserer aktuellen Lage, müsste die Lieferung schon in den nächsten zwei bis vier, fünf Monaten kommen – ansonsten haben wir so oder so mehr als genug Impf­stoff.“ Insofern erwarte er von Russland verbindliche Aussagen dazu, „wann welche Menge konkret nach einer Zulassung auch Deutschland erreichen könnte“.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagte im ZDF-Morgenmagazin, die pub­lizierten Daten zu Sputnik V „sehen sehr gut aus“, er wisse aber nicht, was der EU-Arzneimittel­be­hörde EMA noch an zusätzlichen Daten vorliege. „Wenn der Impfstoff geprüft und zugelassen wird, hätte ich persönlich dagegen nichts einzuwenden.“

Über den von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigten Vorvertrag über eine bilate­rale Sputnik-Beschaffung sagte er: „Dass das jetzt wieder als bayerischer Alleingang geplant sein sollte, wenn das denn so ist, davon bin ich nicht so sehr überzeugt.“

Nach Einschätzung des Impfstoffbeauftragten der EU-Kommission, Thierry Breton, kann Sputnik V nicht kurzfristig helfen bei der Impfkampagne der Europäischen Union. Auf die Frage, ob Präparate etwa aus Russland oder China dazu beitragen könnten, bis zum Sommer 70 Prozent der Erwachsenen in der EU zu impfen, schrieb der Franzose heute in einem Blog-Eintrag: „Ich fürchte, die Antwort ist nein.“

Breton betonte, dass er zwar keinen Grund habe, an der Effektivität, Sicherheit und Qualität jener Impf­stoffe zu zweifeln, die außerhalb der EU entwickelt worden seien. Dies zu bewerten sei jedoch Sache der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA). Jedes Unternehmen, das einen neuen Impfstoff produzieren wolle, brauche aber mindestens zehn Monate. Deshalb müsse man sich auf die Produktion jener Impf­stoffe konzentrieren, die in der EU bereits zugelassen oder kurz davor sind.

Die EMA hatte Anfang März ein Prüfverfahren für Sputnik V im Rahmen einer Rolling Review begonnen. Dabei werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Daten vorliegen und noch kein Zulassungsantrag gestellt wurde.

Breton zeigte sich jedoch optimistisch, dass es auch ohne Impfstoffe wie Sputnik V bis Ende Juni genü­gend Dosen in der EU gibt, um etwa 70 Prozent der Erwachsenen zu impfen. Im ersten Quartal seien 108 Millionen Dosen geliefert worden, für das zweite Quartal rechne er mit 360 Millionen weiteren.

Die EU-Staaten müssten Massenimpfungen und Kampagnen organisieren, um die Bürger davon zu über­zeugen, sich impfen zu lassen. Er sei optimistisch dass es bald etwas Normalität geben werde und die Europäer einen Sommer ähnlich wie im vergangenen Jahr erleben würden. © dpa/aerzteblatt.de

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