NewsAuslandBiden will „Seuche“ der Schusswaffengewalt eindämmen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Biden will „Seuche“ der Schusswaffengewalt eindämmen

Freitag, 9. April 2021

/picture alliance, Genna Martin

Washington – US-Präsident Joe Biden hat die Schusswaffengewalt in den Vereinigten Staaten als „Seu­che“ und „Schandfleck“ für das Land bezeichnet. „Das ist eine Seuche, Herrgott nochmal, und es muss enden“, sagte Biden gestern bei der Vorstellung von Maßnahmen gegen Schusswaffengewalt im Rosen­garten des Weißen Hauses.

Der Demokrat verwies auf mehrere Massaker, die in den vergangenen Wochen für Entsetzen gesorgt hatten, sowie alltägliche tödliche Gewalt im ganzen Land. „Dass jeden Tag in Amerika so viele Menschen durch Waffengewalt sterben, ist ein Schandfleck auf dem Charakter unserer Nation“, sagte Biden. „Es gab genug Gebete, jetzt ist die Zeit zu handeln.“

Anzeige

Der Präsident stellte mehrere Verordnungen zur Eindämmung der Schusswaffengewalt vor. So sollen striktere Regeln für sogenannte Geisterwaffen erlassen werden, die von den Nutzern selber zusammen­gebaut werden können und keine Seriennummern haben. Neue Vorgaben sollen auch für aufgerüstete Pistolen gelten.

Zu den weiteren Maßnahmen gehören Hilfen für Behörden beim Vorgehen gegen Gewalt in den Gemein­den, und die Erstellung des ersten umfassenden Berichts zum Schusswaffenhandel in den USA seit dem Jahr 2000.

Biden rief zugleich den Kongress auf, per Gesetz weitergehende Maßnahmen zu ergreifen. Der Präsident verlangt unter anderem ein Verkaufsverbot für Sturmgewehre sowie umfassendere Hintergrundchecks für Waffenkäufer. Ob sich dafür im Kongress eine Mehrheit findet, ist allerdings höchst ungewiss.

Biden räumte gestern ein, dass Diskussionen über das Waffenrecht in den USA „schwierig“ seien. Eine „überwältigende Mehrheit“ der Bürger wolle aber einen Wandel. Biden betonte, seine Maßnahmen würden das in der Verfassung verankerte Recht auf Waffenbesitz nicht antasten.

Auch gegen Sturmgewehre militärischer Art wie das weitverbreitete AR-15 will er nicht vorgehen. Die Waffe wird bei vielen Amokläufen von den Tätern verwendet, ist aber auch bei Sportschützen und Waffenliebhabern begehrt. Biden setzte sich 1994 als Senator erfolgreich für ein Verbot von Sturmge­wehren ein. Das Gesetz lief jedoch ein Jahrzehnt später aus und wurde vor allem wegen der Gegenwehr der Republikaner bislang nicht erneuert.

Vorstöße der Demokraten zur Verschärfung der Waffengesetze sind in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gescheitert, auch der frühere Präsident Barack Obama kam bei dem Thema wenig voran. Die mächtige Waffenlobby NRA hat im US-Kongress viele Verbündete, vor allem in der Republikanischen Partei.

Der im Januar aus dem Präsidentenamt geschiedene Republikaner Trump trat energisch für das Recht auf privaten Waffenbesitz ein und verzichtete trotz mehrerer Massaker während seiner Amtszeit auf jegliche größere Initiativen zur Verschärfung des Waffenrechts.

In den USA sterben jährlich rund 40.000 Menschen durch Schusswaffen. Fast zwei Drittel davon sind Suizide. Trotz dieser Zahlen gibt es insbesondere bei den konservativen Republikanern massiven Wider­stand gegen Verschärfungen des Waffenrechts. © afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #760232
penangexpag
am Sonntag, 11. April 2021, 11:16

Mauer der Intelligenz

zit.("...Biden betonte, seine Maßnahmen würden das in der Verfassung verankerte Recht auf Waffenbesitz nicht antasten...").
Dann kann er sich seine Vorschläge schenken. Was ist das überhaupt für eine "Verfassung", die das Volk bewaffnet !
Man stelle sich mal vor, wir würden so ein Recht im Grundgesetz verankern. Eigentlich gäbe es - nach amerikanischer Denkart! - dafür in Deutschland eine Begründung. Denn wenn die Weimarer Verfassung diesen Zusatz gehabt hätte, so könnte man dann argumentieren, wäre die Sache in München anders ausgegangen. Wir sehen heute aber weiter und sind auch im Denken weiter- was man von den Amerikanern nicht sagen kann. Und wir werden uns auch von tatsächlichen amerikanischen Denken nicht infizieren lassen, sondern eine Mauer der Intelligenz dagegen errichten. Hoffentlich bald.
LNS
LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER