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Politik

Niedrigschwellige Gesundheitsangebote können Versorgung verbessern

Donnerstag, 8. April 2021

Im Gesundheitskiosk in Hamburg-Billstedt sind im ersten Jahr mehr als 3.000 Beratungen geleistet worden. Das Projekt war mit dem Ziel gestartet, in einer Gegend in Hamburg, in der es wenig Ärzte gibt, ein kostenloses Beratungsangebot für Anwohner zu schaffen. /picture alliance, Daniel Reinhardt

Hamburg – Niedrigschwellige Angebote können die Gesundheitsversorgung von Menschen in sozial be­nachteiligten Stadtteilen verbessern. Das zeigt ein Modellprojekt in den Hamburger Stadtteilen Billstedt und Horn. Das Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg hat die entsprechende Begleit­evalu­ation dazu jetzt veröffentlicht.

„Gesundheit und sozialer Status sind eng miteinander verknüpft. Gesundheitsversorgung ist daher nicht nur eine medizinische Frage, sondern muss umfassender gedacht werden“, erklärte Dirk Heinrich, Bun­des­vorsitzender des Virchowbundes.

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Dieser hatte 2016 die „Gesundheit für Billstedt/Horn UG“ gemeinsam mit dem Ärztenetz Billstedt-Horn, der SKH Stadtteilklinik Hamburg und anderen gegründet. Heinrich ist selbst als HNO-Arzt in Billstedt niedergelassen. Ab 2017 förderte der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses das Pro­jekt unter dem Namen „Invest“.

Einen wichtigen Schwerpunkt der Arbeit bildete ein Gesundheitskiosk. Dies ist eine niedrigschwellige Stadtteilinstitution, die die Menschen vor Ort in der jeweiligen Muttersprache bei Gesundheits- und Ver­sorgungsfragen berät und schult. „Der Gesundheitskiosk bildet eine wichtige organisatorische Schnitt­stelle zwischen der medizinischen Versorgung und dem Sozialraum“, hieß es aus dem Hamburg Center for Health Economics.

Mehr als jeder zweite an der neuen Versorgungsform teilnehmende Versicherte (57 Prozent) hat sich laut der Evaluation während der Projektlaufzeit mindestens einmal im Gesundheitskiosk beraten lassen. Im Durchschnitt wurden dabei drei Beratungen pro Versichertem in Anspruch genommen. Fast die Hälfte davon (40 Prozent) erfolgte zum Thema Übergewicht.

Nicht nur die Nutzer sind mit den Angeboten des Gesundheitskiosks sehr zufrieden, auch die am Projekt teilnehmenden Ärzte berichten von einer Arbeitserleichterung und einer Verbesserung der Versorgung.

Offenbar verbesserten die Beratungen insbesondere den Zugang zur ambulanten Versorgung: „Die Men­schen gehen mehr in die ambulante Praxis vor Ort und weniger in die Krankenhäuser“, erläuterte Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor am Hamburg Center for Health Economics.

Am Ende des Projekts erfassten die Wissenschaftler einen Rückgang der durch eine effektive ambulante Versorgung vermeidbaren Krankenhausfälle im Vergleich zu den anderen Stadtteilen Hamburgs um fast 19 Prozent. Zeitgleich ist die Anzahl der Arztbesuche in Billstedt und Horn im Vergleich zu den anderen Stadtteilen Hamburgs um durchschnittlich 1,9 Besuche pro Versichertem und Jahr gestiegen.

„Auf Basis der bisherigen Evaluationsergebnisse empfehlen wir, INVEST in die Regelversorgung zu über­führen“, sagte Eva Wild, Projektleiterin INVEST am Hamburg Center for Health Economics. Die verbesser­te Versorgung und Zufriedenheit von Versicherten und Akteuren der Gesundheitsversorgung zeige, dass INVEST ein Vorbild für andere sozial benachteiligte großstädtische Regionen in Deutschland sein könne, so ihr Fazit.

Das sieht der Virchowbund ebenso: Er fordert, das Modellprojekt so rasch wie möglich in die Regel­ver­sorgung zu überführen. © hil/aerzteblatt.de

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