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Medizin

SARS-CoV-2: HTX-Patienten sind ein Hochrisikokollektiv

Samstag, 10. April 2021

/dpa

Heidelberg - Eine Herztransplantation kann aufgrund chronischer Immunsuppression und Komorbidität einen besonderen Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe darstellen.

In JAMA (DOI: 10.1007/s00392-020-01722-w) wurde kürzlich eine deutschlandweite Umfrage unter allen Herztransplantationszentren (n=24) in den ersten Monaten der Pandemie (von März bis Juni 2020) veröffentlicht. Die Befragung hat gezeigt, dass Empfänger von Herztransplantaten ein hohes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe tragen. In der Analyse wurden die klinischen Merkmale von insgesamt 21 Herztransplantationsempfängern (HTX-Patienten) mit COVID-19-Infektionen ausgewertet. Demnach war eine hohe Mortalität mit rechtsventrikulärer Dysfunktion, Arrhythmien, thromboembolischen Ereignissen und deutlich erhöhten kardialen Biomarkern assoziiert. Zum Hochrisikokollektiv zählen außerdem Patienten über 60 Jahre und die Notwendigkeit einer Beatmung bei akuter COVID-19-Infektion.

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Komorbidität und Begleitmedikation

Das mittlere Alter der Empfänger von Herztransplantaten betrug 58,6 (± 12,3 Jahre), wovon 81,0 Prozent männlich waren. Zu den häufigen Begleiterkrankungen zählten arterielle Hypertonie (71,4%), Dyslipidämie (71,4%), Diabetes mellitus (33,3%), dialysepflichtiges chronisches Nierenversagen (28,6%) sowie chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Asthma (beide zusammen 19,0%). Die Begleitmedikation umfasste Aspirin oder Clopidogrel (66,7%), Betablocker (28,6%), Kalziumkanalblocker (42,9%), Ivabradin (19,0%) und ACE-Hemmer/Sartane (38,1%) sowie Statine (85,7%).

Herztransplantation erfordert chronische Immunsuppression

Bei 14,3 Prozent der Patienten wurde innerhalb der letzten zwölf Monate eine Herztransplantation und bei drei weiteren Patienten (14,3%) innerhalb der letzten 24 Monate vollzogen. Bei der Mehrheit der Patienten lang die Herztransplantation länger als 24 Monate zurück (mittlere Zeit von der Transplantation bis COVID-19-Infektion: 2858,3 ± 2516,4 Tage). Um Abstoßungsprozesse zu verhindern benötigen Patienten nach einer Organtransplantation eine lebenslange immunsuppressive Therapie. Häufig eingesetzte Immunsuppressiva umfassten in dieser Analyse Calcineurin-Inhibitoren (71,4%), Mycophenolatmofetil (85,7%) und Steroide (71,4%).

Bei akuter COVID-19-Infektion waren die am häufigsten berichteten Symptome Dyspnoe (85,7%), Husten (76,2%) und Myalgie/Müdigkeit (76,2%), Rhinitis (66,7%) und Fieber (66,7%). Einige Patienten berichteten von Durchfall (28,6) oder Schmerzen (23,8%) und nur ein einziger Patient gab Anosmie oder Geschmacksverlust an (4,8%).

Beatmete Patienten tragen das höchste Risiko

Acht von 21 Patienten (38,1%) zeigten einen schweren Verlauf, der eine invasive mechanische Beatmung erforderte. Beatmete Patienten zeigten eine hohe Mortalität (87,5%), die mit rechtsventrikulärer Dysfunktion (62,5% vs. 7,7%; p = 0,014), Arrhythmien (50,0% vs. keine; p=0,012) und thromboembolischen Ereignissen (50,0% vs. keine; p=0,012) assoziiert war. Außerdem waren ein erhöhtes hoch-sensitives kardiales Troponin T (hs-cTnT) und N-terminales pro B-Typ natriuretisches Peptid (NT-pro BNP) des Gehirns signifikant mit der schweren Form von COVID-19 verbunden (p=0,017 bzw. p<0,001).
Infektionsprävention und Hygienevorschriften verschärfen

Die Gesamtmortalität fällt mit 33,3 Prozent bei hospitalisierten Transplantations-Patienten im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerungsgruppe (ca. 20%, wenn hospitalisiert) unter SARS-CoV-2 höher aus. Angesichts der erhöhten Mortalität plädieren die Studienautoren dafür, Maßnahmen zur Infektionsprävention und Hygienevorschriften strikt einzuhalten sowie eine sorgfältige klinische Risikostratifizierung bei Empfängern von Herztransplantaten durchzuführen. © cw/aerzteblatt.de

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