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Medizin

Große Unterschiede bei den Aufnahmen auf der Intensivstation während der ersten und zweiten COVID-19-Welle

Samstag, 10. April 2021

/picture alliance, Luca Bruno

Köln - Im Jahr 2020 sank der Anteil der Krankenhauspatienten mit COVID-19, die eine Behandlung auf der Intensivstation benötigen, stetig von 30 Prozent zu Beginn der Pandemie bis Woche 23 (1.Welle) auf 14 Prozent im Dezember (Wochen 49 bis 52, 2.Welle), was einem relativen Rückgang von mehr als 50 Prozent entspricht.

Reduktion der invasiven Beatmung

Darüber hinaus sank der Prozentsatz derjenigen COVID-19-Patienten, die intensivmedizinisch beatmet wurden, von 64 Prozent (Welle 1) auf 54 Prozent in der zweiten Welle. Eine invasive Beatmung benötigten insgesamt 19 Prozent der hospitalisierten Patienten mit COVID-19 in der ersten Welle und im weiteren Verlauf weniger als acht Prozent. Allerdings blieb die Mortalität bei Patienten, die auf der Intensivstation invasiv beatmet wurden während des gesamten Beobachtungszeitraums unverändert hoch (über 50 %). Die absolute Anzahl der Patienten mit COVID-19, die auf der Intensivstation eine Beatmung (invasiv oder nicht-invasiv) benötigen, stieg während der zweiten Welle stetig an und verdoppelte sich nahezu im Vergleich zur ersten Welle. Patienten unter nicht-invasiver Beatmung (NIV, on-invasive ventilation), die eine Behandlung auf der Intensivstation benötigten, hatten im Beobachtungszeitraum eine bessere Prognose mit einer Sterblichkeitsrate zwischen 10 bis 38 Prozent.

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Optimierte Therapie-Algorithmen bei SARS-CoV2

Die in The Lancet Respiratory Medicine (DOI: 10.1016/S2213-2600(21)00101-6) kürzlich veröffentlichten Ergebnisse deuten ein stetig optimiertes Therapiemanagement von Patienten mit COVID-19 in Deutschland an. Insbesondere, weil der Anteil an hospitalisierten Patienten, die eine intensivmedizinische Betreuung benötigten, um 50 Prozent reduziert wurde. Dieser Rückgang kann laut Studienautoren auf Optimierungen der Therapie-Algorithmen, beispielsweise zu wann der Einsatz einer NIV auf eine invasive Beatmung gewechselt werden sollte, zurückgeführt werden.

RECOVERY ist eine randomisierte Studie, in der untersucht wird, ob die Behandlung verschiedener Therapieoptionen, wie beispielsweise Lopinavir-Ritonavir, Hydroxychloroquin, Kortikosteroiden, Azithromycin, Colchicin, Tocilizumab, Aspirin oder Baricitinib die Mortalität bei Patienten mit COVID-19 reduzieren kann.

Bisherige Daten der noch laufenden RECOVERY-Studie (NCT04381936) zeigen, dass eine IL-6-Blockade bei Patienten mit Organversagen Vorteile bieten könnte, da der Wechsel von NIV auf eine invasive mechanische Beatmung dann oftmals verhindert werden kann.

Weitere Optimierungen der Pharmakotherapie umfassten beispielsweise die standardmäßige Behandlung mit Kortikosteroiden bei intensivpflichtigem Verlauf einer COVID-19-Infektion. Auch die frühzeitige Verabreichung von Dexamethason bei Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf brachte weitere Erfolge für den tiefgreifende Rückgang der Intensivaufnahmen und zur Vermeidung von Engpässen auf Intensivstationen. Ende Dezember 2020 benötigten ungefähr 5700 Patienten mit COVID-19 eine intensivmedizinische Betreuung.

Für die vorliegende Arbeit wurden Daten des Bundesinstituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) mit entsprechenden Informationen aller Krankenhäuser in Deutschland ausgewertet. Allerdings sind die Ergebnisse infolge dessen dahingehend limitiert, dass beispielsweise keine Informationen zum Komorbiditäts-Status der hospitalisierten Patienten verfügbar waren. © cw/aerzteblatt.de

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