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Politik

Aerosolforscher warnen Politik vor symbolischen Coronamaßnahmen

Montag, 12. April 2021

Ein Fenster einer an einer Grundschule ist zum Lüften geöffnet. Aerosolforscher empfehlen, in geschlossenen Räumen mit häufigem Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien zu schaffen./ picture alliance, Christoph Schmidt

Berlin – Aerosolforscher aus Deutschland wünschen sich von der Politik einen Kurswechsel bei den Maß­nahmen zur Eindämmung der Coronapandemie. „Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass Drinnen die Gefahr lauert“, heißt es in einem Brief an die Bundesregierung und an die Landesregierungen. SARS-CoV-2 werde fast ausnahmslos in Innen­räumen übertragen.

„Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Han­deln übersetzt“, kritisieren die Verfasser. In Wohnungen, Büros, Klassenräumen, Wohnanlagen und Be­treu­ungseinrichtungen müssten Maßnahmen ergriffen werden. In Innenräumen finde auch dann eine Ansteckung statt, wenn man sich nicht direkt mit jemandem treffe, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten habe, warnen sie.

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Es gilt als sicher, dass sich das Coronavirus vor allem über die Luft verbreitet. Das kann über die Tröpf­chen geschehen, die beim Husten und Niesen entstehen und beim Gegenüber über die Schleimhäute aufgenommen werden. Oder über Aerosole, Gemische aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen in der Luft, die SARS-CoV-2-Partikel enthalten.

Sie sind definiert als Tröpfchenkerne kleiner als fünf Mikrometer und bleiben meist länger in der Luft als größere Tropfen, die rasch zu Boden sinken. Aerosolteilchen können Stunden bis Tage in der Luft schwe­ben. Andere Infektionswege – etwa über Oberflächen – spielen eine wesentlich geringere Rolle für das Infektionsgeschehen.

Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder Rad­fahren seien kontraproduktiv, heißt es in dem Brief der Aerosolforscher weiter. Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen an der Alster in Hamburg etwa seien eher symbolischer Natur und ließen „keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten“.

Im Freien seien Ansteckungen äußerst selten, im Promillebereich. Hierauf sollten die begrenzten Res­sour­cen nicht verschwendet werden. Auch würden im Freien keine größeren Cluster infiziert, wie das in Innenräumen etwa in Heimen, Schulen, Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten zu beobachten sei.

Auch Ausgangssperren, wie sie der Bund befürwortet, versprechen aus Sicht der Wissenschaftler mehr, als sie halten können. „Die heimlichen Treffen in Innenräumen werden damit nicht verhindert, sondern lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen“, schreiben sie. „In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaf­fee­tafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung ver­stehen.“

Die Bundesregierung dringt darauf, bei der Regelung bundesweiter Coronaschutzmaßnahmen auch nächtliche Ausgangsbeschränkungen von 21 bis 5 Uhr vorzuschreiben, wenn in Landkreisen binnen sieben Tagen mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern registriert werden.

Stattdessen empfehlen die Autoren, Treffen in Innenräumen so kurz wie möglich zu gestalten, mit häufi­gem Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien zu schaffen, effektive Masken in Innenräumen zu tragen sowie Raumluftreiniger und Filter überall dort zu installieren, wo Menschen sich länger in ge­schlossenen Räumen aufhalten müssen – etwa in Pflegeheimen, Büros und Schulen.

„Die Kombination dieser Maßnahmen führt zum Erfolg“, heißt es weiter. „Wird das entsprechend kommu­niziert, gewinnen damit die Menschen in dieser schweren Zeit zugleich ein Stück ihrer Bewegungsfrei­heit zurück.“ Zu den Unterzeichnern zählen der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, Generalsekretärin Birgit Wehner und der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch.

Forscher der Technischen Universität Berlin hatten im Februar Berechnungen zum Ansteckungsrisiko für verschiedene Innenraumszenarien veröffentlicht. Unter den dabei gesetzten Voraussetzungen ist das Ri­siko beim Friseur, in wenig ausgelasteten Museen, Theatern und Kinos, aber auch in Supermärkten dem­nach vergleichsweise gering. Deutlich höher sei es in Fitnessstudios und vor allem in Oberschulen und Mehrpersonenbüros, errechnete das Team um Studienleiter Martin Kriegel.

Solche Berechnungen seien unheimlich komplex, hatte Aerosolexperte Scheuch zu den Daten zu beden­ken gegeben. Die Resultate, die das Risiko sehr exakt angeben, erweckten den Eindruck einer Präzision, die es so nicht gebe. © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #760232
penangexpag
am Mittwoch, 14. April 2021, 18:25

doc.nemo am Mittwoch, 14. April 2021, 13:07

Wenn auch etwas verstohlen so haben Sie den Kern des Problems doch selbst genannt : die KONTROLLE. Alle restriktiven Ordnungsmaßnahmen wären ja gar nicht notwendig (gewesen!), wenn sich die BürgerInnen an den dringenden Appell der Fachleute und der Kanzlerin strikt gehalten hätten, nämlich - und jetzt verlasse ich mal das abgenutzte Wort "lockdown" - die Infektionswege wo immer nur möglich zu unterbrechen. Anfang 2020 war der Appell auch noch relativ erfolgreich. Doch der beginnende Erfolg hat die Menschen leichtfertig gemacht und so hat sich die verhängnisvolle Spirale in Gang gesetzt. Bei einer bedingten Bewegungsfreiheit , bedingt etwa durch Test-,Impf-Maßnahmen, müßte also die mangelnde Einsicht der BürgerInnen durch Kontrollen ersetzt werden. DAS ist - und jeder weiß es, auch Sie - nicht strikt genug möglich, also ein Schlag ins Wasser. So bleibt nur das Schwarz-Weiß-Schema : wer draußen ist der ist es verbotenerweise. Punkt. Ich bin kein Apologet dieser Zwangssituation, sondern ich beuge mich notgedrungen dieser Einsicht. Ob wir überhaupt noch auf diesem Wege das Geschehen stoppen können, das weiß tatsächlich niemand wirklich (Virologe Keppler). Ich nicht, Sie auch nicht. Wir arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten. Das war so, das ist so und das bleibt so. Der Grad der Wahrscheinlichkeit steht nicht auf Steintafel, sondern wird abgeschätzt, mit mehr oder weniger großer Fehlerbreite. Freiheitsrechte des Grundgesetzes werden niemandem genommen, aber der Grad der Inanspruchnahme durch den Einzelnen wird reduziert zu Gunsten des Wohles der Gemeinschaft. Alle gegenteiligen Behauptungen sind entweder Torheit oder Aufwiegelung des Volkes.
Avatar #88255
doc.nemo
am Mittwoch, 14. April 2021, 13:07

Unzulässiger Rundumschlag

Der unverzagte Lockdown-Apologet penangepax (sind Sie gar Dirk Brockmann?) hat es mal wieder nicht begriffen: das Verlassen der Wohnung per se stellt keine Infektionsgefahr dar! Das Benutzen von Geh- und Radwegen per se stellt keine Infektionsgefahr dar! Das Benutzen des eigenen Autos per se stellt keine Infektionsgefahr dar! Das Betreten eines geschlossenen Raumes stellt u. U. eine Infektionsgefahr dar - also darf nur diese Situation gesetzlich untersagt werden. Alles andere greift in unzulässiger Weise in nicht verhandelbare Grundrechte ein. Verbote müssen auf das absolute Mindestmaß begrenzt werden, und eine Ausgangssperre stellt einen unverhältnismäßigen Rundumschlag dar. Das ist, als wollte man die Zahl der Autounfälle reduzieren, indem man das Autofahren verbietet - zweifellos ein wirksames, aber kein verhältnismäßiges Mittel. Auch das Argument, dass eine Ausgangssperre leichter zu kontrollieren ist als ein individuelles Kontaktverbot, kann in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht zulässig sein.
Avatar #760232
penangexpag
am Mittwoch, 14. April 2021, 12:48

Lügen durh Weglassen

Die Aerosolforscher haben JETZT festgestellt, daß die Infektionsgefahr in den Innenräumen liegt, nicht draußen. Das sind ja wirklich....... - na lassen wir es. Jedenfalls war diese Weisheit schon seit Monaten, ja im Gunde IMMER schon bekannt, weil es einfach eine primitive Tatsache ist, die auch Lieschen Müller vorhersagen konnte. Man fragt sich, weshalb studierte Leute das auf einmal in die Gegend pusten. Cui bono ? Die Antwort : da wird mediale Schützenhilfe für die Anti-Lockdown-Mafia geleistet. Vermutlich hat die sich das auch was kosten lassen .
Jetzt mal zu den Tatsachen :
Natürlich ist in geschlossenen Räumen, ev. auch noch ohne Lüftung, die Infektionsgefahr größer als im winddurchpusteten Park oder Freiluftkaffee - ganz einfach weil die mittlere Viruskonzentration viel größer ist - WENN denn dort Virusträger sind. Ja - und wie kommen die Virusträger und damit die Viren überhaupt in diese Innenräume - "auf Flügeln durch den Schornstein" ? Vielleicht gibt es Leute. die das glauben. Aber Lieschen Müller schon weiß : die Viren kommen durch Infizierte durch die Tür, von DRAUSSEN. Und DESHALB muß der AUSSENVERKEHR möglichst unterbunden werden. Man schämt sich fast,an diese Banalität zu erinnern. Und natürlich wissen das die Aerosolforscher auch - und schämen sich nicht, diese Tatsache zu unterdrücken. Sie lügen durch Weglassen - und das ist die wirklich infame Lüge.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 13. April 2021, 08:11

DEUTSCHE POLITIK BEGREIFT'S NICHT!

Entscheidend ist, wo trotz AHA-Regeln die meisten Infektionen passieren, Ressourcen nicht auf Promille von Ansteckungsgefahren im Freien verschwenden. Sechs Regeln zur Infektionsvermeidung:
1.) Infektionen finden in Innenräumen und engen Außenkontakten statt. Möglichst Wenige außerhalb des eigenen Haushaltes dort treffen. In Innenräumen sind Ansteckungen ohne direkten Kontakt möglich, wenn Infektiöse kurz vorher in schlecht belüfteten Räumen waren.
2.) Zeiten der Treffen/Aufenthaltszeiten in Innenräumen so kurz wie möglich.
3.) Häufiges Stoß- oder Querlüften nähert sich dem Aufenthalt im Freien.
4.) Effektive Masken (Chir./FFP2/FFP3/N95) in Innenräumen zielführend. Maskentragen in Fußgängerzonen, um dann im eigenen Wohnzimmer Kaffeetafeln ohne Maske abzuhalten, ist nicht infektionsvermeidend. Dichtsitz der Maske ist für die Effektivität ebenso wichtig wie die Abscheideeffizienz des Materials.
5.) Raumluftreiniger/Filter installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten (Wohnheime, Schulen, Unis, Alten-/Pflegeheime, Betreuungseinrichtungen, Büros, Firmen, Gewerbe, Fabriken).
6.) Je größer Hallen und Räume bzw. weniger Besucher, desto geringer die Ansteckungsgefahr. Theater, Konzerte, Veranstaltungen, Gottesdienste müssen in großen, gut gelüfteten Hallen bzw. optimal/optional als Open-Air stattfinden (redakt. bearbeiteter Offener Brief/Aerosolforschern in D).
Bereits am 21.7.2020 schrieb ich zur Publikation "Contact Tracing during Coronavirus Disease Outbreak, South Korea, 2020" von Young Joon Park et al.
https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/26/10/20-1315_article
"dass der Schulschließungs-bedingte, nahezu 24-stündige Aufenthalt mit Zusammensein im Haushalt besonders in der Altersgruppe der Zehn- bis Neunzehn-Jährigen für die Infektiosität und Verbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen den höchsten Risikofaktor darstellt".
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/28473-haushalt-gefaehrlichster-ort-oder
Mf+kG, Dr.
Avatar #852784
Seppelviktor
am Montag, 12. April 2021, 19:05

Ursache und Wirkung

Die Auswirkungen sind "Testen, Testen, Testen" und "Impfen, Impfen, Impfen" Dies alles macht der Staat. Die Ursache aber ist die Infektion, da haben die Bürger es in der Hand. Also muss es heißen :"Schützen, Schützen, Schützen '
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