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Politik

Forscher: Impfstoff-immune Coronamutanten in Deutschland denkbar

Dienstag, 13. April 2021

/Orkidia, stock.adobe.com

Göttingen – Coronavarianten, gegen die aktuelle Impfstoffe weniger oder gar nicht mehr wirken, können nach Einschätzung von Forschern auch in Deutschland entstehen. Das sei insbesondere dann möglich, wenn sich das Virus jetzt in der dritten Welle stark ausbreitet, erklärten Stefan Pöhlmann und Markus Hoffmann vom Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen.

Solche Escapevarianten können den Angaben nach entstehen, wenn sich das Virus in einer Bevölkerung mit unvollständigem Immunschutz ausbreitet. Dies sei beispielsweise auch der Fall, wenn die Immunität nach überstandener Infektion oder Impfung langsam abnimmt.

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In einer Bevölkerung mit einem gewissen Grad an Immunität hätten Escapevarianten bei vergleichbarer Infektiosität einen Vorteil gegenüber dem Ursprungsvirus, erläuterten Pöhlmann und Hoffmann. In ei­nem solchen Szenario würde eine Escapevariante relativ schnell dominant werden. Beispiel könnte die Mutante P.1 in Brasilien sein.

„Falls in einer Bevölkerung kaum Immunität vorherrscht, so wie derzeit in Deutschland, würde eine Es­capevariante in direkter Konkurrenz mit den vorherrschenden Virusvarianten stehen, die ihrerseits noch genügend empfängliche Wirte vorfinden“, erklärten die Wissenschaftler. Dann würde sich eine Escape­variante nur dann großflächig durchsetzen, wenn sie auch besser übertragbar wäre.

Die Experten des Deutschen Primatenzentrums haben mit Kollegen des Uniklinikums Ulm heraus­gefun­den, dass ein für die COVID-19-Therapie eingesetzter Antikörper bei den Varianten B.1.351 (Südafrika) und P.1 komplett wirkungslos gewesen sei. Sie stufen die beiden daher als Escapevarianten ein. Es sei aber davon auszugehen, dass B.1.351 und P.1 immer noch durch die verfügbaren Impfstoffe gehemmt würden.

„Allerdings ist der Impfschutz möglicherweise reduziert und von kürzerer Dauer.“ Daher sei es umso wichtiger, durch Impfung schnell eine großflächige Immunität in der Bevölkerung zu erlangen und so den Varianten der Wirte zu berauben, die sie zum Ausbreiten benötigten.

Um den Schutz gegen Varianten wie B.1.351 und P.1 zu verbessern könnten die vorhandenen Impfstoffe angepasst werden. „Dieses Vorgehen würde der Impfstrategie ähneln, mit der wir uns vor Grippeviren schützen“, erklärten Pöhlmann und Hoffmann.

Dass Varianten entstehen, die nicht mehr durch jetzt verfügbare Impfstoffe gehemmt werden, sei „ein extremes Szenario, aber nicht auszuschließen“. Um die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass Escape­varianten entstehen, müsse die Ausbreitung des Virus wirksam eingedämmt werden – etwa durch Einhalten der AHA-Regeln und flächendeckende Impfungen. © dpa/aerzteblatt.de

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