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Medizin

Onkolytisches Herpesvirus erzielt Remissionen bei pädiatrischen Gliomen

Freitag, 30. April 2021

/VFX, stock.adobe.com

Birmingham/Alabama – Ein genetisch modifiziertes Herpes simplex-Virus, das Hirnzellen abtötet und die Immunabwehr aktiviert, hat in einer 1. klinischen Studie bei Patienten mit pädiatrischen Gliomen eine Remission erzielt, wie aus den jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2024947) publizierten Ergebnissen hervorgeht.

Der Neurochirurg James Markert von der Universität von Alabama in Birmingham sucht seit 30 Jahren nach einem Weg, bösartige Hirntumore mit Hilfe von onkolytischen Viren zu behandeln. Die Viren sollen die Tumorzellen infizieren und zerstören, nach Möglichkeit, ohne dabei die gesunden Hirnzellen der Umgebung zu schädigen. Die bei der Zelllyse freigesetzten Inhaltsstoffe sollen die Immunabwehr veran­lassen, sich neben der Beseitigung der Zelltrümmer auch an der Abwehr der Krebszellen zu beteiligen.

Das Virus G207 scheint diese Eigenschaften zu haben. Als Herpes simplex-Virus ist es in der Lage, Nervenzellen zu infizieren und zu zerstören. Der Einbau eines Gens soll verhindern, dass G207 gesunde Zellen angreift, mit einem Markergen ist es zu Forschungszwecken später im Gewebe nachweisbar. In den letzten 4 Jahren wurden in Birmingham und am Nationwide Children's Hospital in Columbus/Ohio insgesamt 12 pädiatrische Patienten im Alter von 7 bis 18 Jahren mit G207 behandelt.

Bei den pädiatrischen Patienten waren High-Grade-Lymphome diagnostiziert worden. Die Tumore waren oberhalb des Tentorium cerebelli zum größten Teil im Großhirn lokalisiert. High-Grade-Lymphome gehören zu den bösartigsten Krebserkrankungen. Auch im Kindesalter beträgt die 3-Jahres-Überlebens­rate nur 11 bis 22 %. Nach einem Rezidiv leben die Patienten im Mittel noch 5,6 Monate.

Die Patienten der Phase-1-Studie hatten nach einer Operation. bereits eine Chemo- oder Radiotherapie erhalten. Für die Behandlung wurden mehrere Katheter in den Bereich des Tumors vorgeschoben, was laut Gregory Friedman und Mitarbeitern nur bei einem Patienten zu einer kleineren Blutung führte. Auch die Infusion der onkolytischen Viren in das Gehirn, die über mehrere Stunden erfolgte, sei ohne schwere Komplikationen geblieben, versichern die Mediziner. Die Kinder wurden mit G207 in verschiedenen Dosierungen behandelt. Einige erhielten zusätzlich eine Bestrahlung.

Das primäre Ziel einer Phase-1-Studie ist die Sicherheit der Behandlung. Es wurde laut Friedman erreicht. Bei keinem Patienten sei es zu schweren Nebenwirkungen gekommen. Bei 11 der 12 Kinder zeigten die Tumore eine Reaktion. In der Magnetresonanztomografie war erkennbar, das die Tumore sich zurück­gebildet oder zumindest nicht weiter vergrößert hatten. Bei einigen waren als Folge der Zelllyse zystische Veränderungen erkennbar.

Eine Heilung des Krebsleidens war in dem fortgeschrittenen Stadium nicht zu erwarten. Die Patienten starben im Mittel nach 12,2 Monaten. 1/3 lebte nach der Behandlung noch 18 Monate.

In den Biopsien, die während der Behandlung entnommen wurden, war erkennbar, dass nicht die Tumor­zellen abgestorben waren. Die Forscher fanden auch Hinweise auf eine Immunreaktion gegen den Tumor, weshalb die Mediziner ihre Behandlung als „Immunvirotherapie“ bezeichnen. Aufgrund der guten Ergebnisse ist bereits eine Phase-2-Studie geplant.

In einer anderen Studie werden Kinder mit Kleinhirngliomen behandelt. Die Forscher haben zudem ein weiteres onkolytisches Virus, M032, entwickelt. Es wird derzeit bei Erwachsenen mit einem Glioblastom erprobt.

Onkolytische Viren sind seit einigen Jahren Gegenstand der Krebsforschung. Das einzige zugelassene Mittel ist T-VEC, das seit Oktober 2015 in den USA als Imlygic zur Behandlung von inoperableren Melanomen eingesetzt werden darf. © rme/aerzteblatt.de

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