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Weichmacher in Kunststoffen könnten Nervenzellen schädigen

Donnerstag, 15. April 2021

/ZoneCreative, stock.adobe.com

Bayreuth – Biologen der Universität Bayreuth warnen vor möglichen Gesundheitsschäden durch Weich­macher in Kunststoffen. Diese könnten möglicherweise wichtige Hirnfunktionen des Menschen beein­träch­tigen, warnen sie in der Fachzeitschrift Communications Biology nach Studien am Tiermodell (DOI: 10.1038/s42003-021-01966-w).

Bei den problematischen Substanzen handelt es sich um Bisphenol A und Bisphenol S. Diese sind Weich­macher, die weltweit in einer großen Zahl von Kunststoffprodukten enthalten sind – beispiels­weise in Lebensmittelverpackungen, Plastikgeschirr, Trinkflaschen, Spielzeug, Zahnfüllungen oder Babyschnull­ern.

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Das Bayreuther Forschungsteam um Peter Machnik vom Lehrstuhl für Tierphysiologie hat in der Arbeit die Auswirkungen dieser Weichmacher auf die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im erwachse­nen Gehirn untersucht. Die Wissenschaftler analysierten die Effekte der Substanzen an leben­den Gold­fischen. Im Fokus standen die größten Nervenzellen im Gehirn der Fische, die Mauthnerzellen.

„Es hat uns überrascht, wie viele lebenswichtige Hirnfunktionen der Fische durch die in zahlreichen Industriebranchen verwendeten Weichmacher geschwächt werden. Diese Schädigungen treten, wie wir zeigen konnten, nicht sofort ein. Aber wenn die Gehirnzellen einen Monat lang geringen Mengen von BPA oder BPS ausgesetzt sind, sind die Schäden unübersehbar“, sagte Elisabeth Schirmer, Erstautorin der Studie.

„Es ist bekannt, dass zahlreiche Störungen im Nervensystem von Wirbeltieren dadurch ausgelöst werden, dass Erregungssignale und Hemmungssignale nicht oder nur unzulänglich koordiniert sind. Umso be­denk­­licher ist es, dass die Weichmacher BPA und BPS genau diese Koordination erheblich beein­träch­tigen“, erklärte Machnik.

Die Biologen weisen daraufhin, dass Mauthnerzellen bei den Fischen lebensrettende Fluchtreaktionen auslösen. Aufgrund dieser wichtigen Funktion seien sie sehr robust und imstande, schädigende Einflüsse bis zu einem gewissen Grad abzuwehren oder nachträglich zu kompensieren. Umso stärker falle es ins Gewicht, dass Weichmacher in der Lage seien, beträchtliche Schäden in diesen Zellen anzurichten.

„Die durch Untersuchungen an Fischgehirnen gewonnenen Erkenntnisse rechtfertigen die Einschätzung, dass BPA und BPS das Gehirn erwachsener Menschen ebenfalls in gravierender Weise schädigen können. Vor diesem Hintergrund ist es dringend geboten, dass Wissenschaft und Industrie neue Weichmacher entwickeln, die diese Bisphenole ersetzen können und gesundheitlich unbedenklich sind“, forderte Machnik.

Die Forschungsarbeiten wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt. © hil/aerzteblatt.de

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