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Medizin

Weitere Studie belegt Nutzen von inhalativen Steroiden in der Frühphase von COVID-19

Dienstag, 13. April 2021

/picture alliance, Brian Lawless

Oxford – Die Verordnung eines inhalativen Steroids hat in einer randomisierten Studie an älteren ambulanten Patienten mit relativ mildem COVID-19 die Symptomdauer um mehrere Tage verkürzt. Die Vorveröffentlichung in medRxiV (2021; DOI: 10.1101/2021.04.10.21254672) bestätigt die Anfang Februar bekannt gewordenen Ergebnisse der kleineren STOIC-Studie.

Im letzten Jahr hatte die britische RECOVERY-Studie gezeigt, dass eine Behandlung mit Dexamethason die Überlebenschancen von Patienten verbessert, die wegen einer schweren COVID-19 im Krankenhaus mit Sauerstoff versorgt oder sogar mechanisch beatmet werden. Die Steroidgabe gehört in dieser Gruppe seither zum Behandlungsstandard.

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Anders als in der RECOVERY-Studie werden in der PRINCIPLE-Studie ambulante Patienten mit leichteren Erkrankungen behandelt. Die Teilnahme ist zudem auf ältere Patienten beschränkt (ab 65 Jahren, bei Risikofaktoren auch ab 50 Jahren). Wie in der RECOVERY-Studie werden verschiedene Optionen unter­sucht. Eine bestand aus der Verordnung eines inhalativen Steroids (Budesonid 800µg 2 Mal täglich), wie es auch in der Asthmatherapie eingesetzt wird.

Die Teilnehmer wurden seit Anfang April letzten Jahres auf eine Behandlung mit Budesonid, eine normale Betreuung oder auf eine der verschiedenen anderen Behandlungen randomisiert, die in der PRINCIPLE-Studie untersucht werden (Das Design ist wie in der RECOVERY-Studie offen. Es gibt also keine Placebogruppe).

Der Budesonid-Arm wurde am 31. März 2021 beendet. Der Lenkungsausschuss der Studie war zu dem Ergebnis gekommen, dass genügend Daten für eine Beurteilung der Wirksamkeit vorliegen. Die Auswertung von Chris Butler und Richard Hobbs von der Universität Oxford basiert auf 751 Patienten der Budesonidgruppe und 1.028 Patienten, die eine Standardbehandlung ohne Budesonid erhalten hatten. Es waren ausschließlich Patienten mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion. Die Patienten hatten zu Behandlungsbeginn im Mittel seit 6 Tagen unter Symptom gelitten.

Der ursprüngliche Endpunkt war eine Hospitalisierung oder ein Tod der Patienten. Dieser wurde in der Budesonidgruppe von 8,5 % und in der Vergleichsgruppe von 10,3 % der Patienten erreicht. Die Differenz von 2,1 %-Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 0,7 bis 4,8 %-Punkten nicht signifikant. Es ist deshalb nicht sicher, dass die Behandlung das Hospitalisierungsrisiko senken kann.

Da sich die niedrige Rate von schweren Verläufen schon früh abzeichnete, wurde als weiterer primärer Endpunkt die Dauer bis zur Erholung festgelegt. Die Patienten in der Budesonidgruppe benötigten im Durchschnitt 11 Tage gegenüber 14 Tagen in der Vergleichsgruppe. Die Differenz von 3,011 Tagen war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,124 bis 5,410 Tagen signifikant.

Auch in einigen sekundären Endpunkten kam es zu einer rascheren Erholung: In der Budesonidgruppe waren 32,2 % der Patienten innerhalb von 14 Tagen beschwerdefrei. In der Vergleichsgruppe waren es nur 22,0 % (relatives Risiko 1,46; 1,23 bis 1,74). Im WHO-5-Wohlbefindens-Index erreichten sie zu diesem Zeitpunkt 42,6 Punkte gegenüber 39,1 Punkten in der Vergleichsgruppe (mittlere Differenz 3,37 Punkte; 0,97 bis 5,76 Punkte).

Die Studie bestätigt im Wesentlichen die Ergebnisse der kleineren STOIC-Studie, die am 11. Februar in MedRxiv vorveröffentlicht wurde und jetzt in Lancet Respiratory Medicine (2021; DOI: 10.1016/S2213-2600(21)00160-0) erschienen ist.

An der Studie hatten 146 Patienten teilgenommen, die im Mittel seit 3 Tagen unter Symptomen litten (also 3 Tage früher als in der PRINCIPLE-Studie). Der Anteil der Patienten, die wegen einer Verschlech­terung der Symptome notfallmäßig im Krankenhaus aufgenommen werden mussten, ging von 14 % (10 Patienten) auf 1 % (1 Patient) zurück.

Dies ergab in der Per-Protokoll-Analyse einen Rückgang um fast 90 % („difference in proportions“ 0,131; 95-%-Konfidenz­intervall 0,043 bis 0,218). Die Number Needed to Treat betrug 8, was auf einen klinisch bedeutsamen Vorteil hindeutet.

Die Ergebnisse der STOIC-Studie waren gestern anlässlich der endgültigen Publikation von deutschen Experten positiv bewertet worden. Der beschriebene Effekt sei beachtlich und bedeutsam, meinte der Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité, Norbert Suttorp.

Für Frank Brunkhorst, den Leiter des Zentrums für klinische Studien des Universitätsklinikums Jena, waren es „überaus interessante Ergebnisse“, die vom „biologischen Ansatz plausibel“ seien. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sogar von einem möglichen „Game Changer“.

Der Infektiologe Clemens Wendtner, Chefarzt der München Klinik Schwaben, meinte, mit der „simplen, nebenwirkungsarmen und auch noch kosteneffektiven Behandlung“ könnte nicht nur vielen ambulanten Patienten mit mildem COVID-19 in der Frühphase medizinisch geholfen werden. Auch der Druck auf die Krankenhäuser könnte reduziert werden, was ein „wichtiges Argument in Zeiten von knappen Betten angesichts der laufenden dritten Coronawelle“ sei.

Die Experten wiesen auf die Einschränkungen hin, die sich aus der Untersuchung einer relativ geringen Teilnehmerzahl der STOIC-Studie ergebe. Man brauche dringend eine große Phase-3- Studien, hieß es.

Mit der PRINCIPLE-Studie dürfte jetzt die notwendige Evidenz für eine Empfehlung vorliegen. Sie dürfte leicht fallen, da inhalative Budesonidpräparate seit Längerem in der Asthmabehandlung eingesetzt werden und als sicher gelten. Auch in der PRINCIPLE- und der STOIC-Studie sind keine ungewöhnlichen Nebenwirkungen aufgetreten. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #97143
michelvoss
am Montag, 26. April 2021, 12:57

STOIC-Studie war auch offen.

https://www.arznei-telegramm.de/html/2021_04/2104029_01.html https://www.thelancet.com/journals/lanres/article/PIIS2213-2600(21)00160-0/fulltext
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