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Ausland

Weltbevölkerungs­bericht prangert Zunahme von sexueller Gewalt an

Mittwoch, 14. April 2021

Gerd Müller (CSU), Bundesentwicklungsminister, stellt auf einer Pressekonferenz den UNFPA-Weltbevölkerungsbericht 2021 vor. /picture alliance, Wolfgang Kumm

Berlin – Gewalt gegen Frauen hat laut dem Weltbevölkerungsbericht in der Coronapandemie dramatisch zugenommen. Mehr Frauen und Mädchen als je zuvor seien von geschlechtsspezifischer Gewalt und schädlichen Praktiken wie Frühverheiratung bedroht, heißt es in dem Bericht, der heute im Beisein von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) vorgestellt wurde.

45 Prozent der Mädchen und Frauen in Ländern mit mittlerem oder niedrigen Einkommen können dem­nach nicht selbst entscheiden, ob sie Sex haben, verhüten oder medizinische Versorgung in Anspruch nehmen wollen. Die Autoren des Berichts fordern deshalb einen entschiedeneren Einsatz der internatio­nalen Gemeinschaft für körperliche Selbstbestimmung und Unversehrtheit.

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Der Weltbevölkerungsbericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) befasst sich in die­sem Jahr schwerpunktmäßig mit der körperlichen Selbstbestimmung und Unversehrtheit von Mädchen und Frauen. „In Krisen werden noch mehr Frauen und Mädchen Opfer von Zwangsverheiratung und Geni­talverstümmelung“, erklärte Jan Kreutzberg, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), bei der Vorstellung des Berichts.

Unter anderem hätten geschlossene Schulen aufgrund der Coronapandemie zu einem Anstieg des Risi­kos für Mädchen geführt, geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt zu sein, erklärte die DSW, die He­rausgeberin der deutschen Kurzfassung des Berichts ist. Hinzu komme das Wegfallen vieler Dienste der sexuellen oder reproduktiven Medizin aufgrund der Lockdownbestimmungen.

Einen dramatischen Anstieg verzeichneten die Autoren des Berichts auch bei der weiblichen Genitalver­stümmelung: Insgesamt könnte es nach UNFPA-Schätzungen im Zuge der Coronapandemie zu bis zu zwei Millionen zusätzlichen Fällen von weiblicher Genitalverstümmelung kommen. Die Erfolge in der Beseitigung von weiblicher Genitalverstümmelung könnten demnach bis 2030 um ein Drittel zurückge­wor­fen werden.

Zusammenhang zwischen Selbstbestimmung und Bildung

Einen engen Zusammenhang sehen die Autoren zwischen sexueller Selbstbestimmung und dem Bil­dungs­niveau von Frauen. Frauen, die weniger gebildet sind als ihr Ehemann oder Partner, erleben laut dem Bericht häufiger sexualisierte Gewalt als Frauen, deren Bildungsniveau mehr oder weniger dem ihres Ehepartners entspricht.

Viele Mädchen und Frauen wüssten nicht, dass sie das Recht hätten, Geschlechtsverkehr zu verweigern, heißt es in dem Bericht. So habe eine Studie in Indien gezeigt, dass frisch verheiratete Frauen in Indien ihren ersten Sex seltener als erzwungen oder „gegen ihren Willen“ bezeichnen, weil Sex innerhalb der Ehe erwartet würde.

Solche Normen und Einstellungen verhindern laut dem Bericht oftmals auch, dass Frauen selbstbe­stimmte Entscheidungen über Verhütung treffen könnten - auch, weil Männer in vielen Ländern es als ihr Recht betrachteten, die Entscheidung über die Familiengröße zu treffen.

„Die Tatsache, dass fast die Hälfte der Frauen immer noch nicht selbst entscheiden kann, ob sie Sex haben, verhüten oder medizinische Versorgung in Anspruch nehmen will oder nicht, muss uns alle empören“, erklärte UNFPA-Exekutivdirektorin Natalia Kanem.

In der Zentralafrikanischen Republik sind Vergewaltigungen nach Jahren des Bürgerkriegs einem Bericht von Ärzte ohne Grenzen zufolge „fast Alltag“ geworden. In der Hauptstadt Bangui hätten die Mediziner seit Jahresbeginn bereits 1.000 Opfer sexualisierter Gewalt versorgt, die Hälfte davon Minderjährige.

Seit bewaffnete Auseinandersetzungen in dem Land Ende 2020 wieder zugenommen haben, komme es verstärkt zu sexuellen Übergriffen durch bewaffnete Gruppen aber auch durch Bekannte und Familienan­gehörige. Die Strafverfolgung sei jedoch unzureichend, so Ärzte ohne Grenzen. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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