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Politik

Infektionsgeschehen zieht an, Lage in Kliniken kritisch

Mittwoch, 14. April 2021

/picture alliance, ROBIN UTRECHT

Berlin – Ganz sicher lässt sich die Infektionslage in Deutschland nach den Ostertagen noch immer nicht beurteilen. Wichtige Kennwerte weisen aber auf einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen hin. So lag die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von heute Morgen bundesweit bei 153,2. Ähnlich hoch hatte sie zuletzt Mitte Januar (155 am 13. Januar) während der zweiten Welle gelegen.

Der bisherige Höchststand der 7-Tage-Inzidenz war am 22. Dezember 2020 mit 197,6 erreicht worden. Mitte März hatte das RKI prognostiziert, dass es in der Woche nach Ostern höhere Neuinfektionszahlen als um Weihnachten geben könnte. Die Inzidenz könne dann bei 350 liegen, hatte es geheißen.

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Tatsächlich stiegen die Zahlen zunächst weniger stark als befürchtet. Das könnte sich in der nächsten Zeit allerdings ändern. In den Tagen um Ostern könnte es weniger Tests gegeben haben, nimmt das RKI an. Die Osterferien hätten zudem für das Geschehen an Schulen einen „nachhaltigen Entschleu­ni­gungs­effekt“ gehabt, sagte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité gestern im Podcast „Coro­navirus-Update“ bei NDR-Info.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten zuletzt binnen eines Tages 21.693 Corona­neuinfektio­nen, wie aus den Daten des RKI von heute Morgen hervorgeht. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 342 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 9.677 Neuinfektio­nen und 298 Todesfälle verzeichnet.

Im März waren an einigen Tagen weniger als 50 Todesfälle erfasst worden, danach legte die Zahl im Zuge steigender Neuinfektionszahlen im Mittel wieder zu – das allerdings weniger deutlich als bei den Wellen zuvor, weil inzwischen viele Menschen mit besonders hohem COVID-19-Sterberisiko geimpft und damit vor schweren Verläufen weitgehend geschützt sind.

Der Höchststand von 1.244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden – er enthielt jedoch 3.500 Nachmeldungen.

Deutlich bemerkbar macht sich das verstärkte Infektionsgeschehen auf den Intensivstationen, die Zahl der COVID-19-Patienten dort steigt seit Mitte März an. Betroffen sind Medizinern zufolge immer mehr jüngere Menschen.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erwartet, dass der bisherige Höchststand von etwa 6.000 COVID-19-Intensivpatienten noch im April wieder erreicht wird. Bei den unter 50-Jährigen sterbe jeder fünfte Intensivpatient, bei den Älteren im Schnitt jeder zweite, hatte DIVI-Präsident Gernot Marx kürzlich gesagt.

Eine Coronaerstimpfung haben in Deutschland inzwischen 16,9 Prozent der Menschen erhalten. Nach den Daten des RKI sind rund 14,1 Millionen Menschen einmal und knapp 5,2 Millionen (6,2 Prozent) vollständig geimpft (Datenstand jeweils 14. April, 8:00 Uhr). Das sind noch weit zu wenig, um einen merklichen Effekt auf das Ansteckungsgeschehen zu haben.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von gestern bei 1,08 (Vortag: 1,09). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 108 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert sei weiter gestie­gen, schreibt das RKI. Die in den Tagen nach Ostern beobachtete Absenkung des Werts könnte an der vorübergehend geringeren Testzahl gelegen haben.

Auch der Anteil positiver Coronalabortests weist auf ein zunehmendes Infektionsgeschehen hin: Er steigt bundesweit laut einem Laborverband weiter. Die Positivrate ist bei den Tests aus der Woche vom 5. bis 11. April auf rund 12,8 Prozent angewachsen, wie aus Daten der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) hervorgeht. Seit Anfang März (6,4 Prozent) ist diese Zahl demnach kontinuierlich gestie­gen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.044.016 nachgewiesene Infektionen mit SARS-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.718.700 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 79.088. © dpa/aerzteblatt.de

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fa-augen
am Mittwoch, 14. April 2021, 20:42

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.044.016 nachgewiesene Infektionen mit SARS-CoV-2 in Deutsc

Die Zahl von 3.044.016 Infektionen zählt zum großen Teil nur Personen mit positivem PCR Test. Es wäre sehr viel korrekter hier von Inokulation zu sprechen und statt dessen die Zahl der symptomatisch Infizierten anzugeben. Dadurch wäre eine Abschätzung der tatsächlichen Gefährdung der Bevölkerung viel pragmatischer möglich...Eine PCR mit einem CT Wert größer 30 kann kaum noch als Infektion gelten.
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