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Medizin

Rheinland-Studie: Antikörperschutz lässt nach Infektion schnell nach

Mittwoch, 14. April 2021

/Corona Borealis, stock.adobe.com

Bonn – Jeder 5. Teilnehmer der Rheinland-Studie, bei dem im Frühjahr letzten Jahres neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Blut gefunden worden waren, hat inzwischen den Schutz vor einer erneuten Infektion wieder verloren.

Dies geht aus einer jetzt in Nature Communications (2021; DOI: 10.1038/s41467-021-22351-5) vorgestellten Nachuntersuchung hervor, die auf eine begrenzte Dauer der Immunität nach asymptoma­tischen oder leichten Infektionen hinweist.

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Die Rheinland-Studie, die in einer Stichprobe der Bonner Bevölkerung eigentlich den Einfluss von Erb­faktoren, Lebenswandel und Umwelteinflüssen auf die Gesundheit untersuchen soll, hat im letzten Jahr einen ungeplanten neuen Schwerpunkt erhalten.

Zwischen dem 24. April und dem 30. Juni hat ein Team um Monique Breteler vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Blutproben von 4.771 Erwachsenen nach Anti­körpern gegen SARS-CoV-2 gesucht. Mit einem ELISA-Test wurden bei 46 Teilnehmern IgG-Antikörper nachgewiesen, was eine Seroprävalenz von 0,97 % ergibt.

Die Forscher begnügten sich jedoch nicht, wie sonst in Seroprävalenzstudien üblich, mit dem Standard­nachweis für Antikörper. Bei den 46 seropositiven Teilnehmern wurde in einem „plaque reduction neutra­lization test“ (PRNT) zusätzlich untersucht, ob das Plasma der Patienten in der Lage ist, die Viren von der Infektion von Zellkulturen abzuhalten.

Der PRNT ist ein wichtiger Funktionstest, der wegen des hohen Aufwands jedoch selten durchgeführt wird. Er prüft, ob die Antikörper tatsächlich vor einer weiteren Infektion schützen können. Dieser Test fiel bei 22 Teilnehmern positiv aus. Alle wurden im September 2020 – median 120 Tage nach der 1. Blut­probe – erneut getestet.

Bei den meisten Teilnehmern war der Titer der neutralisierenden Antikörper deutlich zurückgegangen. Bei 4 Teilnehmern war er unter einen Wert von 1:20 gefallen, der nach Einschätzung von Breteler nicht mehr sicher vor einer Infektion schützt.

Der Rückgang der Antikörper weist darauf hin, dass die Immunität nach einer natürlichen Infektion von begrenzter Dauer ist. Zu bedenken ist, dass die meisten Teilnehmer der Studie gar nicht oder nur mit milden Symptomen an COVID-19 erkrankt waren. Auch andere Studien haben gezeigt, dass eine milde Erkrankung eine schwächere Immunantwort hinterlässt.

Hinzu kommt, dass einige Menschen trotz fehlender Antikörper durch die T-Zellen vor einer Reinfektion geschützt sein könnten. Diese zelluläre Komponente der Immunantwort lässt sich durch Labortests nur schwer untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #716817
Sinoe
am Samstag, 17. April 2021, 08:55

T Zell Immunität testen der Bevölkerung ist möglich!

Schade, dass das Ärzteblatt nicht auf dem neuesten Stand ist! In Berlin und auch in Mainz (und sicher auch noch woanders) gibt es Labore, zu denen ich das Blut für die T Zell Immunität bereits seit Wochen schicke.
Bitte verbreiten Sie meine Forderung, diese T Zell Testung zum Standard zu machen und damit auch von der öffentlichen Hand zu finanzieren (kostet nicht viel mehr wie wie ein PCR, derzeit noch Igel bzw. GOÄ Leistung).
Dann wird endlich klar, wer immun ist - als Asymptomatischer -nach Erkrankung - vor und nach Impfung!
Mir ist es völlig unverständlich, dass diese T Zell Testung kaum erwähnt wird und immer nur die Antikörpern bestimmt werden, die bekanntlich nicht! persistieren - die T Gedächtnis Zellen schon - zur Zeit spricht man von 8 Monaten.
Herzliche Bitte : wirken Sie als Multiplikator - auch im politischen Sinne - ich alleine als niedergelassene Ärztin habe da zu wenig Gewicht und komme an politische Entscheider "nicht ran"
MfG Dr. Silvia Noetzel
Über eine Antwort vom Ärzteblatt und anderen Multiplikatoren/Kollegen
würde ich mich freuen unter praxis@dr-noetzel.de
Avatar #527841
Neurologie hat mit Hirn zu tun
am Donnerstag, 15. April 2021, 17:48

Garbage in , Garbage out...

...und was wissen wir jetzt mehr? Genau das was die Schlagzeile sagt. Was dabei herauskommt wenn das in die falschen Journalistenhände gelangt! Zum Glück wird im Artikel selbst ja auf die zelluläre Immunität hingewiesen. Auch bei HepB wird ja inzwischen nicht mehr abhängig vom Impftiter nachgeimpft: Immunität besteht dauerhaft.
Wo läuft bitte die Feldstudie zur klinischen Dauer der Immunität bei Erkrankten und Geimpften?
Avatar #865259
UdoSchlenz
am Donnerstag, 15. April 2021, 12:13

Test auf T-Zellen Reaktivität vs SARS-Cov2 als Laborstandard

es gibt in D bereits mehrere Labore, die so einen Test im Repertoire haben. Muss kaum mehr kosten als qPCR dort, dauert nur ne Woche bis Ergebnis kommt.

Ich erwähne das damit der letzte Satz des Artikels nicht zu Missdeutungen führt, die Patienten zum Nachteil gereichen könnten.
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