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Medizin

Studie: Obstruktive Schlafapnoe kann bei Kindern die Hirnentwicklung stören

Montag, 7. Juni 2021

/Dragana Gordic, stock.adobe.com

Baltimore – Kinder, die aufgrund einer obstruktiven Schlafapnoe nachts schnarchen, zeigten in einer Querschnittsstudie häufiger Verhaltensauffälligkeiten, die sich laut der Publikation in Nature Communications (2021; DOI: 10.15154/1520518) auf strukturelle Veränderungen in bestimmten Regionen der Großhirnrinde zurückführen ließen.

In den USA leiden zwischen 5 % und 10 % aller Kinder unter einer obstruktiven Schlafapnoe. Leitsymp­tom ist nächtliches Schnarchen. Die Störung ist in den letzten Jahren häufiger geworden, da immer mehr Kinder unter Übergewicht und Adipositas leiden, einem Risikofaktor für die Erkrankung. Die Störung wurde bereits in früheren Studien mit Verhaltensstörungen der Kinder in Verbindung gebracht.

So beispielsweise in der Avon Longitudinal Study of Parents and Children, wo das Schnarchen dem auffälligem Verhalten der Kinder vorausging (Pediatrics, 2012; DOI: 10.1542/peds.2011-1402).

Die Beobachtung lässt sich biologisch plausibel auf den wiederholten nächtlichen Sauerstoffmangel im Gehirn zurückführen, der im Kindesalter möglicherweise größere Schäden anrichtet als bei Erwachsenen. Eine andere Erklärung für das auffällige Verhalten wäre die Tagesmüdigkeit aufgrund der fehlenden nächtlichen Erholung.

Die ABCD-Studie („Adolescent Brain Cognitive Development“) bietet die Möglichkeit, die Zusammenhän­ge an einer größeren Gruppe von Kindern zu untersuchen. Die Studie begleitet eine Gruppe von mehr als 10.000 Kindern seit dem Alter von 8 bis 10 Jahren.

Zu Beginn der Studie wurde bei allen Teilnehmern eine Magnetresonanztomografie durchgeführt, deren Ergebnisse Amal Isaiah von der Maryland School of Medicine in Baltimore und Mitarbeiter jetzt mit den Angaben der Eltern zum Schnarchen der Kinder und einer psychiatrischen Untersuchung mit der „Child Behavior Checklist“ (CBCL) in Verbindung gesetzt haben.

Zunächst bestätigten sich die Ergebnisse früherer Beobachtungen. Die 661 Kinder (6,5 % der Kohorte), die nach Angaben der Eltern wenigstens an 3 Nächten in der Woche schnarchen, hatten häufiger Gewichts­probleme. Neben einem hohen Body-Mass-Index waren eine Asthmaerkrankung der Kinder und in einem geringen Ausmaß auch ein niedriges Haushaltseinkommen und ein geringer Bildungsstand der Eltern mit dem Schnarchen assoziiert. Die obstruktive Schlafapnoe erklärte wie in früheren Studien wiederum einen Teil der Verhaltensauffälligkeiten in der CBCL.

Sowohl das Symptom Schnarchen als auch ein CBCL-Score waren mit Veränderungen der Großhirnrinde in der Magnetresonanztomografie assoziiert. Häufiges Schnarchen war mit einer verminderten Dicke der Großhirnrinde verbunden, was auf eine allgemeine Störung der Großhirnentwicklung hinweist. Die Veränderungen waren in Regionen des Frontalhirns am stärksten ausgeprägt. Da sich im Frontalhirn die exekutiven Zentren befinden, die an kognitiven Funktionen wie Problemlösung, Impulskontrolle und soziale Interaktionen beteiligt sind, lassen sich hierdurch die Verhaltensstörungen erklären.

Da sich eine obstruktive Schlafapnoe gut behandeln lässt, etwa durch die Entfernung vergrößerter Rachen- und Gaumenmandeln oder durch eine Behandlung mit Atemmasken, liefert die Studie wichtige Anregungen für die klinische Forschung. Eine frühzeitige Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe sollte Verhaltensstörungen vorbeugen können. Ob dies tatsächlich der Fall ist, ließe sich allerdings nur durch prospektiven Langzeitstudien klären. © rme/aerzteblatt.de

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