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Medizin

Vitamin-D-Mangel: US-Gremium rät weiter von Screening ab

Mittwoch, 21. April 2021

/picture alliance, Olga Sergeeva

Durham/North Carolina– Obwohl 1/4 der US-Bevölkerung unter Vitamin-D-Mangel leidet und der Mangel zu zahlreichen Krankheiten führen kann, sieht die United States Preventive Services Task Force (USPSTF) keinen Grund, warum Ärzte symptomfreie Erwachsene auf einen Mangel hin untersuchen sollten.

Das vom US-Ge­sund­heits­mi­nis­terium finanzierte Gremium belässt es im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.3069) bei einer „I-Empfehlung“. Sie wird im Evidenzreport (JAMA, 2021; DOI: 10.1001/jama.2020.26498) mit einem fehlenden Beleg für einen Nutzen begründet.

An qualifizierten randomisierten kontrollierten Studien (RCT) zur Vitamin-D-Substitution besteht kein Mangel. Seit der letzten Bewertung der USPSTF aus dem Jahr 2014 sind 23 neue RCT hinzugekommen (4 RCT wurden aus der Bewertung herausgenommen). Die Empfehlung beruht jetzt auf 46 Studien in 77 Publikationen mit 16.205 Teilnehmern. Einen Nutzen der Behandlung haben sie nicht zeigen können.

Nach den von einem Team um Leila Kahwati von RTI International, einer gemeinnützigen Forschungsor­ganisation in Research Triangle Park (RTI) in Durham/North Carolina, gibt es keine sicheren Belege dafür, dass die Vitamin-D-Substitution Menschen außerhalb von Pflegeeinrichtungen vor Stürzen oder Knochen­­brüchen, vor Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor Infektionen oder Krebs oder vor anderen Krankheiten schützen kann. Auch eine Senkung der Sterblichkeit ist nicht belegt.

Dies heißt nicht, dass ein Vitamin-D-Mangel nicht schädlich ist. Rachitis (im Kindesalter) und Osteo­malazie (im Erwachsenenalter) sind behandlungsbedürftige Erkrankungen, die auf einen Mangel an Vitamin D (oder eine mangelnde Wirksamkeit) zurückzuführen sind. Ein Mangel an Vitamin D vermindert die Knochenmineraldichte, weil der Darm zu wenig Kalzium resorbiert.

Zu den Folgen gehört ein sekundärer Hyperparathyreoidismus, eine Hypophosphatämie und ein erhöhter Knochenumsatz. Bei diesen Erkrankungen ist Vitamin D indiziert. Doch für die vorbeugende Einnahme es Hormons aufgrund eines lediglich mit einem Labortest nachgewiesen Mangels gibt es laut der USPSTF derzeit keine Evidenz.

Die Unklarheit beginnt bei der Frage, ob die Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D der geeignete Laborwert für die Diagnose eines Mangels ist. 25-Hydroxy-Vitamin-D ist nicht das aktive Vitamin, sondern eine Zwischenstufe. Ihre Wahl zum Laborwert verdankt sie der langen Halbwertzeit von 25 Tagen. Der aktivere Metabolit 1,25-Dihydroxy-Vitamin, der 100-fach stärker am Rezeptor bindet, hat nur eine Halbwertzeit von 7 Stunden, was den Laborwert anfällig für Schwankungen macht.

Auch der Grenzwert von 25-Hydroxy-Vitamin-D ist umstritten. Die National Academy of Medicine hat ihn im Jahr 2011 bei 20 ng/ml festgelegt und damit 1/4 der US-Bevölkerung für Vitamin-D-defizient erklärt: 5 % der Personen ab 1 Jahr haben einen Wert von weniger als 12 ng/ml, bei weiteren 18 % liegt er zwischen 12 und 19 ng/ml. Eine ungezielte Behandlung von Erwachsenen erschwert in klinischen Studien, eine Wirkung zu belegen.

Solange diese Fragen nicht geklärt sind, ist es nach Ansicht der Forschergruppe unwahrscheinlich, dass in Studien ein Nutzen für eine präventive Behandlung mit Vitamin D gefunden wird. Genau dieser Zustand wird mit der I-Empfehlung beschrieben. Der USPSTF kommt in ihr zu dem Schluss, dass die aktuellen Erkenntnisse nicht ausreichen, um das Gleichgewicht zwischen Nutzen und Schaden des Screenings bei asymptomatischen Erwachsenen zu beurteilen.

Die USPSTF steht mit ihrer Empfehlung nicht allein da. In den USA empfiehlt derzeit keine Organisation ein bevölkerungsbasiertes Screening auf Vitamin-D-Mangel. Die American Society for Clinical Pathology rät sogar davon ab.

Die American Academy of Family Physicians unterstützt die Empfehlung der USPSTF aus 2014, wonach es nicht genügend Beweise gibt, um ein Screening der Allgemeinbevölkerung auf Vitamin-D-Mangel zu empfehlen. Die Endocrine Society und die American Association of Clinical Endocrinologists empfehlen ein Screening auf Vitamin-D-Mangel bei Risikopersonen.

Diese Empfehlungen stehen im Gegensatz zur enormen Popularität von Vitamin D, das auch in Deutsch­land in verschiedenen Zubereitungen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Viele Menschen sind aufgrund der verminderten Produktion des Vitamins in der dunklen Jahreszeit von der Notwendigkeit einer Einnahme überzeugt. © rme/aerzteblatt.de

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Ruxandra1962
am Mittwoch, 21. April 2021, 18:46

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