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Politik

DKG: Krankenhäuser sollen sich in den Regionen besser abstimmen

Freitag, 16. April 2021

/picture alliance, Fotostand / Reuhl

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat nach der Bundestagswahl im Herbst den Beginn eines geordneten Strukturwandels in der Krankenhauslandschaft eingefordert.

„Wir müssen wegkommen von dem kalten Strukturwandel, der heute ungesteuert die Krankenhaus­strukturen verändert, ohne ein klares Zielbild zu verfolgen“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß, heute vor Journalisten in Berlin. „Wir fordern die Politik auf, mit uns über diesen Kurswechsel zu sprechen.“

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Der DKG sei bewusst, dass es dabei auch zu geplanten Fusionen und zu einer Abnahme der Kranken­hausstandorte in Deutschland kommen werde – „aber in einem geplanten Veränderungsprozess, in dem vorab Alternativen entwickelt werden, die Versorgungssicherheit geben und die notwendigen Versorgungsbedarfe aufgreifen“, so Gaß.

Zulassung für die ambulante Versorgung

Das Zielbild sei dabei die Schaffung von mehr Kooperationen der Krankenhäuser in den Regionen. „Wir wollen, dass die Krankenhäuser Versorgungsaufgaben innerhalb einer Region miteinander abstimmen“, sagt Gaß. „Dabei sollen Grundversorger mit Schwerpunkt- und Maximalversorgern eng zusammen­arbeiten.“ Ein Stückweit werde es dadurch zu weniger Wettbewerb kommen.

Zudem sollen Krankenhäuser nach dem Willen der DKG auch mehr komplexe ambulante Leistungen erbringen können. „Die personellen und infrastrukturellen Ressourcen, die an den Krankenhäusern vorhanden sind, müssen stärker in der teilstationären und komplexen ambulanten Behandlung einge­setzt werden“, forderte Gaß. „Dadurch können in den ländlichen Regionen auch Lücken ausgeglichen werden, in denen eine niedergelassene fachärztliche Versorgung nicht im erforderlichen Maße vorhan­den ist. Wir plädieren deshalb dafür, dass die Krankenhäuser eine Zulassung für die ambulante Versor­gung bekommen.“

Bund soll sich an Investitionskosten beteiligen

Die DKG forderte zudem, dass sich der Bund künftig an der Investitionskostenfinanzierung beteiligt. „Um den eklatanten Mangel an Investitionsfinanzierungen zu begegnen, muss es in den kommenden Jahren Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern geben, damit die Krankenhäuser eine auskömmliche Inves­titionsfinanzierung erhalten“, forderte Gaß. „Hier müssen klare Regelungen getroffen werden.“ Das sei gerechtfertigt, weil der Bund schon heute über seine Gesetzgebung massiv die Strukturentwicklung in den Bundesländern mit bestimme. Die Letztverantwortung für die Krankenhausplanung solle aber bei den Bundesländern verbleiben.

Am DRG-System will die DKG grundsätzlich festhalten. „Denn eine pauschale Finanzierung ermöglicht eine gewisse unternehmerische Freiheit, die wir brauchen, um Innovationen in das System zu bringen“, sagte Gaß. „Wir haben aber große Defizite, was die Abdeckung der notwendigen Kosten betrifft. Insofern müssen den Krankenhäusern künftig die Vorhaltekosten finanziert werden. Das wird sich nicht bundes­einheitlich und für jeden Standort ermitteln lassen. Dafür brauchen wir Vorgaben und dann eine abschließende Festlegung vor Ort.“

Angesprochen auf die immer wieder aufflammende Kritik an privaten Krankenhausträgern, Rendite an ihre Anleger auszuschütten, sagte Gaß: „Die Trägervielfalt hat sich bewährt. Es ist im Interesse der Patien­ten, dass es zwischen den Krankenhäusern einen gewissen Wettbewerb gibt. Wir können nicht erkennen, dass die heute bestehenden Probleme der Krankenhäuser Ergebnis von Privatisierungen sind.“

Weniger Personalausfälle durch COVID-19

Zur aktuellen dritten Welle der Coronapandemie berichtete Gaß, dass es in den Krankenhäusern deutlich weniger Personalausfälle durch eine Quarantäne oder eine eigene Infektion gebe, weil viele Mitarbeiter in den Krankenhäusern heute geimpft seien. „Wir sehen also in den Krankenhäusern den positiven Effekt des Impfens“, sagte Gaß.

Aufgrund des Impfens gebe es in der dritten Welle auch kaum noch über 80-jährige Patienten auf den Intensivstationen. „Dort werden heute vor allem Patienten über 60 und über 70 Jahre behandelt“, so der DKG-Vorstandsvorsitzende.

Höhere Überlebensraten auf den Intensivstationen

„Es gelingt zunehmend häufiger, die Patienten auf den Intensivstationen so zu stabilisieren, dass sie auf die Normalstationen zurückverlegt werden können“, sagte Gaß. „Insofern sind die Überlebensraten heute entsprechend höher als zu Beginn der Pandemie.“

Im Verhältnis zu den Inzidenzen seien auch die Hospitalisierungszahlen gesunken. Dafür würden die Patienten heute länger auf den Intensivstationen behandelt. Insgesamt lägen derzeit etwa 16.500 COVID-19-Patienten in den deutschen Krankenhäusern, davon etwa 4.700 auf den Intensivstationen.

Gaß betonte, dass sich die Mehrzahl der deutschen Krankenhäuser an der Versorgung der COVID-19-Patienten beteilige. „Wir haben jüngst eine Liste der Krankenhäuser bekommen, an die eine Corona­prämie ausgezahlt wird“, sagte Gaß.

Diese Prämie werde nur gezahlt, wenn Krankenhäuser mit mehr als 500 Betten mindestens 50 SARS-CoV-2-Fälle im Jahr 2020 behandelt haben und Krankenhäuser mit weniger als 500 Betten mindestens 20 Fälle. „Von den 1.200 Standorten, die an das DIVI-Intensivregister melden, haben über 1.000 Kranken­häuser diese Kriterien erfüllt“, sagte Gaß. © fos/aerzteblatt.de

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