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Medizin

COVID-19: 2 Phänotypen mit Lungenversagen haben unterschiedliche Mortalität

Freitag, 16. April 2021

/Crystal light, stock.adobe.com

Boston – Die Überlebenschancen von COVID-19-Patienten hängen bei einem akuten Lungenversagen (ARDS) nicht nur von der Lungenfunktion ab. Gleichzeitig bestehende systemische Entzündungs­reaktionen, Organversagen und Störungen der Blutgerinnung können laut einer Studie in EClinicalMedicine (2021; DOI: 10.1016/j.eclinm.2021.100829) das Sterberisiko verdoppeln.

Viele Patienten mit COVID-19 sterben trotz einer mechanischen Beatmung auf der Intensivstation. Auch eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO), die die Lungenfunktion komplett ersetzt, bietet keine Gewähr für ein Überleben. Die Prognose der Patienten wird häufig von systemischen Entzündungs­reaktionen, Störungen der Blutgerinnung und Dysfunktionen anderer Organe mitbestimmt.

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Ein Team um Lorenzo Berra vom Massachusetts General Hospital in Boston hat 263 Patienten mit COVID-19, die wegen eines ARDS auf der Intensivstation behandelt wurden, aufgrund der Laborbefunde in 2 Phänotypen aufgeteilt. „Class 1“ und „Class 2“ unterschieden sich in den Labormarkern der Blut­gerin­nung (D-Dimer, PT und aPTT), der Organfunktion (Kreatinin, Troponin) in Entzündungsparametern (CRP, IL 6), während die Lungenfunktion (Horovitz-Quotient, Sauerstoffsättigung) in beiden Gruppen vergleichbar war.

Der Phänotyp “Class 2“ bestand aus 70 Patienten (26,6 %), bei denen Störungen in allen 3 Komponenten (systemische Entzündung, Organfunktionen und Blutgerinnung) vorlagen. Die 28-Tages-Sterblichkeit betrug in dieser Gruppe 40,0 %, obwohl das ARDS bei ihnen nicht stärker ausgeprägt war als im Phänotyp „Class 1“, dem die übrigen 193 Patienten (73,4 %) zugeordnet wurden.

Bei diesen Patienten war die Erkrankung weitgehend auf die Lungen beschränkt. Die 28-Tages-Sterblich­keit betrug nur 23,3 %. Berra ermittelt eine Odds Ratio von 2,2, die mit einem 95-%-Konfidenz­intervall von 1,2 bis 3,9 statistisch signifikant war und ein zweifaches Sterberisiko für den Phänotyp “Class 2“ anzeigt.

Ähnliche Phänotypen sind in der Vergangenheit auch bei Patienten mit ARDS aus anderen Ursachen aufgefallen. Das ARDS Network des National Heart, Lung, and Blood Institute beschrieb in Lancet Respiratory Medicine (2014; DOI: 10.1016/S2213-2600(14)70097-9) einen hyperinflammatorischen Phänotyp, der sich durch erhöhte entzündliche Biomarker, einen häufigeren Einsatz von Vasopressoren, niedrigere Serumbicarbonat­konzentrationen und eine höhere Prävalenz einer Sepsis von den übrigen Patienten unterschied und bei gleicher Lungenfunktion ebenfalls mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden war. © rme/aerzteblatt.de

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