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Politik

Trauer um 80.000 Coronatote: Steinmeier ruft zum Zusammenhalt auf

Montag, 19. April 2021

Wolfgang Schäuble (CDU, 2.v.l), Bundestagspräsident, Reiner Haseloff (CDU, r), Präsident des Bundesrates und Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und Angehörige von Opfern der Corona-Pandemie nehmen an einer Gedenkfeier für die Verstorbenen in der Coronapandemie in Deutschland im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, teil. / picture alliance, Michael Sohn

Berlin – Gut ein Jahr nach dem Beginn der Coronapandemie haben die Spitzen des deutschen Staates und die Kirchen der fast 80.000 Toten gedacht und den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl bekundet. Bei der zentralen Gedenkfeier rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zudem die Gesellschaft zum Zu­sammenhalt auf.

„Lassen wir nicht zu, dass die Pandemie, die uns schon als Menschen auf Abstand zwingt, uns auch noch als Gesellschaft auseinandertreibt“, sagte er gesten im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Zuvor hatten die Kirchen in einem ökumenischen Gottesdienst in der Gedächtniskirche den Trauernden Trost zugesprochen.

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Der Bundespräsident betonte: „Wir wollen heute als Gesellschaft derer gedenken, die in dieser dunklen Zeit einen einsamen und oft qualvollen Tod gestorben sind.“ Den um ihre gestorbenen Angehörigen Trau­ernden wolle man sagen: „Ihr seid nicht allein mit Eurem Leid, nicht allein in Eurer Trauer.“

Viele Menschen quälten sich unendlich, weil sie sterbenden Angehörigen auf dem letzten Weg nicht beistehen konnten, sagte Steinmeier. „Sterben in der Pandemie, das war und das ist oft ein Sterben ohne Beistand und Abschied.“

Neben der Trauer gebe es bei manchen Menschen auch „Verbitterung und Wut“, sagte das Staatsober­haupt. Er könne dies verstehen. „Die Politik musste schwierige, manchmal tragische Entscheidungen treffen, um eine noch größere Katastrophe zu verhindern.“ Auch die Politik habe lernen müssen. Wo es Fehler und Versäumnisse gegeben habe, müssten diese aufgearbeitet werden, aber nicht an diesem Tag, sagte Steinmeier.

„Meine Bitte ist heute: Sprechen wir über Schmerz und Leid und Wut. Aber verlieren wir uns nicht in Schuldzuweisungen, im Blick zurück, sondern sammeln wir noch einmal Kraft für den Weg nach vorn, den Weg heraus aus der Pandemie, den wir gehen wollen und gehen werden, wenn wir ihn gemeinsam gehen.“

An der von Steinmeier ausgerichteten Gedenkfeier nahmen fünf Hinterbliebene und die Spitzen der an­deren vier Verfassungsorgane teil: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundesratspräsident Reiner Haseloff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (alle CDU) und der Präsident des Bundesverfassungs­gerichts, Stephan Harbarth. Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) und ein Vertreter des Diplo­matischen Korps waren ebenfalls zu der Veranstaltung gekommen, die unter strengsten Hygiene­schutzmaßnahmen stattfand.

In vielen Städten und Gemeinden in Deutschland fanden zeitgleich kleinere Gedenkveranstaltungen statt. Bundesweit waren vor öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf halbmast gesetzt. In Deutschland starben bis gestern nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts 79.914 Menschen an oder unter Beteili­gung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2.

Steinmeier betonte, die Pandemie habe „tiefe Wunden geschlagen und auf schreckliche Weise Lücken gerissen“ – in Deutschland, Europa und weltweit. „Und wir wissen: Sie ist noch immer nicht vorbei.“ Zugleich verbreitete er Zuversicht: „Wir werden die Pandemie hinter uns lassen!“ Tag für Tag erreichten mehr Menschen durch die Impfung das rettende Ufer: „Wir werden uns als Menschen wieder nahe sein, und als Gesellschaft wieder vereint“, betonte der Bundespräsident.

In dem ökumenischen Gottesdienst, der von Geistlichen jüdischen und muslimischen Glaubens mitge­stal­tet wurde, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing: „Krankheit, Ster­ben und Tod lassen sich in diesem langen Jahr nicht wegdrücken, sie schneiden tief ein in das Leben vie­ler Menschen.“ Tod und Sterben seien uns näher gerückt als zuvor. Deshalb sei es richtig, innezu­halten und der vielen Toten zu gedenken.

„Wie ein Trauma legt sich die Krisenerfahrung der Pandemiezeit auf unsere Seele und schreit nach Hei­lung“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. „Für die Verarbeitung werden wir viel Zeit brauchen, erst recht unsere Kinder, unsere Heranwachsenden, für die diese Krise die Ausdehnung einer gefühlten Ewigkeit hat.“ © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #760232
penangexpag
am Dienstag, 20. April 2021, 14:24

das laizistische Staatsprinzip

Über den Sinn dieser Gedenkveranstaltung kann man geteilter Meinung sein; die gute Absicht darf man dem Bundespräsidenten zuerkennen. Wie weit seine sprachliche Kompetenz dem Anspruch entsprochen hat mag jeder selbst entscheiden. ABER . die vom o.g. Kommentator gewünschten Worte wären nicht die geeigneten gewesen, denn der Bundespräsident vor allem muß die religiöse Neutralität wahren. Was übrigens nicht bedeutet, daß sich der einzelne Bürger nicht auch der zitierten Einstellung nähern könnte, also ein schicksalhaftes Geschehen gelassen hinzunehmen. Nur muß das eine absolut persönliche Handlungsmaxime bleiben. Als Leitlinie des Präsidenten eines laizistischen Staates kann es nicht gelten.
Avatar #113003
Claus-F-Dieterle
am Montag, 19. April 2021, 22:22

Ermahnung, Trost und Zuversicht...

Vielleicht wurde in dem Gedenkgottesdienst in der Gedächtniskirche auch auf diese Bibelaussagen hingewiesen:

...Wie schnell ist alles vorbei und wir sind nicht mehr!
Lass uns erkennen, wie kurz unser Leben ist, damit wir zur Einsicht kommen.
Psalm 90,10.12

Gott tröstet uns in all unserer Trübsal.
2.Korinther 1,4

Weder Tod noch Mächte können uns trennen von der Liebe Gottes.
Römer 8,38.39

Gott wird all unsere Tränen abwischen und Leid und Schmerz werden nicht mehr sein.
Offenbarung 21,4

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