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Medizin

Studien: Neurodermitis könnte zu Lernstörungen führen

Mittwoch, 16. Juni 2021

/Elroi, stock.adobe.com

Pennsylvania und London – Kinder mit einer Neurodermitis (Atopische Dermatitis) haben häufiger Lernschwierigkeiten und erreichen deshalb seltener einen höheren Schulabschluss. So lassen sich die Ergebnisse aus 2 Studien in JAMA Dermatology (2021; DOI: 10.1001/jamadermatol.2021.0008 und DOI: 10.1001/jamadermatol.2021.0009) zusammenfassen.

Eine Atopische Dermatitis könnte sich in verschiedener Weise ungünstig auf die schulischen Leistungen auswirken. Der ständige Juckreiz könnte die Kinder im Unterricht ablenken, wegen der unruhigen Nächte sind sie möglicherweise nicht ausgeschlafen, sedierende Antihistaminika könnten zu Fehlzeiten führen. Auch das Stigma, dem Kinder mit Ekzemen in der Schule ausgesetzt sind, könnte sich negativ auf die Motivation auswirken.

Eine Querschnittstudie aus den USA scheint diese Befürchtungen zu bestätigen. Joy Wan von der Perel­man School of Medicine in Philadelphia und Mitarbeiter haben 2.074 Teilnehmer des „Pediatric Eczema Elective Registry“ (PEER) – einer Postmarketingstudie zur Sicherheit von Pimecrolimus – im Alter von 16 Jahren nach ihren schulischen Leistungen befragt. Insgesamt 169 (8,2 %) gaben an, dass bei ihnen eine Lernstörung diagnostiziert worden sei.

Wan hat die Lernstörungen mit dem Schweregrad der Atopischen Dermatitis in Beziehung gesetzt. Maß­stab war einmal der POEM-Score („Patient Oriented Eczema Measure“), in dem ein Arzt den Schweregrad der Erkrankung mit 0 bis 28 Punkten bewertet.

Ergebnis: Kinder mit einem hohen POEM-Score (17 bis 28 Punkte) litten 3 Mal häufiger unter Lernstö­rungen (adjustierte Odds Ratio 3,10; 95-%-Konfidenzintervall 1,55 bis 6,19). Bei einer mittelschweren Erkrankung (POEM-Score 8 bis 16 Punkte) war das Risiko doppelt so hoch wie bei einer abgeheilten Atopischen Dermatitis (adjustierte Odds Ratio 2,09; 1,32 bis 3,30). Selbst bei einer milden Erkrankung (POEM-Score 3 bis 7 Punkte) war bereits eine Häufung der Lernstörungen (adjustierte Odds Ratio 1,72; 1,11 bis 2,67) nachweisbar.

Auch zur Selbsteinschätzung der Kinder bestand eine vom Schweregrad abhängige Assoziation: Kinder mit schwerer Atopischer Dermatitis litten 2,48-fach häufiger unter Lernstörungen. Bei mittelschwerer Erkrankung war das Risiko um 97 % und bei milder Erkrankung um 68 % erhöht. Der „dosisabhängige“ Anstieg des Risiko mit dem Schweregrad ist in epidemiologischen Studien ein Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang, auch wenn die Beweiskraft einer Querschnittstudie ansonsten eher gering ist.

Eine Untersuchung aus Dänemark kommt zu ähnlichen Ergebnissen. In dem skandinavischen Land lassen sich aufgrund der einheitlichen Identifikationsnummern der Einwohner verschiedene Personen­register abgleichen. Ein Team um Sinéad Langan von der London School of Hygiene and Tropical Medicine hat die Schulabschlüsse von Kindern ausgewertet, die wegen einer schweren Atopischen Dermatitis im Krankenhaus behandelt worden waren.

Insgesamt 2,5 % hatten die Sekundarstufe 1 nicht beendet. In einer Vergleichsgruppe lag die Abbrecher­quote nur bei 1,7 %. Langan ermittelt ein adjustiertes relatives Risiko (aRR) von 1,50 (1,26 bis 1,78). Ohne Abschluss der Sekundarstufe II blieben 19,8 % der Kinder mit Atopischer Dermatitis gegenüber 16,4 % in der Kontrollgruppe (aRR 1,16; 1,09 bis 1,24). Auch in Dänemark könnten deshalb Kinder mit Atopischer Dermatitis benachteiligt sein.

Eine zweite Analyse, die den Schulerfolg von 3.259 Kindern mit Atopischer Dermatitis und 4.046 gesun­den Geschwistern verglich, ermittelt ebenfalls eine erhöhte Rate von Schulabbrechern in Sekun­darstufe I (aRR 1,29; 0,92 bis 1,82) und Sekundarstufe II (aRR 1,05; 0,93 bis 1,18). Die Ergebnisse waren hier jedoch statistisch nicht signifikant, so dass sich ein Zufall nicht ausschließen lässt.

In der Gesamtschau der beiden Studien scheint jedoch ein Nachteil der Kinder mit Atopischer Dermatitis in der Schulbildung nicht ausgeschlossen zu sein. Für eine höhere Ausbildung jenseits der Schule wurde in beiden Analysen kein Nachteil für die Patienten mit Atopischer Dermatitis gefunden.

Da die Atopische Dermatitis eine häufige Erkrankung ist, könnten auch geringe Nachteile gesellschaft­liche Auswirkungen haben. Nach einer Überschlagsrechnung von Katrina Abuabara von der Universität von Kalifornien in San Francisco würde ein absoluter Unterschied von 1 % in der Abbrecherquote bei einer 15 %-igen Prävalenz der Atopischen Dermatitis in den USA dazu führen, dass jedes Jahr 100.000 weniger Kinder einen Abschluss der Junior High School oder der High School schaffen. © rme/aerzteblatt.de

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