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Medizin

Arbeitsmedizin: Quarzfeinstaub könnte Rheuma auslösen

Dienstag, 20. April 2021

/helfei, stock.adobe.com

Aarhus – Eine langjährige berufliche Exposition mit Quarzfeinstaub könnte die Entwicklung einer rheumatischen Erkrankung begünstigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus Dänemark im International Journal of Epidemiology (2021; DOI: 10.1093/ije/dyaa287).

Quarz ist das zweithäufigste Mineral der Erdkruste. Wegen ihrer Härte sind quarzhaltige Mineralien ein beliebter Rohstoff in der Keramik-, Glas- und Zementindustrie. Der Feinstaub entsteht vor allem beim Abbau und der Verarbeitung. Landwirte werden durch das Einatmen des Staubs von ihren Feldern exponiert.

Quarzfeinstaub gelangt beim Einatmen bis in die Alveolen, wo es eine Entzündungsreaktion mit chro­nischer Aktivierung der Makrophagen auslöst. Zu den bekannten Folgen gehören eine Silikose, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Lungenkrebs.

Quarzfeinstaub wird seit 1997 von der International Agency for Research on Cancer (IARC) als Gruppe 1-Karzinogen eingestuft. In den betroffenen Berufen gibt es Vorschriften, die die Häufigkeit von Silikose und vermutlich auch das Risiko von COPD und Lungenkrebs gesenkt haben.

Bereits seit den 1930er Jahren wird vermutet, dass Quarzfeinstaub auch die Entwicklung von rheuma­tischen Erkrankungen fördert. Ein möglicher Pathomechanismus ist die Aktivierung des Immunsystems. Die von den Makrophagen gebildeten Zytokine, Chemokine und lysosomalen Enzyme können die anti­körperproduzierenden Zellen aktivieren, die dann bei empfindlichen Menschen eine Autoimmunerkran­kung auslösen, zu denen auch die rheumatoiden Erkrankungen gehören.

Ein Team um Henrik Kolstad von der Universität Aarhus hat zu dieser Frage jetzt die Daten von etwa 3 Millionen Dänen untersucht, die in den Jahren 1977 bis 2015 über mindestens 1 Jahr beruflich tätig waren. Die dänischen Behörden registrieren auch die Art der beruflichen Tätigkeit, die Kolstad mit einer Job-Expositions-Matrix (JEM) für Quarzfeinstaub in Beziehung setzte.

Die JEM gibt an, wie stark ein Beschäftigter der jeweiligen Branche im Durchschnitt mit Quarzfeinstaub exponiert ist. Diese Daten wurden dann mit der Zahl der 4 häufigsten rheumatischen Erkrankungen (systemische Sklerose, rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes und Vaskulitiden kleiner Gefäße) in Beziehung gesetzt.

Für Männer, die beruflich im Durchschnitt doppelt so hohen Konzentrationen von Quarzfeinstaub ausge­setzt waren wie Frauen, fand Kolstad eine dosisabhängige Assoziation. Jeder Anstieg der Exposition um 50µg/m3 war mit einer Zunahme des Erkrankungsrisikos um 7 % verbunden (relative Inzidenzrate IRR 1,07; 95-%-Konfidenzintervall 1,05 bis 1,09).

Die am stärksten exponierten männlichen Arbeiter erkrankten zu 53 % häufiger an Rheuma (IRR 1,53; 1,39 bis 1,69). Ein erhöhtes Risiko war für alle 4 Erkrankungen nachweisbar, am deutlichsten jedoch für die systemische Sklerose (IRR 1,62; 1,08 bis 2,44) und die rheumatoide Arthritis (IRR 1,57; 1,41 bis 1,75).

Bei Frauen stieg das Rheumarisiko mit zunehmender Exposition ebenfalls an (IRR 1,04; 0,99 bis 1,10 pro 50µg/m3). Der Zusammenhang war jedoch nicht signifikant. Das Risiko stieg nach einer Latenz von bis zu 20 Jahren an. Dies bedeutet, dass viele Arbeiter erst während ihres Ruhestands erkranken könnten. Diese Fälle wurden von der Studie nicht erfasst. © rme/aerzteblatt.de

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