NewsÄrzteschaft„Viele stellen die Frage, was das Bild des Berufsverbandes prägen soll“
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Ärzteschaft

„Viele stellen die Frage, was das Bild des Berufsverbandes prägen soll“

Sonntag, 25. April 2021

Berlin – Ein neuer Name: „Berufsverband der Internistinnen und Internisten“ heißt der BDI seit dem ver­gangenen Wochenende. Das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) sprach mit der Präsidentin, Christine Neumann-Grut­zeck, über die Geschichte der Umbenennung, Frauen in der ärztlichen Selbstverwaltung und die Vorteile der Coronapandemie für das Engagement in Verbänden.

5 Fragen an Christine Neumann-Grutzeck, Präsidentin des Berufs­verbandes der Internistinnen und Internisten

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: Der Berufsverband der Internisten hat sich am Wochenende in den Berufsverband der Internistinnen und Internisten umbenannt – wie kam es dazu?
Christine Neumann-Grutzeck: Ich bin seit Herbst 2020 Präsidentin des BDI und mit mir in diesem Amt fällt natürlich immer mehr auf, dass vielfach in einer männlichen Form gesprochen wird. Vor allem die jüngeren Mitglieder im Verband, Männer wie Frauen, stellen sehr aktiv die Frage, ob das noch das Bild des Berufs­ver­bandes prägen soll.

: Mehrere Verbände beschäftigen Sich ja derzeit mit dem The­ma, wie Ärztinnen besser repräsentiert werden können. Auf der Frühjahrestagung des Hausärzteverbandes gab es kürzlich eine längere Diskus­sion dazu, auch andere diskutieren intensiv. Wie lief das bei Ihnen?
Neumann-Grutzeck: Ich hatte es nicht erwartet, aber die Diskussion zu dieser Thematik war ausge­spro­chen einvernehmlich. Es hat natürlich geholfen, dass ich als Präsidentin an der Spitze des Verbandes stehe. Außerdem haben meine beiden Vizepräsidenten den Prozess ebenfalls von Beginn an vorange­trieben. Dementsprechend positiv war auch die Debatte unter unseren Delegierten.

: Eine bessere Sichtbarkeit von Frauen in der Medizin ist ja schon lange ein Thema, laut aktueller Ärztestatistik sind inzwischen 48.16 Prozent der berufstätigen Mediziner Ärztinnen. Warum fällt es so schwer, Frauen sichtbar im Beruf zu machen?
Neumann-Grutzeck: Zum einen haben wir das gesamtgesellschaftliche Problem, dass Frauen gewisse Rollenbilder zugeschrieben werden. Dazu haben wir besonders in der Medizin oft noch die Traditionen. Aber auch die Arbeitszeiten in der Klinik, die ja jahrzehntelang kein Ende kannten, sind weiterhin ein Problem. Das besteht aber auch für Männer, die ebenso wie Frauen mehr Zeit für ein Familienleben haben wollen.

Dazu kommen der Mutterschutz und die aktuellen Regelungen, die Frauen sehr schnell ins Berufsverbot schicken. In unserem Arbeitskreis Internistinnen im BDI wurde mehrfach berichtet, wie groß das Karrie­re­hindernis Mutterschutz ist, sobald eine Schwangerschaft bekannt wird.

: Auch viele ärztliche Verbände bemühen sich um mehr engagierte Ärztinnen in ihren Reihen – wie kann das aus Ihrer Sicht funktionieren?
Neumann-Grutzeck: Man muss niedrigschwellige Beteiligungsangebote machen. Wir haben mit digitalen Formaten gute Erfahrungen gemacht. Vor allem für einen Verband auf Bundesebene ist das wichtig, weil unsere Mitglieder nicht einmal eben durch die ganze Republik fahren können, um an einem Treffen teil­zunehmen. Hier hat zugegebenermaßen die Coronapandemie maßgeblich geholfen, diese Art der Komm­unikation zu fördern. Mittlerweile ist es selbstverständlich, dass wir uns mittels digitaler Tools für zwei Stunden am Abend zusammenschalten.

Zwar sind die Gespräche am Rande von Veranstaltungen in Wiesbaden, in Berlin oder auf anderen Kon­gressen immer wichtig. Aber bei den digitalen Veranstaltungen haben wir gute Teilnehmerzahlen und auch viele Ärztinnen können sich einbringen. Das Digitale öffnet die Verbandsarbeit für jüngere Kolle­ginnen und Kollegen. Dazu gehören aber auch die entsprechenden Inhalte der Veranstaltungen.

: Welche weiteren Pläne haben Sie, um mehr Frauen für die Berufspolitik zu begeistern?
Neumann-Grutzeck: Da gibt es das äußere und das innere Bild. Nach außen ist es der Name und auch die Person der Präsidentin oder des Präsidenten. Nach innen muss man aber auch zeigen, dass sich die Struk­tur ändert und Mitarbeit gewünscht wird. Nur so können wir Berufspolitik machen, die für unsere Mitglieder relevant ist. Schließlich wollen wir nicht nur Symbolpolitik betreiben. Neben den Inhalten muss dieses aber auch in der Sprache sichtbar werden.

Ich werde gemeinsam mit meinem Vizepräsidenten Dr. Norbert Smetak auf dem kommenden Ärztetag einen Antrag einbringen, den Deutschen Ärztetag umzubenennen. Es ist Zeit, dass auch die verfasste Ärzteschaft sprachlich neue Wege geht, denn Sprache schafft Wahrnehmung. Ich bin mir sicher, dass dieser Schritt hilft die ärztliche Berufspolitik zukünftig weiblicher zu machen! © bee/aerzteblatt.de

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