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Ärzteschaft

Fachgesellschaften dämpfen Erwartungen an Budesonid bei COVID-19

Dienstag, 20. April 2021

/Olaf Gedanitz, stock.adobe.com

Berlin – In einer gemeinsamen Stellungnahme haben verschiedene Fachgesellschaften davor gewarnt, die Möglichkeiten des inhalativen Glukokortikoids (ICS) Budesonid bei COVID-19 zu überschätzen. Hin­tergrund ist die in der Fachzeitschrift The Lancet Respiratory Medicine veröffentlichte STOIC-Studie von Ramakrishnan und anderen aus Großbritannien (DOI: 10.1016/S2213-2600(21)00160-0).

Demnach soll der Wirkstoff Budesonid, der in vielen Asthmainhalatoren enthalten ist, im Frühstadium einer SARS-CoV-2-Infektion dazu beitragen, die Zeit bis zur Genesung zu verkürzen und schwere Verläufe zu verringern.

„Mit diesem Statement möchten wir darauf hinweisen, dass die STOIC-Studie lediglich Hypothesen ge­nerierend ist und dass sich aus dieser Studie noch keine generelle Empfehlung für eine ICS-Therapie in der geprüften Dosis für Patienten mit COVID-19 ableiten lässt“, heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), der Österreichischen Gesell­schaft für Pneumologie (ÖGP) und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immuno­logie (DGAKI).

In der STOIC-Studie aus Großbritannien untersuchten die Forscher, ob bei Patienten ohne Asthma eine SARS-CoV-2-Infektion günstig beeinflusst wird, wenn Betroffene zweimal täglich Budesonid im Früh­sta­dium der Erkrankung inhalieren. Das Ergebnis: Die Dauer der Symptome konnte um einen Tag verkürzt und die Häufigkeit von Arztbesuchen reduziert werden.

Doch dieses Ergebnis ist laut den Fachgesellschaften nur bedingt aussagekräftig. „Zwar handelt es sich bei der Studie um eine randomisierte, aber nicht um eine verblindete Studie. Das heißt, die Studienteil­nehmer sowie die behandelnden Ärzte wussten, ob das ICS inhaliert wurde oder nicht. Ein erheblicher Placeboeffekt ist hier also möglich“, sagte Marek Lommatzsch, Oberarzt der Abteilung für Pneumologie des Zentrums für Innere Medizin der Universitätsmedizin Rostock.

„Zudem handelt es sich um eine Studie mit vergleichsweise wenigen Studienteilnehmern und die in der Studie eingeschlossenen Patienten mit Asthma können zu dem positiven Ergebnis beigetragen haben“, ergänzt Klaus Rabe, Chefarzt der „LungenClinic“ in Grosshansdorf – denn nur 84 bis 86 Prozent der ein­geschlossenen Patienten hatten kein Asthma.

Nötig sind laut den Fachgesellschaften nun weitere, größere und verblindete Studien. Den Menschen mit Asthma oder COPD, die bereits dauerhaft mit ICS behandelt werden, empfehlen die Pneumologen aber, diese Therapie während der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie und im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung fortzuführen. © hil/aerzteblatt.de

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