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Ausland

Keine medizinische Versorgung für Nawalny

Dienstag, 20. April 2021

Blick auf den Eingang eines Straflagers mit Krankenstation in Wladimir, einer Stadt 180 Kilometer östlich von Moskau. /picture alliance, AP, Daniel Kozin

Wladimir – Nach der Verlegung des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny in ein Gefängnis­kranken­haus ist dessen Ärzten erneut der Zugang zu dem 44-Jährigen verwehrt worden. „Das ist sehr respektlos gegenüber Menschen, die ihre menschliche Pflicht erfüllen wollen, ihre medizi­nische Pflicht, einem Pa­tienten zu helfen“, sagte Nawalnys persönliche Ärztin Anastasia Wasiljewa heute.

Die Gefängnisbehörden hätten dem Team mitgeteilt, es später am Tag wieder zu versuchen. „Es geht hier nur noch um Gesundheit und Leben“, sagte Wasiljewa. Auch Anwälte Nawalnys trafen heute bei dem Haftlager in der Region Wladimir östlich von Moskau ein. Einem AFP-Reporter zufolge durften sie das Straflager betreten.

Am Nachmittag teilten die Anwälte mit, Nawalny erhalte im Gefängniskrankenhaus „keine medizinische Hilfe“. Der 44-Jährige sei „sehr schwach, kann kaum sitzen und sprechen“, sagte die Anwältin Olga Mi­chai­lowa nach einem Besuch bei Nawalny. Sie forderte eine Verlegung des Oppositionellen, der sich seit drei Wochen im Hungerstreik befindet, in ein „ziviles Krankenhaus“.

Nawalny war gestern aus dem Straflager Pokrow in ein Gefängniskrankenhaus in einem Straflager in der­selben Region gebracht worden. Die Gefängnisbehörde hatte seinen Zustand als „akzeptabel“ bezeich­net. Zuvor hatten seine Ärzte jedoch vor einem drohenden Herzinfarkt gewarnt. Die Mediziner, die kei­nen Zugang zu Nawalny hatten, befürchteten wegen kritischer Kaliumwerte „jede Minute“ eine einge­schränkte Nierenfunktion sowie ernsthafte Herzrhythmusprobleme.

International hat der Zustand des Widersachers von Präsident Wladimir Putin große Besorgnis hervor­ge­rufen. Der US-Sicherheitsberater Jake Sullivan warnte Moskau vorgestern vor „Konsequenzen“ im Falle von Nawalnys Tod. Kremlsprecher Dmitri Peskow kritisierte eine Einmischung in innerrussische Ange­le­genheiten und sagte, die Regierung überwache „den Gesundheitszustand russischer Gefangener nicht“.

Der Oppositionspolitiker kämpft seit drei Wochen mit einem Hungerstreik für eine angemessene medizi­nische Versorgung. Angaben seiner Unterstützer zufolge klagte er zuletzt unter anderem über heftige Rückenschmerzen und Taubheitsgefühle in Armen und Beinen.

Nawalny hatte im vergangenen August einen Anschlag in Russland mit einem Nervengift aus der Nowi­tschokgruppe überlebt und den Kreml für den Angriff verantwortlich gemacht. Nach seiner Behand­lung und Genesung in der Berliner Charité wurde er nach seiner Rückkehr nach Moskau im Januar festge­nommen und zu zweieinhalb Jahren Haft im Straflager verurteilt. © afp/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #760232
penangexpag
am Mittwoch, 21. April 2021, 12:06

Der vergessene Rest ?

In diesem Straflager befinden sich vermutlich eine ganze Menge Personen - und bei dem Bild, welches westliche Heilsbringer von Rußland entwerfen, sind davon glatt 50% politisch Verfolgte. Wer kümmert sich eigentlich um diese Leute ?. Oder anders herum : wer ist Nawalny, daß der US-Präsident gleichsam schon die 7.US-Flotte in Marsch setzt ?
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