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Politik

Coronakrise: Kliniken warnen vor Versorgungsengpässen

Mittwoch, 21. April 2021

/picture alliance, Thomas Frey

Berlin – Angesichts der steigenden Zahl von Coronapatienten auf den Intensivstationen warnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vor Versorgungsengpässen bei anderen Patienten.

„Wenn sich die Infektionslage in den nächsten Wochen nicht entspannt, werden viele Kliniken an den Punkt kommen, dass sie Operationen nicht nur um ein paar Wochen, sondern um Monate verschieben müssen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gernot Gaß den Zeitungen der Funke Mediengruppe (heutige Ausgaben).

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90 Prozent der Kliniken stellten aktuell schon mehr als zehn Prozent der Eingriffe zurück, 50 Prozent sogar mehr als 20 Prozent, sagte Gaß. Bei einzelnen Eingriffen, zum Beispiel beim Hüftgelenksersatz, würden im Schnitt 40 Prozent der Operationen abgesagt. „Je länger die dritte Pandemiewelle dauert, desto massiver werden die Engpässe bei planbaren Eingriffen“, warnte Gaß.

Auch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) warnte vor einer Verschlechterung der Lage für Krebspa­tienten: „Wenn sich die Infektionslage weiter verschärft, werden die Wartezeiten auf planbare Opera­tionen in den kommenden Wochen noch deutlich zunehmen“, sagte deren Präsident Thomas Seufferlein den Funke-Zeitungen. „Ich möchte nicht von Triage sprechen, aber viele Kliniken müssen jetzt priorisie­ren.“

Krebspatienten, deren Zustand medizinisch stabil sei, müssten schon jetzt häufig zwei oder drei Wochen länger auf ihren Eingriff warten als sonst, sagte Seufferlein. Bei einigen Tumorerkrankungen könne das zu Verschlechterungen führen. In jedem Fall sei eine solche Verzögerung für Patienten, die gerade eine Krebsdiagnose bekommen hätten, psychisch schwer belastend.

Die Intensivmediziner zeigten sich ebenfalls besorgt: Schon jetzt seien in vielen Kliniken nur noch zehn Prozent der Intensivbetten frei – oft nur ein einziges Bett, sagte der Präsident der Deutschen Inter­diszi­plinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, den Funke-Zeitungen. „Wenn wir deutlich über 6.000 COVID-Intensivpatienten kommen, ist im gesamten Krankenhaus nur noch Kri­senmedizin möglich.“

Darunter litten vor allem Patienten mit großen, aber planbaren Herzoperationen oder Krebspatienten, deren Tumoroperationen ebenfalls bis auf Weiteres verschoben werden müssten, wenn sie nicht lebens­bedrohlich erkrankt seien.

Marx mahnte: Sollte die bundeseinheitliche Coronanotbremse nicht schnell greifen, werde in wenigen Wochen die Bettennotreserve aller Kliniken in Deutschland gebraucht.

„Dann wären wir im Katastrophenmodus: Wir müssten das Personal aus den anderen Abteilungen ab­ziehen, um die COVID-19-Patienten und andere akut lebensbedrohlich erkrankte Patienten zu versorgen – aber eben nur noch ausschließlich diese. Das bedeutet weniger und schlechtere Versorgung für alle anderen.“ © afp/aerzteblatt.de

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