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Medizin

Neurokognitive Einschränkungen können noch Monate nach akuter COVID-19-Erkrankung fortbestehen

Donnerstag, 22. April 2021

/Rasi, stock.adobe.com

Freiburg – Viele Patienten leiden nach Abklingen der akuten Phase einer SARS-CoV-2-Infektion unter fortbestehenden neurologisch-kognitiven Defiziten.

Wissenschaftler der Universitätsklinik Freiburg konnten jetzt mit einer speziellen Bildgebungstechnik, der sogenannten Fluordesoxyglucose-Positronen­emmissions-Tomografie (18FDG-PET), eine Vermin­derung des Glukosestoffwechsels im Gehirn nach­weisen, die mit solchen neurokognitiven Defiziten assoziiert ist. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Brain erschienen (DOI: 10.1093/brain/awab009).

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Neben schweren akuten neurologischen Komplikationen wie Schlaganfällen sind inzwischen auch zahl­reiche Folgeerscheinungen und Defizite einer COVID-19-Erkrankung bekannt, die nicht nur bei schweren Verläufen auftreten. Die Beschwerden können schon früh während der Infektion beginnen und deutlich über die akute Erkrankungsphase hinaus bestehen bleiben.

Jonas Hosp, Leiter der Post-COVID Ambulanz der Neurologie der Universitätsklinik Freiburg, und sein Team führten während der ersten Pandemiewelle in enger Zusammenarbeit mit Philipp Meyer, dem Ärztlichen Direktor der Nuklearmedizin der Universitätsklinik Freiburg, eine prospektive Studie bei stationär behandelten COVID-19-Patienten durch.

Die Patienten wurden systematisch gescreent, auffällige neurologische und kognitive Befunde erfasst und nach möglichen nachweisbaren Ursachen gesucht. In die Studie wurden Patienten eingeschlossen, die mindestens 1 neu aufgetretenes neurologisches oder neurokognitives Defizit aufwiesen.

Ausschlusskriterien waren vorbestehende kognitive Defizite, neurodegenerative Erkrankungen oder eine ausschließliche Behandlung auf der Intensivstation. Patienten mit mindestens 2 neu aufgetretenen neuro­logischen Symptomen wurden unmittelbar nach abgeklungener Infektiosität zusätzlichen Unter­suchungen unterzogen, unter anderem auch obiger PET-Untersuchung.

Von 41 gescreenten COVID-19-Patienten wurden 29 in das klinikinterne Neuro-COVID-19-Register aufgenommen (38 % Frauen). Die häufigsten neurologischen Störungen betrafen den Geruchs- (25 von 29) und Geschmackssinn (29 von 29). 18 von 26 Patienten hatten im Montreal Cognitive Assessment (MoCA-Test) auffällige Ergebnisse. Insgesamt 26 von 29 Patienten zeigten mehr als 1 Symptom, sodass weitere Untersuchungen erfolgten.

Die Arbeitsgruppe publizierte auch Ergebnisse eines Follow-Ups von 8 Patienten der Originalstudie. Diese Arbeit ist im Journal of Nuclear Medicine erschienen (DOI: 10.2967/jnumed.121.262128).

In der 18FDG-PET konnte bei 10 von 15 Patienten in frontoparietalen Hirnregionen, also im Stirn- und Scheitellappen, ein verminderter Glukosestoffwechsel nachgewiesen werden. Statistische Analysen zeigten eine hohe Korrelation der MoCA-Testwerte mit der Ausprägung der Stoffwechselerniedrigung in genannten Hirnregionen.

„Bei einem Großteil von Patienten, die wegen einer akuten COVID-19-Erkrankung stationär behandelt werden mussten, konnten in der subakuten Phase definierte kognitive Beeinträchtigungen festgestellt werden“, erläuterte Hosp.

„Die Befunde passen zu dem im 18FDG-PET sichtbar verminderten Glukosestoffwechsel, das heißt einer regionalen Leistungseinschränkung in den entsprechenden Bezirken der Großhirnrinde.“

Im Follow-Up von 8 Patienten zeigte sich einer signifikanten Besserung der neurokognitiven Defizite, die mit einer weitgehenden Normalisierung des Hirnstoffwechsels einherging. Die neurokognitiven Beein­trächtigungen korrelierten also mit dem Grad der Verminderung des Glukosemetabolismus, sodass dieser als Biomarker für kognitive Post-COVID-Symptome herangezogen werden könnte.

„Als erfreuliches Ergebnis lässt sich festhalten: Die kognitiven Einschränkungen sind per se reversibel. Allerdings muss einschränkend gesagt werden, dass einige Betroffenen auch 6 Monate nach der Akut­erkrankung noch kein Normalniveau erreicht hatten, die vollständige Wiederherstellung der Gesundheit also in einigen Fällen langwierig zu sein scheint“, erläuterte Hosp. © hil/aerzteblatt.de

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