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Medizin

Wie Stress die Lebenszeit verkürzt

Dienstag, 22. Juni 2021

/fizkes, stock.adobe.com

Durham/North Carolina – Eine dauerhaft erhöhte Ausschüttung von Kortison durch die Nebennieren­rinden, zu der es bei einem chronischen Stress kommt, kann das Leben verkürzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in Science Advances (2021; DOI: 10.1126/sciadv.abf6759), die bei Pavianen über die gesamte Lebenszeit regelmäßig die Gukokortikoidkonzentration in den Faeces überprüft hat.

Dass chronischer Stress die Lebenserwartung verkürzt, wird schon länger vermutet. Die Hypothese lässt sich jedoch kaum überprüfen, da Stress schwer messbar ist und es nur wenige Langzeitstudien gibt, die die Auswirkungen beim Menschen untersucht haben. Eine bekannte Folge von Dauerstress ist die chronische Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse. Chronischer Stress führt dabei zu einer vermehrten Ausschüttung von Glukokortikoiden, die über den Darm auch in die Faeces gelangen.

Das Amboseli Baboon Project beobachtet seit 1971 eine Gruppe von Pavianen, die in einem Nationalpark im Süden Kenias leben. Seit Ende 1999 werden für wissenschaftliche Zwecke regelmäßig Kotproben der Tiere eingesammelt. Bei den weiblichen Pavianen lassen sie sich den einzelnen Tieren zuordnen, über deren Leben die Biologen Protokoll führen.

Ein Team um Susan Albers von der Duke Universität in Durham/North Carolina hat mit anderen Forschern die Glukokortikoidkonzentrationen mit der Lebenszeit der weiblichen Tiere in Beziehung gesetzt. Die Analyse beruht auf 14.173 Messungen von 242 erwachsenen weiblichen Pavianen.

Ergebnis: Die Tiere mit den höchsten Glukokortikoidkonzentrationen und damit vermutlich dem höchsten Lebensstress hatten die kürzeste Lebenserwartung. Tiere, die Zeit ihres Lebens immer hohe Glukokortikoidspiegel aufwiesen, starben im Durchschnitt mit 19,6 Jahren. Tiere mit dem geringsten Stress lebten dagegen 25,0 Jahre. Der Unterschied von 5,4 Jahren entspricht ungefähr 1/4 der Lebens­erwartung.

Die Ergebnisse beruhen auf einer Computersimulation, die Tiere auf den entgegengesetzten Enden des Stressspektrums gegenüberstellt. In der Natur sind solche Fälle selten, obwohl die Tiere infolge von Hackordnung und der Gefahr durch Raubtiere, einem erhöhten Stress ausgesetzt sein können.

Inwiefern die Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden können, muss offenbleiben. Tatsache scheint jedoch, dass die Stressreaktionen, die Mensch und Tier in Notsituationen das Leben retten, auf Dauer die Lebensphase verkürzen können. © rme/aerzteblatt.de

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