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Medizin

Kalifornien: Waldbrände führen zu mehr Juckreiz und mehr Ekzemen

Mittwoch, 23. Juni 2021

/picture alliance, Orange County Register via ZUMA, Jeff Gritchen

San Francisco – Das Camp Fire, der bisher zerstörerischste Waldbrand in der Geschichte Kaliforniens, hat im November 2018 nicht nur zu einer Zunahme von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen geführt.

Laut einer Studie in JAMA Dermatology (2021; DOI: 10.1001/jamadermatol.2021.0179) kam es auch zu einem Anstieg der Arztbesuche wegen Neurodermitis (Atopische Dermatitis) und Juckreizstörungen.

Das Camp Fire war am 8. November ausgebrochen und konnte erst am 25. November gelöscht werden. Während dieser Zeit war der Rauch auch über die 175 Meilen vom Brand entfernte Millionenstadt San Francisco gezogen, wo die durchschnittliche Feinstaubbelastung (PM2,5) um den Faktor 9 stieg.

Der Rauch von Waldbränden enthält neben dem Feinstaub weitere Schadstoffe wie Sulfate, Nitrate, Ruß, Kieselsäure und andere Mineralien, aber auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese schaden nicht nur der Lunge und nach der Aufnahme ins Blut auch die inneren Organe. Auch das größte Organ des menschlichen Körpers und die erste Verteidigungslinie gegen äußere Bedrohungen, die Haut, kann in Mitleidenschaft gezogen werden.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass bestimmte Hauterkrankungen in Gegenden mit einer erhöhten dauerhaften Schadstoffbelastung der Luft häufiger auftreten. Betroffen sind vor allem Menschen mit einer Atopischen Dermatitis, bei der die Barrierefunktion der Haut gestört ist, wodurch die Schadstoffe leichter in die Epidermis eindringen können. Über reaktive Sauerstoffspezies und freie Radikalen können Entzündungsreaktionen angeregt und die Hautbarriere weiter beschädigt werden.

Aufgrund der kurzfristig deutlich erhöhten Schadstoffexposition durch das Camp Fire war deshalb mit vermehrten Hautproblemen zu rechnen. Genau dies kann ein Team um Maria Wei von der Universität von Kalifornien in San Francisco jetzt in einer Studie zeigen.

An den dermatologischen Abteilungen der Universitätsklinik stiegen die Konsultationen. Die Zahl der pädiatrischen Patienten, die sich wegen einer Atopischen Dermatitis vorstellten, nahm um 49 % zu (Rate Ratio RR 1,49; 95-%-Konfidenzintervall 1,07 bis 2,07). Bei den erwachsenen Patienten kam es zu einer Zunahme um 15 % (RR 1,15; 1,02 bis 1,30).

Ein Anstieg war auch für Juckreizbeschwerden, einem Kardinalsymptom der Atopischen Dermatitis, nachweisbar. Die Zahl der Konsultationen stieg bei pädiatrischen Patienten um 82 % (RR 1,82; 1,20 bis 2,78) und bei Erwachsenen tendenziell um 29 % (RR 1,29; 0,96 bis 1,75). Bei Erwachsenen war auch eine Zunahme bei den Verordnungen von systemischen Medikamenten um 45 % (RR 1,45; 1,03 bis 2,05) nachweisbar.

Insgesamt 89 % der erwachsenen Patienten erstmals wegen der Juckreizbeschwerden den Hautarzt aufgesucht. Wei vermutet, dass die Schadstoffe auch die gesunde Haut schädigen oder dass die Patienten unter einer subklinischen Form der Atopischen Dermatitis litten.

Kenneth Kizer von der Denkfabrik Atlas Research in Washington befürchtet, dass die Zahl der Haut­schäden durch Waldbrände in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. In den westlichen US-Staaten sei bereits jetzt die Hälfte der Feinstaubexposition auf Waldbrände zurückzuführen. Der Anteil habe sich zwischen 2006 und 2018 verdoppelt.

Auch der Klimawandel erhöhe durch den Anstieg der Lufttemperatur und der UV-Strahlung den Gesundheitsstress auf die Haut. Es sei zu erwarten, dass die Gesundheitsbelastung durch Atopische Dermatitis und andere Hautkrankheiten in den kommenden Jahren erheblich zunehmen werde, schreibt Kizer im Editorial. © rme/aerzteblatt.de

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