NewsMedizinSacituzumab-­Govitecan bei Triple-negativem Mammakarzinom wirksam
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Sacituzumab-­Govitecan bei Triple-negativem Mammakarzinom wirksam

Dienstag, 22. Juni 2021

/dpa

Boston – Das Antikörperwirkstoffkonjugat Sacituzumab-Govitecan hat in einer Phase-3-Studie die Überlebenszeiten von Patientinnen mit Triple-negativem Mammakarzinom gegenüber einer Standard­chemotherapie beinahe verdoppelt.

Die jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2028485) publizierten Ergebnisse haben die US-Arzneimittelbehörde FDA jüngst zu einer endgültigen Zulassung veranlasst.

Triple-negative Mammakarzinome exprimieren keine Rezeptoren für Östrogene, Progesteron oder den humanen epidermalen Wachstumsfaktor 2 (HER2). Sie treten häufig bei jüngeren Patientinnen auf, und die Behandlungsergebnisse mit einer Chemotherapie sind in der Regel unbefriedigend. Die Triple-negativen Mammakarzinome sind deshalb ein bevorzugtes Anwendungsgebiet für neuartige Therapien, zu denen Antikörperwirkstoffkonjugate gehören.

Sacituzumab-Govitecan besteht aus dem monoklonalen Antikörper hRS7 (Sacituzumab), der an das Trophoblasten-Zelloberflächenantigen-2 (Trop-2) bindet. Der Antikörper ist mit dem Wirkstoff SN-38 verbunden, einem aktiven Metaboliten des Topoisomeraseinhibitors Irinotecan. Die Bindung der beiden Komponenten löst sich, wenn Sacituzumab an der Krebszelle andockt, SN-38 diffundiert dann in die Krebszelle und erzielt dort eine zytostatische Wirkung.

Vor 2 Jahren konnte der Hersteller bereits in einer Phase-2-Studie zeigen, dass Sacituzumab-Govitecan bei jeder 3. Patientin mit mehrfach vorbehandeltem Triple-negativem Mammakarzinom eine Remission erzielt. Die Ergebnisse führten im letzten Jahr zu einer vorläufigen Zulassung in den USA.

Jetzt liegen auch die Ergebnisse der Phas-3-Studie ASCENT vor, an der sich Zentren aus Nordamerika und Europa (mit deutscher Beteiligung) beteiligt hatten. Insgesamt 468 Patientinnen mit metastasiertem Triple-negativem Mammakarzinom, die im Alter von durchschnittlich 54 Jahren mindestens 2 frühere Chemotherapien erhalten hatten, wurden auf eine weitere Chemotherapie oder auf eine Behandlung mit Sacituzumab-Govitecan randomisiert.

Wie zu erwarten war der erneute Therapieversuch mit einem Wirkstoff nach Wahl des Arztes (Eribulin, Capecitabin, Vinorelbin oder Gemcitabin) selten erfolgreich. Nur 5 % der Patientinnen sprachen auf die Behandlung an, während Sacituzumab-Govitecan bei 35 % eine Response erzielte.

In der Kontrollgruppe vergingen rund 1,7 Monate bis zur erneuten Tumorprogression. Die Behandlung mit Sacituzumab-Govitecan verlängerte das progressionsfreie Überleben auf 5,6 Monate. Aditya Bardia vom Massachusetts General Hospital Cancer Center in Boston und Mitarbeiter ermitteln eine Hazard Ratio für Krankheitsprogression oder Tod von 0,41, die mit einen 95-%-Konfidenzintervall von 0,32 bis 0,52 hochsignifikant war.

Die Gesamtüberlebenszeit der Patienten wurde von 6,7 auf 12,1 Monate verlängert. Auch hier war die Hazard Ratio von 0,48 (0,38 bis 0,59) hochsignifikant. Die Ergebnisse veranlassten die FDA Anfang des Monats, Sacituzumab-Govitecan zur Behandlung eines fortgeschrittenen Triple-negativen Mammakarzi­noms bei Patientinnen zuzulassen, die zuvor 2 oder mehr systemische Therapien erhalten hatten, mindestens eine davon für eine metastasierende Erkrankung.

Die wichtigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren eine Neutropenie, die in der ASCENT bei 51 % der Patienten im Schweregrad 3 oder 4 auftraten (gegenüber 33 % unter der Chemotherapie), Leukopenie (10 % und 5 %), Durchfall (10 % und <1 %), Anämie (8 % und 5 %) und eine Neutropenie (6 % und 2 %). Es kam zu Todesfällen, die jedoch nicht auf Sacituzumab-Govitecan zurückgeführt wurden.

Sacituzumab-Govitecan ist das erste Antikörperwirkstoffkonjugat zur Behandlung des Triple-negativen Mammakarzinoms. Zur Behandlung des HER2-positiven Mammakarzinoms sind bereits Trastuzumab Emtansin und Trastuzumab Deruxtecan zugelassen.

Der Hersteller lässt Sacituzumab-Govitecan derzeit in weiteren klinischen Studien beim Triple-negativen Mammakarzinom untersuchen, so im Frühstadium (NCT04230109), als adjuvante Therapie (EudraCT-Nummer 2019-004100-35), im metastasierten Stadium in Kombination mit einer Immuntherapie (NCT03424005 und NCT04468061) oder in Kombination mit einem PARP-Inhibitor (NCT04039230).

Eine weitere Studie untersucht die Wirksamkeit beim Hormonrezeptor-positiven HER2-negativen metastasierten Brustkrebs (NCT03901339). © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER