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Medizin

Malaria: Neuer Impfstoff erzielt höhere Schutzwirkung

Montag, 26. April 2021

/Riccardo Niels Mayer, stock.adobe.com

Oxford/England und Nanoro/Burkina Faso – Ein neuer Impfstoff gegen die Malaria, den britische For­scher entwickelt haben und der in Indien produziert werden soll, hat mit Hilfe eines Adjuvans einer US-Firma in einer Phase-2-Studie Kleinkinder in Afrika zu 76 % vor einer Erkrankung geschützt, womit erst­mals das von der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO vorgegebene Ziel für ein Vakzin gegen die in tropi­schen Ländern noch immer weit verbreitete Infektionskrankheit erreicht wurde.

Die Ergebnisse der jetzt im Lancet-Server „SSRN“ vorveröffentlichten Studie sollen jetzt in einer Phase-3-Studie überprüft werden.

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Plasmodium falciparum, dem Erreger der gefährlichen Malaria tropica, die für die meisten Todesfälle verantwortlich ist, hat sich als schwierig erwiesen, da der Parasit im menschlichen Körper mehrfach seine Form verändert. Durch den Stich der Anophelesmücken gelan­gen Sporozoiten ins Blut. Sie infizieren die Leber und wandeln sich dort zu Schizonten. Diese geben Me­rozoiten ans Blut ab, die die Erythrozyten befallen.

Bis es dem Immunsystem gelingt, eine Immunität aufzubauen, sind vor allem junge Patienten häufig ver­storben. Etwa 2/3 der jährlich mehr als 400.000 Todesfälle durch die Malaria entfallen auf Kinder unter 5 Jahren.

Der vom Jenner Institute der Universität Oxford entwickelte Impfstoff R21 versucht wie der einzige bis­her zugelassene Impfstoff RTS,S/AS01, eine Immunität gegen die Sporozoiten aufzubauen. Beide Impf­stoffe enthalten Anteile des Circumsporozoit-Proteins (CSP), das sich auf der Oberfläche der Sporozoiten befindet.

Im Impfstoff sind die CSP-Anteile mit dem Oberflächenantigen des Hepatitis B-Virus (HBsAg) fusioniert. Beide werden zusammen in Hefezellen produziert und formen sich spontan zu virusähnlichen Partikeln.

Ein Unterschied zu RTS,S/AS01 soll darin bestehen, dass R21 deutlich mehr CSP auf seiner Oberfläche hat. Ein weiterer Unterschied ist die Verwendung eines anderen Adjuvans. Die britischen Entwickler ent­schieden sich für ein patentiertes Adjuvans, das der Hersteller Novovax auch in seinen Impfstoffen ge­gen SARS-CoV-2 verwendet. Es hatte in präklinischen Studien die besten Resultate erzielt.

Der Impfstoff wurde in dem westafrikanischen Land Burkina Faso, wo die Malaria tropica weit verbreitet ist, an 450 Kleinkindern im Alter von 5 bis 17 Monaten getestet. Die Kinder erhielten vor der Malaria­saison im Abstand von jeweils 4 Wochen 3 intramuskuläre Injektionen in den Oberschenkel (eine 4. Do­sis erfolgte 1 Jahr später). Die Injektionen enthielten bei 1/3 der Kinder R21 mit einer niedrigen Dosis des Adjuvans. Das 2. Drittel erhielt dieselbe Dosis R21 mit der doppelten Menge des Adjuvans. In der 3. Gruppe wurde zur Kontrolle ein Tollwutimpfstoff injiziert.

Nach 6 Monaten waren 43 der 146 Kinder (29,5 %), die R21 mit der niedrigen Adjuvansdosis erhielten, an Malaria erkrankt. Von den 146 Kindern, die R21 mit der hohen Adjuvansdosis erhalten hatten, er­krank­ten 38 (26 %). In der Kontrollgruppe kam es bei 105 von 147 Kindern (71,4 %) zur Malaria.

Das Team um Adrian Hill von Jenner Institute und Halidou Tinto vom Institut de Recherche en Sciences de la Santé in Nanoro/Burkina Faso ermittelt eine Impfstoffwirksamkeit von 74 % (95-%-Konfidenzinter­vall 63 % bis 82 %) für den Impfstoff mit der niedrigen Adjuvansdosis und eine Impfstoff­wirksamkeit von 77 % (67 % bis 84 %) für den Impfstoff mit der hohen Adjuvansdosis.

In den folgenden 6 Monaten – die Malaria-Saison war vorüber – kam es nur noch zu 9 weiteren Erkran­kungen. Die Impfstoffwirksamkeit sank mit der niedrigen Adjuvansdosis leicht auf 71 % (59 % bis 79 %). In der hohen Adjuvansdosis blieb sie bei 77 % (67 % bis 84 %).

Die Blutuntersuchungen bestätigen die gute Impfstoffwirkung: 28 Tage nach der 3. Dosis waren die malariaspezifischen Anti-NANP-Antikörper angestiegen. Unter der höheren Adjuvansdosis hatten sie sich fast verdoppelt. Die Titer nahmen zwar später ab. Die Auffrischung nach 1 Jahr erzeugte jedoch erneut hohe Titer, die auf ein Anhalten der Impfstoffwirkung hindeuten.

R21 wäre der erste Impfstoff, der das von der WHO ausgegebene Ziel einer Impfstoffwirksamkeit von mehr als 75 % erreichen könnte. Die Schutzwirkung scheint höher zu sein als die von RTS,S/AS01, das in der Phase-3-Studie nur eine Impfstoffwirksamkeit von 26 bis 50 % erreichte.

Es bleibt abzuwarten, ob die jetzt anlaufende Phase-3-Studie, an der in Burkina Faso, Mali, Kenia und Tansania 4.800 Kinder im Alter von 5 bis 36 Monaten teilnehmen sollen, die Ergebnisse der aktuellen Studie bestätigen wird. Erste Ergebnisse könnten im nächsten Jahr vorliegen. Im günstigsten Fall könnte der Impfstoff schon 2023 zugelassen werden.

Die Produktion des Impfstoffs soll das private Serum Institute of India übernehmen. Es könnte dem Ver­neh­men nach in den nächsten Jahren 200 Millionen Dosierungen zu einem günstigen Preis herstellen. © rme/aerzteblatt.de

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