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Medizin

Medikament gegen Augenleiden könnte Narben auf der Haut verhindern

Donnerstag, 24. Juni 2021

/Kimberly Reinick, stock.adobe.com

Palo Alto/Kalifornien – Die Behandlung mit einem in der Augenheilkunde eingesetzten Wirkstoff kann bei Mäusen nach Verletzungen die Bildung einer Narbe verhindern und den ursprünglichen Zustand der Haut wiederherstellen.

Die in Science (2021; DOI: 10.1126/science.aba2374) vorgestellten Ergebnisse könnten – sofern sie sich in klinischen Studien bestätigen – nicht nur für die kosmetische Chirurgie von Bedeutung sein.

Während Wunden bei Säuglingen noch spurlos verheilen, hinterlassen sie im späteren Alter lebenslange Narben. Die Narben sind in der Regel derb und anders als die normale Haut nicht dehnbar oder flexibel und auch weniger stabil. Narben bestehen aus einer ungeordneten Anhäufung von Kollagen und sind frei von Hautanhanggebilden wie Haaren oder Drüsen. Sie haben sich vermutlich in der Evolution durch­ge­­setzt, weil sie einen raschen Verschluss von Wunden ermöglichen und so vor Infektionen schützen. Narben haben jedoch nicht nur kosmetische Nachteile, sie können Schmerzen verursachen, den Lymph­abfluss aus dem Gewebe behindern und die Beweglichkeit einschränken. Heilungen ohne Narben wären deshalb wünschenswert.

Die Verursacher der Narben sind seit längerem bekannt. Es sind die Fibroblasten, die in der Haut Kollagen bilden. In unverletzter Haut formen die Fibroblasten das Kollagen zu einem korbartigen Geflecht, das die Flexibilität der Haut erhält. Bei einer Verletzung schalten sie auf eine rasche unkontrol­lierte Kollagenbildung um.

Ein möglicher Auslöser der Narbenbildung, der bereits in früheren Studien entdeckt wurde, ist der Trans­kriptionsfaktor „Engrailed-1“ (En-1). Ein Team um Michael Longaker von der Stanford Universität in Palo Alto hat jetzt herausgefunden, dass in der Haut von erwachsenen Säugetieren 2 Arten von Fibroblasten existieren. Solche, die En-1 bilden, und solche, die En-1-negativ sind: Bei einer Verletzung kommt es, vermutlich durch Dehnungsreize zur Aktivierung von En-1 und damit zur Bildung von Narben. Dass Säuglinge keine Narben bilden, könnte damit zusammenhängen, dass ihre Haut insgesamt sehr weich ist und Dehnungsreize deshalb ausbleiben.

Die Forscher fanden heraus, dass die Dehnungssignale über den sogenannten YAP-Signalweg („Yes-associated protein“) die Bildung von En-1 und damit die Narbenbildung stimulieren. Dieser Signalweg lässt sich medikamentös durch YAP-Inhibitoren hemmen, zu denen auch Verteporfin gehört. Verteporfin ist ein zur Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zugelassener Wirkstoff. Er wird im Rahmen der photodynamischen Therapie als Photosensibilisator verwendet. Da Verteporfin auf Licht­reize freie radikale bildet, können in der Netzhaut selektiv die pathologischen Gefäße zerstört werden, die für die feuchte AMD verantwortlich sind.

Bei der Behandlung von Narben würde Verteporfin über die Hemmung des YAP-Signalwegs die Aktivie­rung der narbenbildenden Fibroblasten verhindern. Bei Mäusen hat die Behandlung sich als effektiv erwiesen. Eine Narbenbildung wurde verhindert. Nach einer Verletzung kam es zur Regeneration einer normalen Haut mit intakten Haarfollikeln und Drüsen. Bei den Tieren setzte nach kurzer Zeit das Haarwachstum ein.

Ob die Behandlung auch beim Menschen wirksam wäre, ist nicht bekannt. Die Forscher wollen zunächst weitere experimentelle Studien durchführen. Sie halten es jedoch für möglich, dass Verteporfin nicht nur die Bildung von Narben auf der Haut verhindern könnte. Auch innerhalb des Körpers kommt es nach Verletzungen zur Aktivierung von En-1-Fibroblasten.

Denkbare Anwendungsgebiete wären eine Leberfibrose, Adhäsionen im Bauchfell nach Bauchoperatio­nen oder auch die Regeneration des Herzmuskels nach einem Myokardinfarkt. Auch im Rahmen von Autoimmunerkrankungen wie die Sklerodermie kommt es zu einer pathologischen Narbenbildung. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #731782
astridschulze@massai.dk
am Sonntag, 27. Juni 2021, 14:27

Professionell waere, den Namen des Augenleidenmittel im Titel zu nennen !nd un

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