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Medizin

Vagusnervstimulator verbessert Reha nach Schlaganfall

Montag, 28. Juni 2021

/rumruay, stock.adobe.com

Glasgow – Ein im Hals implantierter Vagusnervstimulator kann die Rehabilitation von Schlaganfall­patienten verbessern. In einer randomisierten Studie im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00475-X) erholten sich die Patienten deutlich besser von den Lähmungen des Armes als in einer Vergleichsgruppe, in der der Vagusnervstimulator implantiert, aber nicht angeschaltet wurde.

Die Rehabehandlung ist für Schlaganfallpatienten ein langer und mühsamer Weg, deren Ziel die Wieder­gewinnung der früheren Motorik ist. Dies gelingt oft nur teilweise, doch der Erfolg der Reha­behandlung zeigt, dass das Gehirn in der Lage ist, verloren gegangene Fähigkeiten auf erhaltene Hirn­regionen zu verlagern. Ein Vagusnervstimulator soll diese Plastizität des Gehirns fördern.

Die Sonde des Vagusnervstimulators wird nach einem Hautschnitt im Halsbereich auf der Höhe des Schildknorpels um den Nerven geschlungen. Das andere Ende der Sonde wird unter der Haut bis zum Brustmuskel vorgeschoben, wo das Steuergerät ähnlich wie ein Herzschrittmacher implantiert wird.

Das Gerät kann per Fernbedienung gestartet werden und gibt dann leichte elektrische Impulse an den Nerven ab. Die dadurch ausgelösten neuronalen Signale sollen die Plastizität des Gehirns fördern und dem Patienten helfen, seine motorischen Fähigkeiten zu verbessern. Die Wirkung wurde in tierexperi­mentellen Studien auf die vermehrte Freisetzung von Neurotransmittern im Gehirn zurückgeführt, die die Verknüpfung neuer Nervenverbindungen fördern. Wichtig war dabei, dass die Vagusnervstimulation mit Rehaübungen kombiniert wird.

Auf dieses „Pairing" wurde auch in der VNS-REHAB-Studie geachtet, in der der US-Hersteller MicroTransponder aus Austin/Texas sein Gerät an 20 Zentren in den USA und Großbritannien erproben ließ.

An der Studie nahmen 108 Patienten teil, die bei einem im Mittel 3 Jahre zurückliegenden ischämischen Schlaganfall mittelschwere bis schwere Verluste der Armfunktion erlitten hatten. Alle Teilnehmer erhielten einen Vagusnervstimulator implantiert, der in einer 3-fachblinden Studie (weder Patient, nach Prüfarzt noch der Auswerter kannten die Einteilung der Patienten) nur bei jedem 2. Patienten aktiviert war, während diese ihre gezielten Übungen zur Verbesserung der Arm- und Handfunktion durchführten.

Nach insgesamt 18 Rehaanwendungen innerhalb von 6 Wochen wurden die Ergebnisse ausgewertet. Primärer Endpunkt war das „Fugl-Meyer Assessment“ der oberen Extremität (FMA-UE), das die senso­motorische Funktion mit bis zu 66 Punkten bewertet. Wie Jesse Dawson von der Universität Glasgow und Mitarbeiter berichten, kam es bei eingeschaltetem Vagusnervstimulator zu einer mittleren Verbesserung des FMA-UE-Scores um 5,0 Punkte gegenüber einer Verbesserung um 2,4 Punkte in der Kontrollgruppe. Die Differenz von 2,6 Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,0 bis 4,2 Punkten signifikant.

Bei einer Nachuntersuchung 90 Tage später zeigten in der aktiven Gruppe 23 von 53 Patienten (47 %) ein klinisch bedeutsames Ansprechen gegenüber 13 von 55 Patienten (24 %) in der Kontrollgruppe. Die Differenz von 24 %-Punkten (6 bis 41 %-Punkte) war ebenfalls signifikant. Nur bei einem Patienten kam es zu einer Lähmung der Stimmlippen, die vermutlich durch eine Verletzung des Nervus laryngeus recurrens bei der Implantation der Vagussonde zurückzuführen war.

Die Studie hat laut Dawson erstmals belegt, dass eine Neuromodulationstherapie bei Menschen mit Arm- und Handschwäche nach chronischem Schlaganfall effektiv ist, wobei wichtig sei, dass das Gerät nur in Kombination mit einer gezielten Reha-Behandlung eine Wirkung erziele. Da das 3-fachblinde Design der Studie einen Placeboeffekt ausschließt, dürfte der Hersteller gute Chancen auf eine Zulas­sung haben. Vagusnervstimulatoren werden bereits zur Behandlung von Epilepsie, Clusterkopfschmer­zen und bei Migräne eingesetzt.

MicroTransponder Inc ist nicht der einzige Anbieter. ElectroCore aus Basking Ridge/New Jersey lässt ein Gerät derzeit in der Türkei (TR-VENUS-Studie) und in den Niederlanden (NOVIS-Studie) bei Schlaganfall-Patienten prüfen. © rme/aerzteblatt.de

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