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Medizin

COVID-19: Zugelassene Hepatitis C-Medikamente verstärken Wirkung von Remdesivir in Laborexperimenten

Mittwoch, 28. April 2021

/skd, stock.adobe.com

Albany/New York – Mehrere Medikamente, die zur Behandlung der Hepatitis C zugelassen sind, könnten die Wirkung von Remdesivir, des bisher einzigen Virustatikums gegen SARS-CoV-2, deutlich verstärken. Dies geht aus Untersuchungen von US-Forschern in Cell Reports (2021; DOI; 10.1016/j.celrep.2021.109133) hervor, die schon bald klinische Studien veranlassen dürften.

Die Entwicklung von antiretroviralen Substanzen gegen HI-Viren und der „direct-acting antivirals“ gegen Hepatitis C hat gezeigt, dass es möglich ist, die Replikation von Viren in menschlichen Zellen zu stoppen und dadurch wirksam Erkrankungen zu behandeln. Die Immunschwäche Aids kann durch Kombinations­therapien verhindert werden, eine Hepatitis C kann zur Ausheilung gebracht werden.

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Inzwischen ist auch der Vermehrungszyklus von SARS-CoV-2 gut erforscht. Die Virus-RNA wird zunächst von den Ribosomen der menschlichen Zelle in 2 Polyproteine umgesetzt. Diese werden dann von 2 Proteasen, deren Gene SARS-CoV-2 mit sich führt, in 16 Proteine zerlegt, die als Werkzeuge für den Bau neuer Viren dienen.

Diese beiden Proteasen – eine „Papain-like“-Protease (PLpro) und eine „3C-like“-Protease, die auch als Main Protease (Mpro) bezeichnet wird – sind deshalb interessante Angriffspunkte für neue Medika­mente. Ohne PLpro und ohne Mpro kann das Virus beispielsweise keine RNA-Polymerase bilden. Dieses Enzym wird benötigt, um die neuen Viruskapseln mit Genen zu beladen, die dann im nächsten Vermehr­ungszyklus den Bau neuer Viren anleiten.

Remdesivir hemmt die RNA-Polymerase. Doch die Wirkung ist meist zu schwach, um SARS-CoV-2 aufzu­halten. Das Mittel hat sich in klinischen Studien nur in der Frühphase als effektiv erwiesen. Hier wird es derzeit kaum eingesetzt, da es als Infusion gegeben werden muss, was bei ambulanten Patienten in der Frühphase umständlich ist.

Einem Team um Gaetano Montelione vom Rensselaer Polytechnic Institute in Albany im US-Staat New York ist bei der Analyse von Mpro eine auffallende strukturelle Ähnlichkeit mit der HCV-NS3/4A-Protease des Hepatitis C-Virus aufgefallen. Daraus schlossen sie, dass NS3/4A-Protease-Inhibitoren, die zur Behand­­lung der Hepatitis C zugelassen sind, sich auch als Mpro-Inhibitoren zur Behandlung von COVID-19 eignen könnten.

Die Forscher ließen daraufhin 7 NS3/4A-Protease-Inhibitoren an der Icahn School of Medicine in New York in Zellkulturen von Menschen und Affen untersuchen. Die Wirkstoffe waren tatsächlich in der Lage, Infektionen der Zelle mit SARS-CoV-2 zu stoppen.

Weitere Experimente zeigten überraschenderweise, das 4 der 7 NS3/4A-Protease-Inhibitoren auch PLpro, die anderen Proteasen von SARS-CoV-2 hemmen. Dies ermöglicht quasi einen doppelten Angriff auf SARS-CoV-2. Die 4 neuen PLpro-Inhibitoren verstärkten in weiteren Versuchen die Wirkung von Remdesivir um den Faktor 10. Zusammen mit Remdesivir könnten sie möglicherweise auch schwere Erkrankungen stoppen.

Ob dies der Fall ist, könnte schon demnächst in klinischen Studien untersucht werden. Denn bei den 4 HCV-Proteaseinhibitoren, die auch als PLpro-Inhibitoren aktiv sind, handelt es sich um die Wirkstoffe Simeprevir, Vaniprevir, Paritaprevir und Grazoprevir.

Simeprevir ist seit 2014 als Olysio, Paritaprevir seit 2015 als Viekirax und Grazoprevir seit 2016 als Zepatier zur Behandlung der Hepatitis C zugelassen. Die Mittel könnten deshalb ohne weiteres bei Infektionen mit SARS-CoV-2 eingesetzt werden.

Dies müsste allerdings zunächst in klinischen Studien erfolgen, da von den Laborergebnissen nicht einfach auf eine klinische Wirkung geschlossen werden kann. Außerdem ist nicht sicher, dass sie bei einer anderen Indikation zusammen mit einem weiteren Mittel auch verträglich sind. Auch aus diesem Grund wären zunächst klinische Studien erforderlich. © rme/aerzteblatt.de

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