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Politik

Regierung hat keine Kenntnis vom Alter der Coronapatienten auf Intensivstationen

Donnerstag, 29. April 2021

/picture alliance, Kay Nietfeld

Berlin – Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben keine Kenntnis vom Durchschnittsalter der COVID-19-Patienten auf deutschen Intensivstationen. Das teilte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium auf Anfrage der FDP mit.

Demnach müssen die Kranken­häuser zwar täglich ihre Behandlungskapazitäten sowie etwa die Zahl der entlassenen Patienten übermitteln. „Daten über das (Durchschnitts-)Alter von COVID-19-Patientinnen und COVID-19-Patienten mit intensivmedizinischem Behandlungsbedarf" fallen aber nicht darunter.

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Die Antwort auf eine Anfrage der FDP-Politikerin Judith Skudelny lag AFP heute vor. Darin heißt es weiter, dass folglich auch keine Angaben darüber vorliegen, wie alt im Durchschnitt die Patienten waren, die auf den Intensivstationen an dem Coronavirus starben. Das Alter sei bislang nicht „als erforderlich angesehen“ worden, heißt es in der Antwort weiter.

Skudelny nahm eine Äußerung des SPD-Gesundheitspolitikers Karl Lauterbach zum Anlass der Anfrage. Dieser hatte kürzlich in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ gesagt, diejenigen, die jetzt auf den Inten­siv­stationen behandelt werden, seien „im Durchschnitt 47 bis 48 Jahre alt“. „Die Hälfte von denen stirbt. Viele Kinder verlieren ihre Eltern.“ Das sei „eine Tragödie“, sagte Lauterbach weiter.

Skudelny kritisierte den SPD-Politiker dafür scharf und warf ihm vor, mit „falschen Fakten“ Angst zu ver­breiten. Da das Alter aber gar nicht erfasst werde, entbehre diese Darstellung jeder Grundlage, sagte sie.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete kritisierte zudem grundsätzlich, dass die Regierung „in Zeiten, in denen Politik und Ethikkommission über eine Impfpriorisierung diskutieren“, die Erhebung von simplen Zahlen mit hoher Bedeutung vernachlässige. Dazu gehöre auch das Alter der Intensivpatienten.

„Das ist hanebüchen und wird dem erforderlichen Weitblick zur Pandemiebekämpfung nicht gerecht."
In ihrer Antwort schreibt die Regierung indes, dass die Altersangaben der Patienten mit intensivmedi­zinischem Versorgungsbedarf „in Kürze erhoben“ werden sollen, da das Alter nunmehr als relevant für die Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung in Krankenhäusern angesehen werde.

Dazu soll die DIVI Intensivregister-Verordnung angepasst werden, die die Übermittlung der Daten regelt. Skudelny sagte dazu, das Alter sei ein „absolut wichtiger Indikator“. Dieser werde nun „leider“ viel zu spät erhoben. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #659995
Claus Günther
am Montag, 3. Mai 2021, 13:44

COVID-19-Politik – Symptom fehlender Kontur

In ihrer Ansprache vom 18.03.2020 sagte Frau Merkel: „Wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes Leben und jeder Mensch zählt.“ Auch Herr Steinmeier hat wiederholt der Corona-Toten gedacht und in seiner Oster-Ansprache 2021 die offenbare Lösung angesprochen: „Das Impfen ist der wichtigste Schritt auf unserem Weg aus der Pandemie – also nutzen Sie die Möglichkeiten! Machen Sie mit!“
Da der Impfstoff knapp war und auch in den nächsten Wochen weiterhin knapp sein wird, hat sein Einsatz so zu erfolgen, dass möglichst viele COVID-19-Todesfälle vermieden werden.
Die europäische Arzneimittelagentur EMA hat am 23.04.2021 eine grafische Veranschaulichung des Nutzens einer AstraZeneca-Impfung veröffentlicht. Sie gilt für UK, ist aber in den Dimensionen gewiss repräsentativ für den Nutzen von Corona-Impfungen allgemein. Bei mittlerer Infektionsrate, wie sie derzeit auch für Deutschland gilt, werden durch die Impfung von 100.000 Personen bei unter 60 Jährigen 286 Hospitalisierungen, 33 intensivmedizinische Behandlungen (ICU) und nur 17 Todesfälle verhindert, bei Personen 60+ sind dies 793 Hospitalisierungen (2,8 x mehr), 96 ICU (2,9 x mehr), aber 309 Todesfälle (18 x mehr).
Weiterhin betreffen > 90% der COVID-19-Todesfälle in Deutschland Personen 60+ (1.500 Fälle wöchentlich) und damit < 10% Personen < 60 Jahre (150 Fälle wöchentlich).
Super, wenn im Juni 2021 so viel Corona-Impfstoff verfügbar ist, dass jedem ein Impfangebot gemacht werden kann. Bis dahin ist die Alterspriorisierung strikt einzuhalten. Die großräumigen Abweichungen von der Alterspriorisierung bisher kosten täglich viele Menschenleben. Ganz offensichtlich zählt nicht jedes Leben, jeder Mensch.
Avatar #591228
shah
am Freitag, 30. April 2021, 12:33

Altersverteilung auf Intensivstationen / Rheinlandpfalz

Gitt,A.K. hat auf einer Pressekonferenz Daten für Rheinlandpfalz vorgestellt.
Siehe https://msagd.rlp.de/de/service/presse/detail/news/News/detail/baetzing-lichtenthaeler-lage-in-den-krankenhaeusern-ist-ernst-rheinland-pfalz-ist-gut-geruestet-fuer-h/
Avatar #789658
2haeschen
am Donnerstag, 29. April 2021, 21:30

@penangexpag

Guten Abend, am Datenschutz liegt es bei dieser Zahl vermutlich nicht. Bei uns im Landkreis wurden folgende Daten veröffentlicht:
Mitte März 2021 lag das Durschnittsalter aller an / mit "C."-Verstorbenen bei 84 Jahren. Den Zahlen bis Mitte Februar konnte man entnehmen, dass 1 Person unter 50 Jahren (m. V.) darunter war.

Ob Zahlen einem bestimmtem Zweck dienen müssen, weiß ich natürlich nicht.


Avatar #760232
penangexpag
am Donnerstag, 29. April 2021, 19:53

Das Fehlen der Zentralen Datenerfassung

Daß das Fehlen der Zusammenführung der Daten in einer zentralen Auswertestelle eine der peinlichsten Lücken in unserem Gesundheitssystem ist - das drastisch zu offenbaren war wenigsten 1 positiver Effekt der Pandemie. Insofern ist die Klage der FDP-Politikerin Judith Skudelny berechtigt - aber auch nicht neu. Ministerin Karlizcek hatte bereits eine entsprechende Forderung gestellt. Die Verdächtigung von Prof. Lauterbach ist aber dennoch nicht zwingend, denn VORHANDEN sind solche Daten - man muß sie sich halt etwas umständlich beschaffen. Auf die bundesdeutsche hohe Hürde des Datenschutzes sei zum wiederholten Male und nachdrücklich hingewiesen. Das Volk muß sich entscheiden - und zwar nicht erst 2030.
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