NewsÄrzteschaftHype um Asthmaspray als COVID-19-Mittel könnte zu Versorgungsengpässen führen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Hype um Asthmaspray als COVID-19-Mittel könnte zu Versorgungsengpässen führen

Donnerstag, 29. April 2021

/Olaf Gedanitz, stock.adobe.com

Berlin – Die kürzlich veröffentlichte STOIC-Studie zum Einsatz von Budesonid bei COVID-19 ist Experten zufolge nicht aussagekräftig genug, um ein breite Anwendung zu empfehlen. Auswirkungen hat die Untersuchung aber dennoch bereits.

In Öster­reich sei es aufgrund einer vermehrten Off-Label-Verschreibung des Asthmasprays zwischenzeit­lich sogar zu Versorgungsengpässen gekommen, berichtete Marco Idzko, der an der Universitätsklinik für Innere Medi­zin II in Wien die klinische Abteilung Pulmologie leitet, heute bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP).

Anzeige

„In Deutschland gibt es noch keine Hinweise auf eine entsprechende Verknappung“, sagte DGP-Präsident Michael Pfeifer. Damit das auch so bleibt, appellierte der Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Inten­siv­­medizin am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, „Budesonid nicht zu hamstern“, da es drin­gend für die Versorgung von Asthmapatienten benötigt werde.

Studienergebnisse erfordern Bewertung

Dass Studien heute so schnell in die Öffentlichkeit gelangen und dort auch diskutiert werden, stellt Pfeifer zufolge eine neuartige Situation dar. Im Normalfall würden neue Studienergebnisse zu Therapien erst von den Experten auf Wirksamkeit, Sicherheit und Übertragbarkeit bewertet, bevor Empfehlungen für die Behandlung von Patienten herausgegeben würden.

Im Fall der STOIC-Studie ist denn auch passiert, was in Fachkreisen gefürchtet wird: In die Öffentlichkeit gedrungen ist vor allem das Ergebnis, dass Budesonid die Dauer der Symptome um einen Tag verkürzen und die Häufigkeit von Arztbesuchen reduzieren könne. Doch das lässt sich aus den Ergebnissen von Sanjay Ramakrishnan und Kollegen nicht wirklich ableiten.

„Die Studie ist leider vom Design her schlecht gemacht und höchstens hypothesengenerierend“, betonte Idzko. Als gravierende Mängel zählte er unter anderem das Fehlen von Verblindung und Placebo, die gerin­ge Teilnehmerzahl mit fast 16 Prozent Asthmatikern, den subjektiven primären Endpunkt des ärztlichen Kontakts und die ungewöhnlich hohe ICS-Dosis auf, mit der die Probanden in der Budesonidgruppe be­handelt wurden.

Die überraschende Beobachtung, dass Asthmapatienten nicht zu den Risikopersonen für einen schweren COVID-19-Verlauf zählten, war die Rationale für die Studie. Sie sollte klären, ob das Asthmamedikament Budesonid dafür verantwortlich sein könnte.

Das ICS supprimiere in den Atemwegen die Expression der Rezeptoren, die für die Aufnahme des Virus in die Zellen erforderlich seien, sagte Marek Lommatzsch, Oberarzt der Abteilung für Pneumologie an der Universitätsmedizin Rostock.

Die Überlegung sei gewesen, dass ICS die Atemwege möglicherweise resis­tenter gegen das Virus mach­ten. Doch eine Rationale für die in der Studie gewählte ICS-Dosis gebe es nicht, nur etwa zehn bis 15 Prozent der Patienten mit Asthma würden eine derart hohe Dosis erhalten.

Um die Frage zu klären, ob Budesonid tatsächlich einen Stellenwert in der COVID-19-Therapie haben könnte, sei nun eine große, placebokontrollierte, verblindete Studie mit unterschiedlichen Dosierungen erforderlich“, betonte Idzko. Diese sei auch bereits in Planung.

Er appellierte noch einmal an Ärzte und Ärztinnen, bei COVID-19-Erkrankungen keine ICS zu verschrei­ben. Die STOIC-Studie dürfe in keinem Fall dazu führen, dass ICS nicht mehr in ausreichenden Mengen für Menschen mit Asthma oder COPD zur Verfügung stünden. © nec/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #775352
Murke
am Donnerstag, 29. April 2021, 18:58

Warum nicht Budesonid?

"Die überraschende Beobachtung, dass Asthmapatienten nicht zu den Risikopersonen für einen schweren COVID-19-Verlauf zählten, war die Rationale für die Studie. Sie sollte klären, ob das Asthmamedikament Budesonid dafür verantwortlich sein könnte."

Ist das nicht vernünftig? Wollen das schon wieder einige Leute blockieren mit der Ausrede auf zeitschindende "Untersuchung" durch die "EMA"?

Geht das schon wieder los, daß die Diskussion um eine adjuvante Therapie mit einer Sorge und Mangelpanik bei der grottenschlechten Arzneimittelversorgung in D verbunden wird?

Vaccine z.B. kommt monatelang, bald jahrelang, nicht in ausreichender Menge und die ganzen "Priorisierungen" sind nur Symptom für diese skandalöse Unterversorgung auf allen Ebenen.

Nun zeichnet sich ab, daß Asthmatiker bedroht sind, wenn zu viele "Leute" auf die Idee kommen, Budesonid zu "hamstern". Von welcher Art und Sorte haben wir denn eigentlich ausreichend Medikamente?
LNSLNS
VG WortLNSLNS LNSLNS LNSLNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER