NewsMedizinKaiserschnitt: Tranexamsäure senkt postpartalen Blutverlust – klinische Bedeutung unklar
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Kaiserschnitt: Tranexamsäure senkt postpartalen Blutverlust – klinische Bedeutung unklar

Montag, 5. Juli 2021

/fotoatelier.hamburg, stock.adobe.com

Bordeaux – Eine zusätzliche Infusion des Antifibrinolytikums Tranexamsäure in den ersten Minuten nach der Entbindung hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2028788) zwar häufiger einen starken postpartalen Blutverlust nach einem Kaiser­schnitt verhindert, ein klinischer Vorteil gegenüber dem alleinigen Einsatz von Uterotonika war jedoch nicht eindeutig nachweisbar.

Postpartale Hämorrhagien gehören zu den am meisten gefürchteten Komplikationen der Geburtshilfe, da sie auch in der westlichen Welt tödlich enden können. Nach einem Kaiserschnitt erhalten deshalb viele Frauen prophylaktisch ein Uterotonikum, das durch seine kontraktierende Wirkung auf den Uterus den Blutverlust verringern soll.

Als zusätzliche Prophylaxe ist eine intravenöse Gabe von Tranexamsäure in der Diskussion, die im Anschluss an die Gabe des Uterotonikums erfolgen kann. Tranexamsäure hemmt die Umwandlung von Plasminogen zu Plasmin und verhindert dadurch, dass Blutgerinnsel vorzeitig aufgelöst werden. Nach größeren chirurgischen Eingriffen, etwa in der Herzchirurgie, wird Tranexamsäure zur Senkung der Blut­verluste eingesetzt. In der Geburtshilfe ist es bereits zur Behandlung der postpartalen Hämorrhagie indiziert.

Ein Team um Loïc Sentilhes von der Universität Bordeaux hat in einer randomisierten Studie untersucht, ob auch eine prophylaktische Gabe sinnvoll ist. An der TRAAP2-Studie beteiligten sich 26 französische Kliniken, die mehr als 4.000 Frauen nach einem Kaiserschnitt auf die zusätzliche intravenöse Gabe von Tranexamsäure oder Placebo randomisierten. Fast alle Frauen erhielten vorher ein Uterotonikum (Oxytocin oder Carbetocin).

Der primäre Endpunkt war eine postpartale Hämorrhagie, definiert als ein Blutverlust von mehr als 1.000 ml oder eine Bluttransfusion innerhalb der ersten 2 Tage nach der Entbindung. Eines dieser Ereignisse trat in der Tranexamsäuregruppe bei 556 von 2.086 Frauen (26,7 %) auf gegenüber 653 von 2.067 Frauen (31,6%) in der Placebogruppe. Sentilhes ermittelt eine adjustierte Rate Ratio von 0,84, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,75 bis 0,94 signifikant war.

Die prophylaktische Gabe von Tranexamsäure war demnach in der Lage, die Häufigkeit einer postpar­talen Hämorrhagie zu senken. Ob die Behandlung künftig von den Leitlinien empfohlen wird, erscheint jedoch zweifelhaft, da in den klinisch relevanten sekundären Endpunkten kein sicherer Vorteil erkennbar war.

Weder im gravimetrisch geschätzten Blutverlust (ermittelt durch das Wiegen von Vorlagen und Binden) noch in der Bewertung der klinischen Bedeutung der postpartalen Blutung oder der Verwen­dung zusätz­licher uterotonischer Mittel oder der postpartalen Bluttransfusionen gab es signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Hinzu kommt, dass Tranexamsäure nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen ist. Dazu gehört eine höhere Rate von Übelkeit und Erbrechen (43,0 % versus 26,3 %). In den ersten 3 Monaten nach der Behandlung kam es bei 8 Frauen (0,4 %) der Tranexamsäuregruppe zu thromboembolischen Ereig­nissen gegenüber 2 Fällen (0,1 %) in der Placebogruppe. Die Risk Ratio (4,01; 0,85 bis 18,92) war zwar nicht signifikant. Thromboembolische Ereignisse sind jedoch ein bekanntes Risiko von Tranexam­säure.

Vor 3 Jahren hatte das Team um Sentilhes die Ergebnisse der 1. TRAAP-Studie im New England Journal of Medicine (2018; DOI: 10.1056/NEJMoa1800942) vorgestellt.

Damals war in etwa die gleiche Anzahl von Frauen nach einer vaginalen Entbindung auf eine prophylak­tische Behandlung mit Tranexamsäure oder Placebo randomisiert worden. Tranexamsäure hatte damals die Rate der Blutverluste von mehr als 500 ml (Definition der postpartalen Hämorrhagie nach vaginaler Entbindung) nicht signifikant senken können. Die prophylaktische Gabe hat sich nach vaginaler Entbin­dung nicht durchgesetzt. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER