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Studie: Sitzplätze im Großraumbüro könnten Einfluss auf Zufriedenheit haben

Freitag, 30. April 2021

/Robert Kneschke, stock.adobe.com

London – Großraumbüros gelten seit einiger Zeit als Übel der modernen Arbeitswelt. Sie würden Be­schäftigte nicht nur unkonzentriert und unzufrieden machen, sondern sogar gesundheitsschädlich sein, ergaben Studien.

Wie britische Wissenschaftler nun in Plos One berichten, ist für zufriedenes, produkti­ves und teamorien­tiertes Arbeiten in Großraumbüros unter anderem wichtig, was sich im eigenen Sicht­feld befindet (DOI: 10.1371/journal.pone.0250058). Allerdings sei nicht jede Ecke im Großraumbüro gleich, betonen nun Forscher des britischen University College London.

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Bislang fehlten Erkenntnisse darüber, welche Bedeutung das Layout sol­cher Großraumbüros habe und welche Unterschiede es mit Blick auf die verschiedenen Schreibtischplät­ze gebe. Das Team um die Architektin Kerstin Sailer analysierte 2018 vier Etagen der Londoner Zentrale eines internationalen Tech­nologieunternehmens.

Zum einen wurden dessen Mitarbeiter zur Zufriedenheit mit ihren Arbeitsplätzen und Besprechungsräu­men befragt, zum anderen wurden spezifische Informationen über die Sitzpositionen aller Teilnehmer er­hoben.

Die Auswertung der Daten ergab, dass Mitarbeiter mit einer höheren Anzahl von Schreibtischen in ihrem Blickfeld ihre Arbeitsplatzumgebung weniger positiv bewerteten. Ein Grund dafür, so die Autoren der Stu­die, könne sein, dass die verstellte Sicht ablenkend wirke und es schwieriger sei, mit Kollegen zu sprechen, ohne andere zu stören.

Ebenso empfanden es die Mitarbeiter als negativ, wenn ihre Schreibtische vom Hauptraum abgewandt standen und sich in ihrem Rücken viele Kollegen befanden. Hier vermuten die Wissenschaftler, dass eine solche Sitzposition zu einem Gefühl mangelnder Kontrolle über die Umgebung führen könnte. Befragte aus diesen beiden Gruppen neigten insgesamt auch dazu, Aspekte der Teamarbeit wie den Austausch von Informationen mit anderen, die Teamidentität und den Zusammenhalt negativ zu bewerten.

Im Gegensatz dazu schätzten sich jene Mitarbeiter, die dem Raum zugewandt saßen und relativ wenige Schreibtische in ihrer Sichtlinie hatten, als konzentrierter und produktiver ein und ihre Teams als besser verbunden. Ebenso positiv wirkte sich ein Fensterplatz aus: Die entsprechenden Mitarbeiter fühlten sich produktiver und konzentrierter als diejenigen, die an Wänden saßen.

Allerdings hatte die Studie nur eine Rücklaufquote von 16 Prozent. Zudem, so schränken die Autoren selbst ein, leiteten sich die Erkenntnisse lediglich aus einem einzigen Unternehmen ab. Entsprechend seien weitere Untersuchungen nötig, um zu überprüfen, ob sich die Ergebnisse verallgemeinern ließen.

Insgesamt berichteten Mitarbeiter in kleineren Großraumbüros über eine höhere Zufriedenheit mit dem Zusammenhalt im Team, dem Austausch von Informationen mit Kollegen, der Konzentration und dem produktiven Arbeiten. Gerade in der Technologiebranche sei der Trend indes ein ganz anderer: „In den letzten Jahren haben viele große Technologieunternehmen „Kathedralen“ der Interaktion geplant oder gebaut, hauptsächlich im Silicon Valley“, schreiben die Autoren.

Solche Entwürfe würden sich mit großen, offenen Grundflächen rühmen, um Begegnungen und Zusam­men­arbeit zu unterstützen, die für Wissensarbeit unerlässlich seien: „Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass ein nuancierterer Ansatz in Bezug auf Offenheit vorzuziehen sein könnte.“ Konkret em­pfehlen die Wissenschaftler die Gestaltung kleinerer und intimerer Bereiche.

Insgesamt zeichnet die Studie so ein differenzierteres Bild vom Großraumbüro, das in den vergangenen Jahren durch andere Untersuchungen eher in Verruf geraten ist: So kamen etwa Forscher der Harvard Universität 2018 zu dem Schluss, dass das Großraumbüro für die direkte Kommunikation eher schädlich denn nützlich ist.

Eine australische Überblicksstudie stellte schon 2008 fest, dass die Mehrheit der Beschäftigten in Groß­raumbüros über Reizüberflutung, niedrigere Produktivität, geringere Zufriedenheit und einen Verlust an Privatsphäre klagen.

Und auch eine Befragung der Hochschule Luzern von 2010 mit rund 1.200 Büroangestellten ergab mehr Unzufriedenheit und Ablenkung, ebenso stieg die Krankheitsrate mit der Zahl der Mitarbeiter, die in einem Büro arbeiten.

Bereits damals waren die Autoren zu dem Schluss gekommen: „Im Sinne der Nachhaltigkeit wäre es des­halb wünschenswert, wenn Unternehmen in Zukunft nicht nur die Flächenkosten in Franken pro Arbeits­platz in ihre Wirtschaftlichkeitsberechnungen einbeziehen, sondern auch die indirekten Kosten, die durch negative Umgebungsbedingungen entstehen und zu Einschränkungen der Produktivität und zu Absenzen (Abwesenheiten) führen.“ © dpa/aerzteblatt.de

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