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KBV-Vertreterver­sammlung: Sorgen um Motivation der Praxisteams

Montag, 3. Mai 2021

von links: KBV-Vize Stephan Hofmeister, KBV-Chef Andreas Gassen, Petra Reis-Berkowicz, Vorsitzende der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung und Roland Ilzhöfer, Abteilungsleiter für die Abteilung Gremien, Informationsmanagement und Organisation der KBV. /Jürgen Gebhardt

Berlin – Impfgeschwindigkeit und die Belastungen für die Praxisteams in der Pandemie dominierten die Debatte der Mitglieder der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Im Vorfeld des 124. Deutschen Ärztetages betonten die VV-Mitglieder heute, dass die Leistungen der Praxis­teams in der Pandemie nicht von der Gesundheitspolitik vergessen werden dürften.

Die Medizinischen Fachangestellten (MFA) würden seit Beginn der Pandemie sehr viel leisten – an­gefan­gen von den Testungen im vergangenen Jahr bis hin zur derzeit stattfindenden Impforganisation. Ein Zei­chen der Wertschätzung sei dringend notwendig, da sonst auch bei den MFA immer mehr den Beruf auf­gäben.

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„Es ist heute schon schwierig, gutes Personal zu finden“, betonte Andreas Bartels, stellvertretender Vorsit­zen­der der KV Rheinland-Pfalz. „Die Praxisteams leisten unglaubliches und müssen weiter bei der Stange gehalten werden“, betonte auch Rolf Englisch von der KV Westfalen-Lippe.

Andreas Bobrowski von der KV Schleswig-Holstein und Vorsitzender des Berufsverbandes der Laborärzte erinnerte daran, dass dies auch für alle Mitarbeiter in den Laboren gelte. Dort werde auch seit 14 Monaten durchgehend gearbeitet. Ein Antrag, in dem ein „staatlich finanzierter Bonus für die Mitarbeiter und Mitar­beiterinnen ähnlich dem der in den Krankenhäusern“ gefordert wird, wurde einstimmig verabschiedet.

Zuschläge für Samstagsarbeit

Im gleichen Antrag wird ebenso gefordert, dass der KBV-Vorstand für die Impfungen in den Praxen am Sams­tag entsprechende Zuschläge mit den Krankenkassen und dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ver­einbaren sollen.

„Das Impfen ist Wochenendarbeit und viele Überstunden“, betonte Werner Baumgärtner von der KV Baden-Württemberg. Er ärgere sich, dass die Politik glaube, die Coronaimpfungen „laufen nebenbei“, ähnlich wie eine Grippeimpfung. Es sei viel Bürokratie in den Praxen und gebe außerdem Diskussionen über den Impfstoff von Astrazeneca, die die MFA, aber auch die Ärzte führen müssten.

„Das ist eine irre Idee der Politik, dass uns dieser Impfstoff in die Praxen geladen wird. Wir als Praxen ha­ben zuerst getestet, versorgt und nun impfen wir. Und all das müssen wir in den Teams in den Praxen nun ausbaden“, so Baumgärtner.

Joachim Meisner, stellvertretender Vorsitzender der KV Saarland, ärgerte sich, dass der Impfstoff von Astra­zeneca in seinem Bundesland gar nicht mehr in Impfzentren, sondern nur noch in den Praxen verimpft wer­den soll. „Da fühlt sich die Ärzteschaft veräppelt.“ Auch unter den VV-Mitglieder besteht insgesamt die Sorge, dass nicht genügend Impfstoff für die Zweitimpfungen vorhanden sein wird oder gleichzeitig die Erstimpfungen deutlich zurück gehen werden.

Mehrarbeit beim Impfausweis befürchtet

Kritisch betrachteten es die VV-Mitglieder, dass nun die digitalen Impfausweise für die Coronaschutzim­pfung in den Praxen ausgestellt werden sollen. Da dieses digitale Dokument wohl erst Mitte Juni verfügbar sein wird, erwarten alle Beteiligten mehrere Millionen Geimpfte, die dann in den Hausarztpraxen für das Dokument vorstellig werden.

Es dürfe nicht passieren, dass noch mehr Bürokratie, Kosten oder Arbeitszeit für Mitarbeiterinnen anfalle, so die einhellige Meinung. Auch ärgerten sich einige Delegierte über die kurzen Fristen, die das beauftrag­te Unternehmen IBM setze.

Viele Delegierten lobten die gute Zusammenarbeit mit der KBV-Spitze zum neuen Konzeptpapier „KBV 2025“. Das mit Blick auf die Bundestagswahl erarbeitete Papier trage die klaren Positionen für den freien Arztberuf in sich. Außerdem sei es wichtig, bei den Themen Digitalisierung in der Medizin, der künftigen Praxisstrukturen sowie der Nachwuchsförderung und Weiterbildung deutliche Positionen zu beziehen.

Einige Delegierten kritisierten, dass in den bislang vorliegenden Wahlprogrammen einiger Parteien der nie­dergelassene Arzt als Freiberufler gar nicht mehr vorkomme. Walter Plassmann, Vorsitzender der KV Hamburg, befürchtet, dass sobald die Pandemie vorbei ist, „die Politik uns vergessen wird.“

Als Beispiel führte er einen Besuch des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) im Hamburger Impf­zentrum an, über das die KV nicht informiert wurde, obwohl das Zentrum von der Körperschaft organisiert werde. Auch Tillmann Kaether von der KV Niedersachsen betonte, wie wichtig das Team in der Praxis sei und kritisierte ebenso, dass Niedergelassene sich nicht mehr in Wahlprogrammen wieder finden werden.

In einem weiteren Antrag fordern die VV-Mitglieder den KBV-Vorstand auf, sich bei den im Herbst anste­hen­den Koalitionsverhandlungen „für eine sachgerechte Gestaltung von Maßnahmen zur Qualitätssiche­rung“ einzusetzen.

Dabei solle sich Qualität „vor allem durch intrinsische Motivation entstehen und darf nicht alleine auf Kontrolle und Sanktionen aufbauen.“ Es dürfe nicht zu „unnötiger Datensammlung“ führen und sollte „grundsätzlich befristet“ sein. Außerdem sollten „nur wissenschaftlich überprüfte QS-Verfahren zum Einsatz kommen und müssen regelmäßig evaluiert und angepasst werden.“ © bee/aerzteblatt.de

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