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Politik

SARS-CoV-2: Privatärzte sollen in Impfkampagne einbezogen werden

Dienstag, 4. Mai 2021

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) /Gebhardt

Berlin – Die Privatärzte sollen jetzt in die Impfkampagne gegen SARS-CoV-2 eingebunden werden. Das kündigte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) heute in seiner Rede auf dem virtu­ellen 124. Deutschen Ärztetag an.

„Auch die Privatärzte werden wir jetzt einbinden können“, sagte der Minister. Es sei eine Lösung für die Fra­ge gefunden worden, wie man sicherstellen könne, dass es sich tatsächlich auch um privatärztliche Praxen handele, die Impfungen zurückmelden könnten.

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Wann genau und wie exakt die Pri­vat­ärzte eingebunden werden sollen, ließ der Minister offen. Diese Frage konnte auch das Bun­desministerium für Gesundheit (BMG) zunächst nicht beantworten. Vom Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS Verband) hieß es dazu, privatärztlich tätige Ärzte könnten sich spätestens Anfang Juni am COVID-19-Impfprogramm beteiligen.

Bisher sei Privatärzten nach der bislang gültigen Impfverordnung des Bundes unter Hinweis auf die not­wendige, aber fehlende Infrastruktur zur Dokumentation des Impffortschrittes im Monitoring des Robert-Koch-Instituts eine Beteiligung verwehrt worden. In Abstimmung mit dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hätten der Privatärztliche Bundesverband (PBV) und der PVS Verband nun aber eine technische Lösung gefunden.

Sobald diese technische Lösung vom Verordnungsgeber in die Impfverordnung aufgenommen worden sei, könne offiziell das Impfen auch für die Privatärzte beginnen, heißt es. Das Bundesministerium für Gesundheit habe zugesagt, dass das spätestens Anfang Juni der Fall sein soll.

Bis dahin würden alle interessierten Ärzten gebeten, sich über das Portal www.privat-impft-mit.de für das Verfahren voranzumelden. Diese Voranmeldung diene der Abschätzung des Impfstoffbedarfs. Wichtig sei, dass alle, die in ihrer Privatpraxis mitimpfen wollten, bereits heute bei ihrer Lan­des­ärz­te­kam­mer eine Be­scheinigung einholen, die bestätige, dass man als niedergelassener Privatarzt ohne kassenärztliche Zu­lassung tätig sei. „Es darf auch keine Teilzulassung vorliegen. Diese Bescheinigung dient der Authentifizie­rung im Registrierungsportal“, heißt es.

Spahn verteidigt Impfkampagne

Spahn betonte in seiner Rede erneut, dass im Juni auch die Betriebsärzte impfen können sollen. Er sieht Deutsch­land beim Impfen auf einem guten Weg. Mit dem Impfstart in den Arztpraxen sei der „Impfturbo“ gezündet worden. Damit seien sozusagen 60.000 kleine Impfzentren hinzugekommen, so der Minister. Auf die großen Impfzent­ren will er aber weiter nicht verzichten. Diese leisteten eine gute und effektive Arbeit.

Spahn verteidigte erneut, dass die niedergelassenen Ärte nicht früher in die Impfkampagne einbezogen worden sind. „Die Wahrheit ist: Viel früher hätte es keinen Sinn gemacht“, so Spahn. Es habe schlicht zu wenig Impfstoff gegeben. Er wies darauf hin, dass Deutschland mit mehr als einer Million Impfungen an einem Tag zuletzt einen Rekord in Europa aufgestellt habe. Das habe es vorher in noch keinem Land in Europa gegeben.

Die Impfmenge ziehe – wie angekündigt nach Knappheit im ersten Quartal – im zweiten Quartal an. Das mache es möglich, im Laufe des Juni die Impfpriorisierung aufzuheben und es jedem möglich zu machen, geimpft zu werden, versicherte der Minister erneut. Das heiße nicht, dass jeder in der ersten Junihälfte gleich geimpft werden könne, so Spahn.

Dankeschön an Beschäftigte im Gesundheitswesen

Besonders würdigte er heute die flächendeckende Gesundheitsversorgung in Deutschland. Neun von zehn COVID-19-Patienten seien von niedergelassenen Ärzten versorgt worden. „Dass wir nicht wie die USA in Einkaufszentren und Tankstellen impfen, liegt auch daran, dass wir ein großes Netz an medizinischen Ein­richtungen haben“, sagte der Minister. Er erklärte zugleich, dass er sich niedrigschwellige Angebote beim Impfen wie etwa in speziellen Stadttei­len, Kirchen oder auch Moscheen vorstellen könne.

Spahn richtete heute ein „Dankeschön an alle Beschäftigten im Gesundheitswesen“. Ärzte, Pflege­kräfte oder Reinigungskräfte könnten kein Homeoffice machen. Sie seien „an der Front tätig“. „Wenn wir über das Ge­sundheitswesen reden, klingt das neutral“, so der Minister weiter. Aber es seien „vor allem die fünf Milli­onen Menschen, die das Gesundheitswesen tragen und prägen und Verantwortung übernehmen.“

Pandemie deckt Stärken und Schwächen auf

Die Coronapandemie hat nach Ansicht von Spahn Stärken, aber auch Defizite des Gesundheitssystems auf­gedeckt. Sie habe zum Beispiel gezeigt, welche Strukturen man besser machen müsse. So hätten Kran­ken­häuser und niedergelassene Ärzte, aber auch die Krankenhäuser untereinander – vom Maximalversorger bis zum Grundversorger – in einer Region zusammengearbeitet, wie wahrscheinlich noch nie zuvor. Das müsse man sich erhalten.

„Den Ansatz, wir sind relativ gut mit unserer Krankenhausstruktur durch die Pandemie gekommen, daher müssen wir nichts ändern, teile ich ausdrücklich nicht“, sagte Spahn. Es brauche eine bessere Vernetzung. Auch müsse nicht jeder alles machen. Dass es Sinn mache, Aufgabe aufzuteilen und zuzuweisen, habe man in der Pandemie erlebt.

Die Pandemie habe auch wie „im Brennglas“ gezeigt, dass der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) zu lange ein Nischendasein geführt habe, sagte er. Dies gelte nicht nur für die Personalausstattung. Auch die Digitalisierung der Gesundheitsämter müsse weiter ausgebaut werden. In den ÖGD investiere die Große Koalition mit dem Pakt für den ÖGD vier Milliarden Euro für mehr Perso­nal und eine Digitalisie­rungsoffen­sive, erläuterte der Minister, der auch Erfolge sieht.

Bei der digitalen Kontaktnachverfolgung habe es etwa vor der Pandemie lediglich digitale Insellösun­gen bei einigen Gesundheitsämtern gegeben. Aber nun würden bald zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik alle Gesundheitsämter miteinander vernetzt sein. Das sei „historisch“, so Spahn.

Zu Beginn der Pandemie habe es auch etwa bei den Laboren lediglich Faxgerät für die Übermitt­lung von Daten gegeben. Nun seien elektronische Mel­desysteme für SARS-CoV-2 flächendecken etabliert. Nach und nach würde die Digitalisierung auf alle mel­de­pflichtigen Krankheiten ausgeweitet, sagte er.

Spahn begrüßte die Fortschritte in der Telemedizin, etwa durch Videosprechstunden. „Die Pandemie hat das getriggert – um einige tausend Prozent.“ Bei Patienten und Ärzte sei die Bereitschaft gestiegen, Proble­me und Behandlungen online abzuklären. Spahn machte aber auch keinen Hehl daraus, dass die Digita­li­sierung des Gesundheitswesens weiter ein Thema für die Zukunft bleiben wird.

Auf der Agenda steht für den Minister auch die Unabhängigkeit Deutschlands etwa von China. Corona habe gezeigt, dass Deutschland bei der Produktion bestimmter Wirkstoffe oder Impfstoffe wieder unabhängiger werden müsse „von China und anderen Teilen der Welt“. „Es geht um das richtige Maß an Globalisierung in bestimmten sensiblen Bereichen“, betonte Spahn.

Der zweitägige Ärztetag, der ansonsten hunderte Mediziner versammelt, findet wegen der Coronakrise ausschließlich im Onlineformat statt. Im Mittelpunkt des 124. Deutschen Ärztetags stehen vor allem die Lehren und Erfahrungen aus der Coronapandemie. Morgen werden die Themen Weiterbildung und Sterbehilfe behandelt. © may/kna/dpa/aerzteblatt.de

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