NewsMedizinWurmbefall im Darm könnte Immunabwehr des Körpers einschränken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wurmbefall im Darm könnte Immunabwehr des Körpers einschränken

Donnerstag, 8. Juli 2021

/Christoph Burgstedt, stock.adobe.com

Bonn/Kapstadt – Eine Infektion mit Helminthen könnte dafür sorgen, dass virale Infektionen anderswo im Körper erheblich schwerwiegender verlaufen. Das berichten Wissenschaftler der Universitäten Kapstadt und Bonn im Magazin Cell Host & Microbe (2021; DOI: 10.1016/j.chom.2021.02.004).

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler haben untersucht, wie sich im Mausmodell ein Befall mit parasitischen Eingeweidewürmern, sogenannten Helminthen, auf den Verlauf einer Infektion des weiblichen Genitaltrakts mit Herpes simplex-Viren auswirkt.

„Die Ergebnisse haben uns in ihrer Deutlichkeit selbst überrascht“, erklärt William Horsnell vom Institut für Infektionserkrankungen und molekulare Medizin der Universität Kapstadt: „Genitalherpeserkran­kungen gehen oft mit Nekrosen einher. Diese gravierende Symptomatik kam in unserer Studie nach einem Helminthenbefall doppelt so häufig vor wie normal.“

Dies sei erstaunlich, weil die Würmer selbst nie die Vagina befallen. Es handelt sich um Parasiten, die mit der Nahrung oder durch die Haut aufgenommen werden und schließlich in den Darm wandern. „Es handelt sich also um eine Fernwirkung der Helmintheninfektion“, erläutert Laura Layland vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn (UKBonn).

Die Forschenden konnten weiterhin zeigen, dass für die Nekrotisierung sogenannte eosinophile Granulozyten verantwortlich sind. Dabei handelt es sich bekanntlich um weiße Blutkörperchen, die auf die Bekämpfung von Würmern und anderen Parasiten spezialisiert sind.

„In unserem Fall sorgt der Wurmbefall im Darm dafür, dass sich bei einer gleichzeitigen Genitalherpes-Infektion eosinophile Granulozyten im weiblichen Genitaltrakt ansammeln“, erläutert Horsnell. „Sie schütten dann dort ihre zellschädigenden Enzyme aus, obwohl gar keine Helminthen vorhanden sind. Diese fehlgeleitete Immunreaktion ist es, die zu den schwerwiegenden Schäden in der Schleimhaut der Vagina führt, die wir beobachtet haben.“

Eine wichtige Rolle scheint bei diesem Prozess der Botenstoff Interleukin-33 zu spielen. Es sorgt indirekt für die beschleunigte Heranreifung der Granulozyten in der Vagina. Die Forscher hemmten IL-33 daher mit einem speziellen Wirkstoff. Die Mäuse entwickelten daraufhin laut den Forschern deutlich geringere Gewebsschäden im Genitaltrakt. Die Forscher sehen hier einen Ansatzpunkt für mögliche therapeutische Optionen auch bei Menschen. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER