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Medizin

Studien: Stress und psychische Probleme haben in der Pandemie zugenommen

Dienstag, 4. Mai 2021

/kei907, stock.adobe.com

Mainz und Zürich – Die Coronapandemie hat weltweit zu psychischen Belastungen in der Bevölkerung geführt. Zu den Folgen zählten einer Metaanalyse in Globalization and Health (2021; DOI: 10.1186/s12992-021-00670-y) zufolge vor allem Angststörungen und Depressionen, wobei Ärzte erstaunlicherweise weniger betroffen zu sein scheinen.

Kinder und Jugendliche haben dagegen besonders stark unter den Folgen des Lockdowns gelitten, wie eine Studie aus der Schweiz im International Journal of Environmental Research and Public Health (2021; DOI: 10.3390/ijerph18094668) zeigt.

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Seit Beginn der Coronapandemie sind mehr als 150 Millionen Menschen an COVID-19 erkrankt und mehr als 3 Millionen daran gestorben. Doch auch die Menschen, die körperlich gesund geblieben sind, haben psychisch unter den Folgen der Pandemie gelitten. Dies konnte in einer Reihe von Studien gezeigt werden

Ein Team um Prof. Klaus Lieb von Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz hat 104 Studien mit 208.261 Patienten ausgewertet. Insgesamt 43 Studien mit 71.613 Teilnehmern flossen in eine Meta­analyse ein.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Pandemie in der Allgemeinbevölkerung vor allem Ängste und Depres­sionen ausgelöst hat. Ein Anstieg von Schlafstörungen war nicht sicher nachweisbar, und Stress­reaktionen scheinen nicht angestiegen zu sein (Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass ein Lockdown durchaus entspannende Wirkungen auf das Alltagsleben haben kann).

Bei den Patienten kam es erstaunlicherweise nicht zu einem Anstieg der mentalen Störungen und auch das Personal im Gesundheitswesen scheint – jedenfalls nach den Ergebnissen der Metaanalyse – die vermehrte Arbeitsbelastung und ihr Ansteckungsrisiko relativ gut verkraftet zu haben, vielleicht weil sie es gelernt haben, im Beruf mit Stress umzugehen. Die Autoren vermuten eine „Stress Inokulation“.

In allen 3 Gruppen gab es Faktoren, die die Bewältigung der Pandemie erleichtert haben. In der Allge­mein­bevölkerung könnte ein erhöhtes Alter, eine höheres Einkommen und ein besseres Bildungsniveau geholfen haben, psychische Störungen zu vermeiden. Bildung erleichtert es offenbar, sich in einer Krise verlässlich zu informieren und Unsicherheiten zu vermeiden. Auch eine stabile Beziehung sowie andere soziale Unterstützungen haben sich in der Krise als wertvoll für die Psyche erwiesen.

Männer können den Ergebnissen der Metaanalyse zufolge die Krise leichter bewältigen (obwohl sie häufiger an COVID-19 erkranken) als Frauen. Menschen mit psychischen Vorerkrankungen, aber auch ängstliche Menschen, die sich Sorgen um ihre Gesundheit machen, hatten in der Pandemie ein erhöhtes Risiko auf mentale Störungen. Bei den Patienten waren eine höhere Bildung und eine gute wirtschaft­liche Lage ebenfalls protektive Faktoren. Zu Ängsten kommt es, wenn Symptome auftreten oder sogar eine COVID-19-Erkrankung vermutet wird.

Auch beim Gesundheitspersonal scheint ein höheres Alter zur Gelassenheit beizutragen. Mentale Vorer­krankungen, die Sorge über eine Infektion und die Exposition mit COVID-19-Patienten können jedoch auch hier Ängste schüren.

Die meisten Studien wurden während der 1. Welle der Pandemie durchgeführt. Wie sich die psychische Befindlichkeit bis zur 3. Welle weiterentwickelt hat und ob die Belastung inzwischen mit einer erhöhten Rate an psychischen Erkrankungen einhergeht, lässt sich laut Prof. Lieb derzeit noch nicht sagen. Erste Daten würden jedoch darauf hinweisen, dass die Störungen eher zugenommen haben.

Besonders schwer haben es nach einer Untersuchung der Universität Zürich Kinder und Jugendliche, die vor allem durch den Lockdown in ihrem Bewegungsdrang und in ihren sozialen Kontakten eingeschränkt waren, obwohl sie am wenigsten von der Pandemie zu befürchten hatten.

Ein Team um Meichun Mohler-Kuo von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich hat hierzu die Daten der „Swiss Youth Epidemiological Study on Mental Health“ ausgewertet, die seit längerem die psychische Gesundheit von Kindern und Adoleszenten in der Schweiz untersucht.

Ihre jetzige Analyse zeigt, dass während des 1. Lockdowns von Mitte März bis Ende April 2020 die Häufig­keit von psychischen Symptomen anstieg, wobei weibliche Teenager stärker betroffen waren als männliche: Mehr als die Hälfte (54 %) der weiblichen und 38 % der männlichen jungen Erwachsenen berichteten über leichte bis schwere depressive Symptome. Fast die Hälfte der jungen Frauen (47 %) und ein Drittel (33 %) der jungen Männer erlebten leichte bis schwere Angstzustände.

Bei vielen waren Anzeichen von behandlungsbedürftigen Erkrankungen nachweisbar: Mehr als 20 % der Mädchen und Jungen hatten Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, 18 % der Mädchen und 11 % der Jungen zeigten Trotzreaktionen und Wutausbrüche und damit Merkmale einer sogenannten oppositionellen Verhaltensstörung. Angstsymptome wiesen 14 % der Mädchen und 13 % der Jungen auf, Anzeichen von Depressionen hatten 10 respektive 5 %.

Der Lockdown hat die Onlinezeiten gesteigert. Im Mittel verbrachten die Studienteilnehmer 4 Stunden pro Tag im Internet. Insgesamt erfüllten 30 % der Kinder und 21 % der jungen Erwachsenen die Kriterien für eine problematische Internetnutzung. Der riskante Alkoholkonsum ist dagegen während des Lock­downs zurückgegangen. Vor allem die weiblichen Teenager tranken deutlich weniger. © rme/aerzteblatt.de

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