NewsMedizinStudie: Geruchsverlust bei COVID-19-Patienten könnte auf persistierende Viren hindeuten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Geruchsverlust bei COVID-19-Patienten könnte auf persistierende Viren hindeuten

Donnerstag, 6. Mai 2021

/Axel Kock, stock.adobe.com

Paris – Die Geruchsstörungen, unter denen viele Patienten mit COVID-19 auch über das Ende der akuten Erkrankung hinaus leiden, sind möglicherweise auf eine persistierende Infektion des Riechepithels mit SARS-CoV-2 zurückzuführen.

Dies zeigen Untersuchungen an betroffenen Patienten sowie begleitende Experimenten an Hamstern in Science Translational Medicine (2021; DOI: 10.1126/scitranslmed.abf8396).

Anzeige

Gleich zu Beginn der Pandemie wurde bemerkt, dass viele Patienten unter Geruchs- und (damit auch) Geschmacksstörungen leiden. Anosmie und Ageusie gehören heute zu den Kardinalsymptomen der Erkrankung, von denen sich viele Patienten nur langsam erholen. Ein Grund könnten die ausgedehnten Schäden sein, die Guilherme Dias de Melo vom Institut Pasteur in Paris und Mitarbeiter im Riechepithel von 7 Patienten fand, die zu Beginn der Epidemie in Frankreich erkrankt waren.

Abstriche, die direkt von Riechepithel entnommen wurden, deuteten darauf hin, dass die Viren die verschie­denen Zelltypen, darunter auch die Nervenfasern, infiziert hatten, und dort auch repliziert wurden. Entzündungszellen im Abstrich zeigten, dass es während der akuten Phase der Erkrankung zu einer Entzündung gekommen war, die ebenfalls an der Entwicklung der Riechstörung beteiligt gewesen sein könnte.

Anschließende Experimente an Hamstern bestätigten den Verdacht. Die Viren infizierten neben den Sinneszellen auch die Stützzellen. Die Riechhärchen, mit denen Duftstoffe in der Luft wahrgenommen werden, gingen zugrunde. Die Tiere verloren wie COVID-19-Patienten ihren Geruchssinn.

Bei den Hamstern blieb die Infektion nicht auf die Oberfläche des Riechepithels beschränkt. Virusanti­gene ließen sich innerhalb der Axone des Riechnervens nachweisen sowie im Bulbus olfactorius, der sich oberhalb der Schädelbasis befindet und Teil des Gehirns ist. Die Studie bestätigt damit frühere Befunde, nach denen die Viren aus der Nase durch die Öffnungen im Siebbein direkt ins Gehirn gelangen und dort eine entzündliche Reaktion auslösen können. Die klinische Bedeutung dieser Infektionswegs ist aller­dings noch unklar.

Neu ist die Beobachtung, dass die aktive Infektion des Riechepithels über die akute Phase der Erkran­kung hinaus anhalten kann. Die französischen Forscher haben dies zunächst bei ihren Versuchstieren bemerkt. Daraufhin haben sie 4 Patienten näher angesehen, bei denen die Riechstörungen bereits über 110 bis 196 Tage anhielten.

Alle Patienten waren in den Routineabstrichen aus dem Nasenrachenraum negativ getestet worden. Bei einem gezielten Abstrich des Riechepithels waren jedoch in der PCR-Reaktion Virusgene nachweisbar. Einen sicheren Nachweis für eine Virusreplikation fand Dias de Melo zwar nicht. Es waren jedoch weiterhin Immunzellen nachweisbar, die auf eine andauernde Entzündungsreaktion hinweisen.

Der Forscher hält es für möglich, dass es im Riechepithel zu einer persistierenden Infektion kommt. Sie wurde auch bei einem Patienten mit persistierenden Symptomen, aber ohne Riechstörungen gefunden. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER