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Medizin

Anästhesie: Kein Anstieg der Wundinfektionen nach PONV-Prophylaxe mit Dexamethason

Freitag, 7. Mai 2021

/torwaiphoto, stock.adobe.com

Perth/Australien – Eine Einzeldosis Dexamethason während der Narkose hat in einer randomisierten Studie viele Patienten vor postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV) bewahrt. Der befürchtete Anstieg von postoperativen Wundinfektionen blieb nach den jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2028982) vorgestellten Ergebnissen aus, so dass die Studie die derzeitigen Empfehlungen stützt.

Postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV) sind häufige Nebenwirkungen einer Allgemeinanästhesie. Bei einer Prävalenz von etwa 30 % und 8 Millionen Vollnarkosen im Jahr sind in Deutschland etwa 2,4 Millionen Patienten betroffen. Die PONV ist zwar in der Regel harmlos, sie beeinträchtigt aber das Wohl­befinden des Patienten. Hinzu kommt, dass Patienten mit PONV einen erhöhten Betreuungsbedarf haben und häufiger länger im Aufwachraum bleiben.

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Eine einfache aber probate Maßnahme ist die intravenöse Gabe einer Dexamethasondosis während der Narkose. Die weit verbreitete Praxis ist in den letzten Jahren jedoch in die Kritik geraten, weil das Ste­roid eine immunsupprimierende Wirkung hat und deshalb die Abwehrkräfte gegen Infektionen schwä­chen könnte. Dies gilt insbesondere für die steigende Zahl von Diabetikern, die durch ihre Stoffwechsel­störung ein erhöhtes Komplikationsrisiko haben.

Das ANZCA Clinical Trials Network, zu dem sich Anästhesisten aus Australien und Neuseeland zusam­men­geschlossen haben, hat die Auswirkungen einer intraoperativen Dexamethasongabe auf die Wund­heilung nach nicht-kardialen Operationen von einer Dauer von mindestens 2 Stunden untersucht, die unter einer Allgemeinanästhesie durchgeführt wurden.

Am „Perioperative Administration of Dexamethasone and Infection Trial“ (PADDI) nahmen an 55 Kliniken in Australien, Neuseeland, Hongkong und Südafrika 8.735 Patienten teil. Sie erhielten während der Nar­kose eine intravenöse Injektion mit 8 mg Dexamethason oder Placebo. Die „pragmatische“ Studie hatte wenige Beschränkungen. Patienten mit Diabetes oder anderen Grunderkrankungen durften teilnehmen.

Primärer Endpunkt war das Auftreten einer chirurgischen Wundinfektion in den ersten 30 Tagen nach dem Eingriff. Als Non-Inferioritäts-Marge wurde ein Unterschied von 2,0 %-Punkten festgelegt, den die Grenzwerte eines 95,6-%-Konfidenzintervalls nicht überschreiten durfte.

Wie Tomás Corcoran vom Royal Perth Hospital jetzt berichtet, hat die PONV-Prophylaxe mit Dexametha­son diese Bedingung erfüllt. Von den 8.678 in die Primäranalyse einbezogenen Patienten erlitten in der Dexamethasongruppe 354 von 4.350 Patienten (8,1 %) eine chirurgische Infektion gegenüber 394 von 4.328 Patienten in der Placebogruppe (9,1 %). Die adjustierte Risikodifferenz von -0,9 %-Punkten blieb bei einem 95,6-%-Konfidenzintervall von -2,1 bis 0,3 %-Punkten unter der Non-Inferioritäts-Marge.

Die Ergebnisse waren unterschiedliche Infektionen (oberflächliche, tiefe Infektionen und Infektionen im Operationbereich) in etwa gleich. Auch bei den Diabetespatienten war das Infektionsrisiko in der Dexa­methasongruppe eher niedriger als nach Gabe eines Placebos. Dabei war durchaus eine Auswirkung auf den Blutzucker nachweisbar. Unter den Nicht-Diabetikern kam es bei 22 von 3.787 (0,6 %) zu einem hyper­glykämischen Ereignis gegenüber 6 von 3.776 (0,2 %) in der Placebogruppe.

Einziger Ausreißer in den zahlreichen Subgruppen waren Patienten mit Untergewicht. Hier kam es nach Gabe von Dexamethason bei 12,5 % gegenüber 4,8 % zu Wundheilungsstörungen. Die Analyse beruht allerdings nur auf 11 Patienten und ist deshalb nicht aussagekräftig.

Die Häufigkeit von PONV konnte wie erwartet gesenkt werden. In der Dexamethasongruppe klagten 42,2 % der Patienten in den ersten 24 Stunden nach der Operation über Übelkeit oder Erbrechen. In der Placebogruppe waren es 53,9 %.

Corcoran ermittelte eine Risk Ratio von 0,78; die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,75 bis 0,82 signifikant war. Dass es weiterhin bei 4 von 10 Patienten zur PONV kam, zeigt, dass das Problem durch die einmalige Gabe von Dexamethason nicht vollständig verhindert werden kann. © rme/aerzteblatt.de

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