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Medizin

Kaum Entscheidungshilfen für Jüngere nach Aufhebung der Priorisierung bei Vektorimpfstoffen

Dienstag, 11. Mai 2021

/Marco, stock.adobe.com

Berlin – Nach der Aufhebung der Priorisierung für die COVID-19-Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson stehen Menschen unter 60 Jahren in Deutschland vor der schwierigen Entscheidung, sich jetzt mit einem der Vektorimpfstoffe impfen zu lassen oder weiterhin auf einen der mRNA-Impf­stoffe zu warten. An echten Entscheidungshilfen mangelt es derweil, wie heute bei einer Pressekonferenz des Science Media Center deutlich wurde.

Erste Untersuchungen zum seltenen Auftreten von Thrombosen mit Thrombozytopenie (TTS) nach Imp­fun­gen mit Vaxzevria, dem COVID-19-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca, hatten auf eine deutliche Häufung bei Frauen und im jüngeren Alter hingedeutet. Inzwischen wisse man, dass es ein überpropor­tional hoher Anteil an zumeist weiblichem Gesundheitspersonal gewesen sei, der zu dieser Annahme geführt habe, sagte Andreas Greinacher, Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald.

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Geschlecht und Alter nicht unbedingt als Kriterium geeignet

Mittlerweile geht man von einer Inzidenz von 2,2 pro 100.000 bei Frauen unter 60 Jahren und 2,0 pro 100.000 bei Männern unter 60 Jahren aus. Das Geschlecht eignet sich somit nicht wirklich als Anhalts­punkt, ob ein jüngerer Mensch sich für eine Impfung mit einem der beiden Vektorimpfstoffe entschieden sollte.

Selbst der Status des Alters als wichtigster Risikofaktor gerät zunehmend ins Bröckeln: In Großbritannien und Kanada, wo auch viele ältere Menschen mit Astrzeneca geimpft wurden, seien auch in den höheren Altersstufen TTS aufgetreten, so Greinacher. Und auch eine kürzlich veröffentlichte Studie deutscher Neurologen deutet darauf hin, dass ein höheres Alter nicht unbedingt vor den seltenen Nebenwirkungen schützt.

Gleiches gilt offenbar auch für traditionelle Risikofaktoren für Thrombosen, etwa die Einnahme der Ver­hü­tungspille oder das Rauchen, wie Christian Bogdan, Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) und Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen berichtete. „Einen singu­lären Parameter für die Abwägung gibt es nicht“, ergänzte er.

So bleiben den Impfwilligen letztlich vor allem das individuelle Erkrankungsrisiko bei einer SARS-CoV-2-Infektion und die persönliche Wahrnehmung des TTS-Risikos als Grundlage für ihre Entscheidung. Bei vielen werden allerdings auch, so befürchtet Bogdan, Sekundärmotive eine Rolle spielen.

Aufhebung der Priorisierung war „rein politische Entscheidung“

Noch sei in keiner der Altersgruppen eine ausreichende Durchimpfung erreicht, deshalb habe sich die STIKO auch gegen eine Aufhebung der Priorisierung ausgesprochen. „Das war eine rein politische Ent­schei­dung, keine wissenschaftliche“, betonte das STIKO-Mitglied.

Auch André Karch, stellvertretender Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin am Universitätsklinikum Münster, kritisierte die Aufhebung der Priorisierung von Risikogruppen für die bei­den Vektorimpfstoffe.

„Wir befinden uns jetzt auf einer Stufe, auf der wir Menschen erreichen müssen, zum Beispiel in ländli­chen Regionen, die nicht ohne Weiteres in ein Impfzentrum oder zu einem impfenden Arzt kommen können, hier müssen jetzt Manpower und Geld investiert werden.“

Dem Epidemiologen zufolge müsse weiterhin die Reduktion der Krankheitslast auf Bevölkerungsebene an oberster Stelle stehen. Jetzt die Zahl der Geimpften in den Gruppen mit niedrigerem Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf zu erhöhen, trage dazu nicht bei. © nec/aerzteblatt.de

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