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Medizin

COVID-19: NSAID erhöhen Sterberisiko nicht

Montag, 10. Mai 2021

/anitalvdb, stock.adobe.com

Edinburgh – Patienten, die wegen anderer Erkrankungen mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAID) behandelt werden, müssen im Fall von COVID-19 nicht mit einem schwereren Verlauf rechnen. In einer großen britischen Kohortenstudie, deren Ergebnisse jetzt in Lancet Rheumatology (2021; DOI: 10.1016/S2665-9913(21)00104-1) veröffentlicht wurde, war auch das Sterberisiko für die NSAID-Anwender nicht erhöht.

Viele Patienten mit chronischen entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis nehmen regelmäßig NSAID ein. Zu den zahlreichen Risiken dieser Medikamente gesellte sich kürzlich noch die Sorge, dass die Behandlung im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 einen schweren Verlauf von COVID-19 begünstigen könnte.

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Anlass waren Laborexperimente, in denen NSAID die Expression des ACE2-Rezeptors auf den Zellen erhöhen könnte. Da der ACE2-Rezeptor die Eintrittspforte von SARS-CoV-2 in die Zelle ist, könnte dies bei Personen, die bereits über längere Zeit NSAID einnehmen, zu einem schwereren Verlauf führen.

Ein Team um Ewen Harrison vom Usher Institute an der Universität Edinburgh hat hierzu die Daten des ISARIC (International Severe Acute Respiratory and Emerging Infection Consortium) ausgewertet, das seit dem letzten Jahr in der 4C-Kohorte („Coronavirus Clinical Characterisation Consortium“) auch die Folgen von SARS-CoV-2 untersucht.

Dazu haben die Forscher die Daten von 78.674 Patienten analysiert, die während der 1. Welle in Großbritannien wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden. Es handelt sich um etwa 60 % aller bekannt gewordenen Erkrankungen im Land.

Von den Patienten hatten 4.211 vor der Hospitalisierung über mindestens 14 Tage ein NSAID einge­nom­men. Harrison verglich 4.205 dieser Patienten mit der gleichen Zahl von anderen COVID-19-Patienten, die für die Propensity-Analyse ausgewählt wurden, weil sie die gleichen Patienteneigen­schaften (also Alter, Geschlecht, Risikofaktoren und Vorerkrankungen) hatten. Da niemals alle relevanten Eigenschaften bekannt sind, bleibt eine solche Studie anfällig für Verzerrungen. Solange es jedoch keine Ergebnisse aus randomisierten Studien gibt, ist es die beste verfügbare Evidenz.

Sie ergab, dass die Vorbehandlung mit NSAID keinen Einfluss auf den Verlauf von COVID-19 hatte. Harrison ermittelte eine Odds Ratio von 0,95 (95-%-Konfidenzintervall 0,84 bis 1,07) für einen Tod an COVID-19, von 1,01 (0,87 bis 1,17) für eine Intensivpflege, von 0,96 (0,80 bis 1,17) für die Notwendigkeit einer invasiven Beatmung, von 1,12 (0,96 bis 1,32) für eine nicht-invasive Beatmung, von 1,00 (0,89 bis 1,12) für die Notwendigkeit einer Sauerstoffgabe und von 1,08 (0,92 bis 1,26) für das Auftreten eines akuten Nierenversagens.

Die Ergebnisse liefern keine Bestätigung für die auch von den Arzneimittelagenturen (vor allem gegen Ibuprofen)geäußerten Bedenken. Aus Sicht des Editorialisten Christian Torp-Pedersen, der auf weitere Studien mit ähnlichem Ergebnis verweist, gibt es deshalb keinen Grund, die Mittel bei COVID-19-Patienten abzusetzen. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Montag, 10. Mai 2021, 17:41

Personen, die

Medikamente nehmen dürften bei Corona generell schlechter dran sein: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2014/daz-15-2014/die-mikronaehrstoff-raeuber
LNS
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