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Medizin

Pan-Coronaimpfstoff könnte auch Coronaviren aus der Tierwelt stoppen

Dienstag, 11. Mai 2021

/Design Cells, stock.adobe.com

Durham/North Carolina – US-Forscher haben einen Coronaimpfstoff entwickelt, der nicht nur vor SARS-CoV-2 und seinen Varianten schützen könnte, sondern auch vor anderen verwandten Viren, einschließ­lich potenziellen Pandemieviren aus dem Tierreich.

Erste Experimente an Makaken in Nature (2021; DOI: 10.1038/s41586-021-03594-0) liefern vielver­sprech­ende Ergebnisse.

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Nachdem zoonotische Beta-Coronaviren mit SARS, MERS und COVID-19 in weniger als 20 Jahren gleich zu 3 neuen Erkrankungen geführt haben, muss mit weiteren Pandemieviren gerechnet werden.

Verschiedene Forschergruppen arbeiten deshalb an Impfstoffen, die eine Kreuzimmunität gegen die gesamte Gruppe der Coronaviren erzielen. Ein Team um Pamela Björkman vom California Institute of Technology in Pasadena hatte kürzlich einen möglichen Pan-Coronaimpfstoff vorgestellt, der bei Mäusen eine Immunität gegen mehrere zoonotische Coronaviren erzeugte.

Jetzt stellt ein Team um Barton Haynes vom Duke Human Vaccine Institute in Durham/North Carolina einen weiteren Impfstoffkandidaten vor, der bereits an Makaken getestet wurde, die wie der Mensch zu den Primaten gehören. Der Impfstoff hat als Kern ein Ferritinmolekül, das auf seiner Oberfläche an 24 Stellen mit der Rezeptorbindungsstelle von Beta-Coronaviren gespickt ist. Der Impfstoff enthält zusätz­lich als Adjuvans einen Agonisten der Toll-like-Rezeptoren 7 und 8. Es soll nach der Injektion die Auf­merk­samkeit des angeborenen Immunsystems auf den Impfstoff lenken.

Das Konzept, Nanopartikel mit mehreren Antigenen zu versehen, was dem Impfstoff äußerlich die Gestalt eines Coronavirus verleiht, scheint aufzugehen. Auch der von Björkman hergestellte Impfstoff hat eine ähnliche Struktur und wurde ebenfalls mit einem Adjuvans versehen.

Haynes hat den neuen Impfstoff an 5 Javaneraffen testen lassen. Alle Tiere entwickelten bereits nach der 1. Impfung hohe Antikörpertiter, die nach 2 Auffrischungen weiter anstiegen. Die Seren der Tiere wurden dann im Labor auf ihre Fähigkeit hin untersucht, andere Coronaviren von der Infektion von Zellkulturen abzuhalten.

Wie Haynes berichtet, neutralisierten die Seren nicht nur das derzeitige Pandemievirus, sondern auch die Varianten B.1.1.7, B.1.351 und P.1, die zuerst in England, Südafrika und Brasilien aufgetreten sind. 2 Impfungen der Tiere mit einem mRNA-Impfstoff erzeugten dagegen nur eine gute neutralisierende Wir­kung gegen B.1.1.7, während B.1.351 und P.1 nur in geringem Maße an der Infektion der Zellen gehin­dert werden konnten.

Der neue Impfstoff war in den Laborexperimenten auch in der Lage, SARS-CoV-1, den Erreger von SARS, und die bei Fledermäusen gefundenen Coronaviren batCoV-WIV-1 und batCoV-SHC014 zu neutralisieren. Diese Viren wurden übrigens auch nach einer Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von den Seren der Tiere neutralisiert, wenn auch in geringerer Stärke.

Die Untersuchung der geimpften Tiere ergab, dass der Pan-Coronaimpfstoff die Tiere vor einer Infektion oder Erkrankung schützen kann (was aber auch bei 4 von 5 Tieren mit der mRNA-Impfung der Fall war). Der neue Pan-Coronaimpfstoff erzeugte darüber hinaus eine Immunität auf den Schleimhäuten, was mit dem mRNA-Impfstoff nur teilweise gelang.

Haynes ist überzeugt, dass der Pan-Coronaimpfstoff eine neue Pandemie verhindern, abschwächen oder stoppen könnte. Ob und wann der Impfstoff an Menschen getestet werden soll, wird nicht erwähnt. © rme/aerzteblatt.de

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