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Politik

Coronadaten weisen in die richtige Richtung, Warnung vor „Übermut“ bei Lockerungen

Mittwoch, 12. Mai 2021

/picture alliance, blickwinkel

Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat trotz der Entspannung der Coronalage zu weiterer Vorsicht gemahnt. Mit sinkenden Infektionszahlen und auf den Intensivstationen gehe „alles in die rich­tige Richtung“, sagte der CDU-Politiker heute in Berlin. Es gelte nun aber, sehr aufzupassen, dass Zuver­sicht nicht zu Übermut werde und es kein Zuviel an Kontakten und Lockerungen gebe.

Es werde sich erst in den nächsten Wochen entscheiden, ob die Lage auch im Sommer insgesamt besser sei. Auf allen politischen Ebenen sei daher die Bereitschaft nötig, im Fall steigender Infektionen schnell auch wieder Beschränkungen einzuführen und nicht lange zu warten.

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„Bei aller Zuversicht dürfen wir bitte eines nicht vergessen: Diese Pandemie ist ja nicht vorbei“, sagte auch RKI-Präsident Lothar Wieler. Es erkrankten nun vor allem die Jüngeren, darunter viele Schüler so­wie junge Erwachsene. Und es gebe noch immer rund 1.000 Todesfälle pro Woche. „Die Situation ist weiter ernst.“

Doch auch erfreuliche Fortschritte seien zu erkennen. „Die Inzidenzen sinken in allen Altersgruppen und in allen Bundesländern“, sagte Wieler. Sie nähern sich der Schwelle von 100. Ein Drittel der Bundesbür­ger habe inzwischen mindestens eine Impfdosis erhalten.

Einer von zehn sei bereits vollständig geimpft – darunter vor allem die Älteren. „Die Impfquote allein reicht aber noch nicht aus“, betonte Wieler. Um die Pandemie zu beenden, müssten 80 Prozent der Be­völkerung die Infektion entweder durchgemacht haben oder geimpft sein. „Wenn wir zu früh öffnen, würde sich das Virus wieder verbreiten“.

Deshalb sei es wichtig, alle Coronaregeln wie Masketragen, Abstandhalten und Lüften weiter zu beherzi­gen und Testangebote wahrzunehmen. Denn es dürfe nicht auf den letzten Metern zu neuen Infektionen, Erkrankungen, Langzeitfolgen und Todesfällen kommen.

Wie Spahn sagte, beschloss das Kabinett erstmals bundeseinheitliche Regeln für Einreisen nach Deutsch­­­land, nachdem es bisher Verordnungen der Länder gab. Demnach sollen unter anderem für voll­ständig Geimpfte und Genesene Testpflichten und Quarantänevorgaben wegfallen – es sei denn man kommt aus einem Gebiet mit ansteckenderen Virusvarianten.

Das Infektionsgeschehen der dritten Coronawelle in Deutschland flaut unterdessen weiter ab. Die bun­desweite 7-Tage-Inzidenz nähert sich bei stetig sinkenden Fallzahlen nun der Schwelle von 100. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag nach den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) heute bei 107,8 (Vortag: 115,4; Vorwoche: 132,8). Der Wert sinkt in allen Altersgruppen. Einen Höchststand hatte die bundesweite Inzidenz während der dritten Welle am 26. April mit 169,3 erreicht.

Die Hälfte der Bundesländer liegt in der Coronapandemie mittlerweile unter dem politisch maßgeblich­en Wert von 100. Den RKI-Daten zufolge sieht es in Schleswig-Holstein mit 49 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche besonders gut aus.

Auch in Hamburg (67), Niedersachsen (78), Mecklenburg-Vorpommern (78) und Brandenburg (82) liegen die Werte deutlich unter der 100er-Marke. Etwas knapper ist es in Rheinland-Pfalz (93), Bremen (90) und Berlin (86). Nur noch knapp über 100 liegen das Saarland (105) und Bayern (107). Schlusslichter sind weiterhin Sachsen (144) und Thüringen (168).

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz geht seit etwa zwei Wochen kontinuierlich zurück. Auch andere Kennzahlen wie der R-Wert und die Belegung der Intensivbetten mit Coronapatienten weisen auf Entspannung hin. Das kann am Verhalten der Menschen liegen, aber auch am Fortschritt beim Impfen. Zudem sind Effekte der Bundesnotbremse denkbar. Sie greift, wenn die Inzidenz auf Kreisebene an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 liegt. Dann gelten automatisch strengere Regeln wie Ausgangs­beschränkungen.

Auf Kreisebene dürften in den nächsten Tagen immer mehr Regionen in den Genuss von Lockerungen kommen. Derzeit liegt die Inzidenz laut RKI bereits in mehr als 190 von 412 erfassten Kreisen und kreisfreien Städten unter 100. Wenn der Wert an fünf Tagen hintereinander unter 100 liegt, treten die Regeln der Bundesnotbremse zwei Tage später außer Kraft.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 14.909 Corona­neuinfektionen. Das geht aus den Zahlen von heute Morgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.13 Uhr wiedergeben. Die Daten sollten nach RKI-Angaben Nachmeldungen vom Vortag aus Brandenburg enthalten. Vor einer Woche hatte der Wert bei 18.034 Neuansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden den Angaben zufolge binnen 24 Stunden 268 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 285 Tote. Ein Rückgang der Infektionszahlen schlägt sich stets verzögert bei der Zahl der Todesfälle nieder, da die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Tod meist mehrere Wochen beträgt.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie insgesamt 3.548.285 nachgewiesene Infektionen mit SARS-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.220.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 85.380.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von gestern Abend bei 0,83 (Vortag: 0,88). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 83 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen. © dpa/aerzteblatt.de

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