NewsPolitik„Die Fokussierung auf Leistungsmenge in Krankenhäusern und Langzeitpflege muss ein Ende haben“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

„Die Fokussierung auf Leistungsmenge in Krankenhäusern und Langzeitpflege muss ein Ende haben“

Dienstag, 18. Mai 2021

Mainz – Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz verfügt über eine fünfjährige Expertise im Bereich der pflegerischen Selbstverwaltung. Anlässlich des Internationalen Tages der Pflegenden in der vergangenen Woche erklärte deren Präsident, Markus Mai, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt, welche Pläne die Bundes­pflege­kammer für die kommenden Jahre hat, warum der Koalitionsvertrag aus Rheinland-Pfalz ein Erfolg für die Pflege ist und wie Politik und Gesellschaft nun den Pflegenden helfen können, die durch die Coronapandemie am Ende ihrer Kräfte sind.

Fünf Fragen an Markus Mai, Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Anzeige

DÄ: In den vergangenen Jahren hat sowohl die Politik als auch die Selbstverwaltung in der Pflege viele Veränderungen angestoßen beziehungsweise umgesetzt. Vieles steht allerdings auch noch aus. Sind Sie eher zuversichtlich angesichts des Erreichten und eher besorgt angesichts der Probleme?

Mai: Prinzipiell bin ich immer zuversichtlich – auch, wenn man manchmal den Eindruck hat, dass man nicht verstanden wird oder verstanden werden will. Ja, wir haben schon einiges erreicht, aber noch lange nicht genug, damit es auch spürbar für jede und jeden im Praxisfeld ankommt. Selbstverwaltung ist eine große Herausfor­de­rung für den Berufsstand Pflege, weil sie ja nicht nur Rechte, sondern auch Erwartungen mit sich bringt.

DÄ: Wie bewerten Sie den vor kurzem vorgelegten Koalitionsver­trag der rheinland-pfälzischen Koalition im Hinblick auf die Pflege?

Mai: Als Landespflegekammer freuen wir uns ganz besonders da­rüber, dass auch unsere Positionen in den ausgehandelten Koalitionsvertrag aufgenommen wurden. Dies zeigt auch, dass die gute Zusammenarbeit mit der Landespolitik Früchte trägt und sich dort, wo der Berufs­stand umfassend organisiert ist, für die Verbesserung der pflegerischen Versorgung eingesetzt werden kann. Die professionelle Pflege erhält im Koalitionsvertrag erfreulich viel Raum. Die Regierungsfraktionen tragen damit der herausragenden Bedeutung der Profession Pflege Rechnung und reagieren adäquat auf die jüngsten Grenzbelastungen, denen das Gesundheitswesen ausgesetzt ist.

So möchte sich die Landesregierung für deutlich bessere Löhne einsetzen. Bereits seit 2017 sieht die Lan­despflegekammer Rheinland-Pfalz in einem Mindesteinstiegsgehalt von 4.000 Euro brutto eine gerechte Entlohnung und einen notwendigen Schritt, um die Fachkräftesicherung weiter voranzutreiben.

Wichtige Maßnahmen wie flächendeckende Tarifverträge, die Förderung der Akademisierung des Pflege­be­rufs, die aktive Unterstützung der Schulen und Einrichtungen bei der weiteren Entwicklung der generalisti­schen Pflegeausbildung, Maßnahmen zur Erhöhung der Ausbildungskapazitäten und die Beschleunigung der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen sowie Integrationsprogramme für ausländische Pfle­gende sind positive Signale und richtige Ansätze.

DÄ: Die geplante Auflösung der Pflegekammern in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zeigt auch, dass die Arbeit einer Pflegekammer nicht für alle sichtbar ist. Was hat die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz seit ihrer Gründung umgesetzt?

Mai: Wir haben eine interne Organisation für die Berufsgruppe eingeführt. Wir haben eine Weiterbildungs­ord­nung und eine Berufsordnung mit Rechten und Pflichten für unseren Berufsstand beschlossen. Wir ha­ben eine politische Interessenvertretung begründet, die viele Themen, die jetzt auf Landes- und Bundesebene umgesetzt werden, getriggert hat, zum Beispiel das Pflegebudget, Personalerweiterungen oder eine wirtschaftliche Tarifvergütung.

In Rheinland-Pfalz sind wir in allen relevanten Gremien vertreten. Da passiert nichts, was uns betrifft, ohne den Einfluss unseres Berufsstands. Während der Pandemie haben wir eng und vertrauensvoll mit dem Land zusammengearbeitet. Und wir geben eine Fachzeitschrift heraus, über die wir unsere Mitglieder über alle aktuellen Ereignisse informieren.

DÄ: Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz ist auch Mitglied der Bundes­pflege­kammer (BPK). Welche Pläne hat die BPK für die kommenden Jahre?

Mai: Zunächst wollen wir ankommen in der politischen Interessenvertretung als Dachorganisation der be­rufsständigen Selbstverwaltung in der Pflege. Wir wollen nachhaltig an allen relevanten Gesetzen mitar­bei­ten und als klarer Interessenvertreter des Pflegeberufes mit dem Ziel auftreten, eine gute Versorgungs­qualität für die Bevölkerung zu erreichen. Dabei werden wir auch unbequem sein, wenn es erforderlich ist.

DÄ: Viele Pflegende werden nach dem Ende der COVID-19-Pandemie am Ende ihrer Kräfte sein. Was kön­nen Politik und Gesellschaft aus Ihrer Sicht tun, um die Pflegenden in dieser Situation zu unterstützen?

Mai: Das, was man schon vorher hätte tun müssen. Letztlich muss man die Pflegenden jetzt schnell entlas­ten. Neben intensiven Ausbildungs- und Fachkräfteintegrationsprogrammen für ausländische Pflegeperso­nen kann Entlastung auch über eine Reduktion der Leistungsdichte erfolgen. Allerdings darf das nicht dazu führen, dass die jeweiligen Einrichtungen dafür bestraft und ihnen Mittel entzogen werden.

Letztlich ist die Finanzierungslogik sowohl in den Krankenhäusern als auch in der Langzeitpflege auf Leis­tungsmenge fokussiert. Das muss schnell ein Ende haben. Entlastung kann auch durch die starke Ein­schrän­kung bürokratischer Vorschriften erfolgen. Dokumentation sollte nicht für die Kostenträger gemacht werden, sondern ausschließlich, um im professionellen Pflegekontext nachzuvollziehen, was gemacht wur­de und was gegebenenfalls geplant ist. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER