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Ausland

Expertenkommission: WHO und Länder haben bei Corona zu langsam reagiert

Mittwoch, 12. Mai 2021

/Photocreo, Bednarek stock.adobe.com

Genf – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat im vergangenen Jahr zu langsam auf erste Alarmzei­chen einer möglichen Gesundheitsbedrohung reagiert. Zu diesem Schluss kommt eine von der WHO be­stellte unabhängige Expertenkommission. Auch Regierungen kommen in ihrem heute in Genf veröffent­lichten Bericht nicht gut weg.

Viele Länder hätten den Monat Februar 2020 vertrödelt, statt Vorkehrungen gegen die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 zu treffen, die global die Coronagesundheits- und -wirtschaftskatastrophe mit weitrei­chenden sozialen Folgen ausgelöst hat.

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„Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass das System, wie es zurzeit besteht, nicht dazu geeignet ist zu verhindern, dass sich mit einem neuen und hochansteckenden Erreger, der jeden Augenblick auftau­chen könnte, eine Pandemie entwickelt“, heißt es in dem Bericht.

China hatte Ende Dezember 2019 über die Häufung einer unbekannten Lungenkrankheit in Wuhan be­richtet. Die WHO erklärte erst am 30. Januar eine „Notlage von internationaler Tragweite“, die höchst­mög­liche Alarmstufe. Das verpflichtet Länder, Vorkehrungen zu treffen.

Die WHO sprach aber erst am 11. März von einer Pandemie. Das hat nach den WHO-Gesundheitsvor­schrif­ten anders als die Erklärung der „Notlage“ zwar eigentlich keine Konsequenzen. Im Rückblick war das aber erst der psychologisch notwendige Schub, um Regierungen richtig in Alarmbereitschaft zu versetzen.

Um die Coronapandemie sofort schärfer zu bekämpfen, stellen die Experten drei Forderungen auf: Erstens sollen reiche Länder mit genügend Impfstoff bis September zusammen eine Milliarde Impfdosen für 92 ärmere Länder zur Verfügung stellen.

Zweitens sollen Pharmafirmen freiwillig mehr Lizenzen zur Impfstoffherstellung vergeben. Wenn die Produktion damit in den nächsten drei Monaten nicht angekurbelt wird, soll unmittelbar eine Aufhebung der Patente in Kraft treten.

Drittens sollen die reichsten Länder (G7) sofort 60 Prozent der fehlenden 19 Milliarden Dollar für das Programm ACT Accelerator bereitstellen, das die Erforschung und globale Verteilung von Impfstoffen, Medikamenten und Tests organisieren soll.

Die WHO-Mitgliedsländer hatte die Expertenkommission 2020 unter Leitung der früheren Regierungs­chefin­nen Helen Clark aus Neuseeland und Ellen Johnson Sirleaf aus Liberia einberufen. Sie sollte Erfahrungen aus dem Umgang mit der Pandemie zusammentragen und Vorschläge für Verbesserungen machen.

Um auf neue Pandemien besser vorbereitet zu sein, schlägt die Kommission unter anderem einen Rat für Globale Gesundheitsbedrohungen vor. Mitglieder sollen Staats- und Regierungschefs sein, die das The­ma Pandemievorbereitung im weltweiten Fokus halten.

Ein neues globales Überwachungssystem von Krankheiten soll der WHO die Möglichkeit geben, bei Be­darf sofort und ohne Rücksprache mit betroffenen Ländern Alarm zu schlagen. Der WHO wird vorgewor­fen, zu Anfang der Pandemie zu sehr auf China gehört zu haben, das die Schwere der Bedrohung heruntergespielt hatte.

Satt bei der Erforschung etwa von Impfstoffen und Medikamenten auf Marktkräfte zu vertrauen sei ein Programm nötig, das globale öffentliche Güter schafft, zu denen alle Länder Zugang haben.

Schließlich schlägt die Kommission einen Pandemiefonds vor, der pro Jahr fünf bis zehn Milliarden Dollar (bis 8,2 Milliarden Euro) einsammelt, um Vorkehrungen gegen eine neue Pandemie zu finanzieren. © dpa/aerzteblatt.de

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