NewsPolitikPflegeverband fordert mehr politische Mitsprache
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Pflegeverband fordert mehr politische Mitsprache

Freitag, 14. Mai 2021

/picture alliance, Bodo Schackow

Berlin – Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) forderte angesichts des Internationalen Tags der Pflegenden am Mittwoch mehr Mitsprache für Pflegende in der Politik. „Eine Aufwertung der Berufsgruppe drückt sich auch in der Chance für eine echte Mitsprache aus“, betonte die Geschäftsführerin des DBfK Südost, Marliese Biederbeck, am Dienstag auf dem Pflegepolitischen Kongress des DBfK.

Unterstützung erhielt sie vom Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, der vor seinem Wechsel in die Regierung lange als Präsident des Deutschen Pflegerats tätig gewesen war. „Als ich 2018 in die Regierung kam, stand gerade die Ausgestaltung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung im Rahmen der neuen generalistischen Pflegeausbildung an“, sagte er.

Anzeige

Dabei sei ihm klar geworden, wie wichtig es sei, dass in den Gremien die Expertise der Pflegenden mit eingebunden werde. In den vergangenen drei Jahren habe er aber gemerkt, welche Veränderungen es in dieser Frage in der Politik gegeben habe. „Heute ist mein Einbringen sowohl bei der Regierung als auch bei der Opposition sehr gefragt“, sagte Westerfellhaus.

Pflegende sind als Tarifpartner selbst für ihre Gehälter verantwortlich

Biederbeck forderte zudem eine höhere Akademisierungsquote in der Pflege. „Derzeit gibt es in Bayern eine Akademisierungsquote von 0,5 Prozent“, sagte sie. „Da hinkt der Freistaat stark hinterher.“ Die Zahl der Menschen mit Abitur steige. Und man müsse ihnen auch vonseiten der Pflege ein attraktives Angebot für ein Studium machen – sonst entschieden sie sich für eine andere Branche.

Auf Biederbecks Frage, wann denn die Politik endlich für eine angemessene Bezahlung der Pflegenden sorge, erklärt der bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Klaus Holetschek, dass in Deutschland die Tarifhoheit bei den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern liege. Insofern sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer dafür zuständig, die Tarife auszuhandeln. Er wolle sich aber nicht aus der Verantwortung stehlen und versuchen beizutragen, was die Politik beitragen könne, so Holetschek. Das gelte zum Beispiel für die Frage der Besteuerung oder für die Frage, wieviel bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehe.

Vereinigung der Pflegenden in Bayern wird evaluiert

Holetschek kündigte an, dass es in Bayern in Kürze eine Evaluation der Arbeit der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) geben werde. Während sich andere Bundesländer für die Einrichtung eine Pflegekammer entschieden haben, in der sich die Pflegenden als Selbstverwaltung selbst organisieren und in der alle Pflegenden Pflichtmitglieder sind, hat Bayern die VdPB gegründet, die ebenfalls die Interessen der Pflegenden vertritt, in der die Pflegenden jedoch keine Pflichtmitglieder mit Mitgliedsbeitrag sind.

Genau bekannt, wie viele Pflegende es in einem Bundesland gibt, ist bislang nur in den Bundesländern, in denen es Pflegekammern gibt. In den anderen Bundesländern kann die Zahl der Pflegenden nur geschätzt werden. Über eine Registrierung der Pflegenden werde nun auch in Bayern nachgedacht, sagte Holetschek. „Ich bin selbstverständlich dafür, dass die Pflege eine starke Stimme hat“, so der Minister. „Wir werden jetzt sehen, was die Evaluation bringt.“

Gehälter in der Pflege angleichen

Westerfellhaus betonte, dass er sich für angemessene Einstiegsgehälter in der Pflege einsetze. „Manchmal liest man von den Arbeitgebern, um wieviel Prozent die Gehälter der Pflegenden zuletzt gestiegen seien“, sagte er. Dabei müsse man aber berücksichtigten, von welchem Sockelbetrag sie gestiegen sind.

„In zwei Jahren haben wir generalistisch ausgebildete Pflegekräfte auf dem Markt, die sich dann aussuchen können, wo sie arbeiten“, sagte Westerfellhaus. „Bis dahin müssen wir die Gehälter im Krankenhaus, in der Reha und in der Altenpflege angleichen – und natürlich auch zwischen Ost und West.“

Westerfellhaus rief die Partner der Konzertierten Aktion Pflege (KAP) dazu auf, ihre Zusagen auch wirklich einzuhalten. Im Rahmen der KAP waren viele Verbände und Organisationen zusammengekommen, die gemeinsam zahlreiche Maßnahmen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege konsentiert haben.

„Wir haben alle miteinander ein Konzept unterschrieben“, sagte Westerfellhaus. „Dann erwarte ich auch, dass genau das umgesetzt wird, was unterschrieben wurde.“ Manchmal gehe die Umsetzung dabei schnell, manchmal sei sie aber auch ziemlich zäh. © fos/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER